Update am Morgen: Wie der Tod einer Frau Iran veränderte

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    Update am Morgen:Wie der Tod einer Frau Iran veränderte

    von Antje Pieper
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    Antje Pieper

    Guten Morgen,

    ein Jahr ist es her, dass der Tod der 22 Jahre alten Kurdin Jina Mahsa Amini eine breite Protestbewegung in Iran auslöste. Am 16. September 2022 war sie nach der Festnahme durch die Sittenpolizei in Teheran gestorben. Angeblich soll sie gegen die Vorschriften zum Tragen eines Kopftuchs verstoßen haben.
    Vor dem Jahrestag am kommenden Samstag hat das Regime den Druck erhöht und versucht, Proteste im Keim zu ersticken. Es gab zahlreiche Festnahmen und Drohungen. "Die Ereignisse des vergangenen Jahres haben jeden von uns beeinflusst. Jeden, der davon erfuhr, der in Iran lebt, der Iraner oder Iranerin ist", erzählt Bita Vakili.
    Die Malerin lebt und arbeitet in Teheran und ist eine der wenigen Frauen, die sich vor der Kamera unseres ZDF-Teams in Iran äußern wollen. Die meisten haben Angst, lehnen Interviews ab. Sie habe eine ganze Zeit nicht arbeiten können.

    Ich war völlig verwirrt vom Ausmaß dieser Katastrophe und der Ereignisse.

    Bita Vakili, Malerin in Teheran

    Mittlerweile male sie wieder, und im Zentrum ihrer Bilder stehe die Rolle der Frau in der iranischen Gesellschaft. "Ich will weniger den Schmerz zeigen als den Heilungsprozess", sagt Vakili.
    Den Druck, den das Regime vor dem Jahrestag ausübt, spüren kritische Medien, die ohnehin im Fokus staatlicher Verfolgung stehen, besonders. So bekam vor wenigen Tagen die Online-Zeitung "Entekhab" durch Beschluss der Medienaufsicht Publikationsverbot. Ihre Internet-Adresse wurde gesperrt. Auslöser war ein kritischer Bericht über die Außenpolitik der Regierung Raisi.
    Die 22-jährige Mahsa A. (Archivbild)
    Jina Mahsa Amini: Ihr Tod löste eine Protestwelle in Iran aus.
    Quelle: Imago

    Doch das sei nur der Vorwand gewesen, um ihre Stimme zum Schweigen zu bringen, sagt Chefredakteur Mostafa Faghihi. Die Verhaftungen der vergangenen Wochen seien falsch und steigerten die Wut der Menschen. "Die Forderungen der Leute müssen gehört werden", sagt Faghihi. Der Graben zwischen Volk und Regierung sei unter Präsident Raisi noch tiefer geworden.
    Veränderungen sieht auch die Rechtsanwältin und Frauenrechtsaktivistin Shima Ghoosheh. Nach Beginn der Proteste vor einem Jahr habe es einen Ansturm auf ihre Kanzlei gegeben. Familien von Verhafteten seien verunsichert gewesen, es habe große Angst, aber auch Wut und Trotz gegeben. Ein Jahr später sehe sie, dass sich viele Frauen ihrer Grundrechte bewusst geworden seien. "Und eines dieser Grundrechte ist das Recht auf den eigenen Körper."
    Sie sieht auch in ländlichen Gebieten außerhalb der großen Städte mehr Toleranz gegenüber Verstößen gegen die islamische Kleiderordnung. So werde sie dort mittlerweile nicht mehr angegriffen und kritisiert, wenn sie sich dort ohne Kopftuch zeige. Die Akzeptanz sei gewachsen, sagt Ghoosheh.
    Aus Iran, ein Jahr nach Beginn der Proteste, die sich zur größten Herausforderung für die Islamische Republik seit ihrer Gründung 1979 entwickelten, berichtet heute im auslandsjournal Jörg Brase.
    Einen guten Tag wünscht Ihnen
    Antje Pieper, auslandsjournal-Moderatorin und stellvertretende ZDF-Politikchefin

    Was im Ukraine-Krieg passiert ist

    Treffen von Putin und Kim erwartet: Im Fernen Osten Russlands wird heute das Zusammenkommen des russischen Präsidenten und des nordkoreanischen Staatschefs erwartet. Als ein möglicher Treffpunkt galt der russische Weltraumbahnhof Wostotschny, wo Putin laut staatlicher Nachrichtenagentur TASS am Morgen ankam. Sein Gast reiste im schwer gepanzerten Sonderzug an. Vermutet wird, dass Putin und Kim über Waffengeschäfte sprechen.
    Russland meldet Verletzte bei Raketenangriff auf Sewastopol: Bei einem mutmaßlichen Raketenangriff auf die Bucht von Sewastopol auf der russisch besetzten Krim sind laut der von Moskau eingesetzten Gebietsverwaltung mindestens 24 Menschen verletzt worden.
    Ukrainer rücken nahe Bachmut vor: Südlich der ostukrainischen Stadt seien "teilweise Erfolge" zu verzeichnen, teilte der Generalstab in Kiew mit. Die russische Armee hatte Bachmut im Mai erobert. Allerdings greift die Ukraine nun ihrerseits nördlich und südlich der Stadt an. Weitere Teilerfolge meldete der Generalstab im Gebiet Saporischschja im Süden. Dort arbeitet sich die ukrainische Armee seit Wochen langsam durch stark verminte russische Verteidigungslinien hindurch.
    Weitere News-Updates zur Lage und zu Reaktionen erhalten Sie jederzeit auch in unserem Liveblog zu Russlands Angriff auf die Ukraine.

    Was heute noch wichtig ist

    Rede zur Lage der Europäischen Union: Zum letzten Mal in dieser Legislaturperiode hält EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen heute ihre Rede zur Lage der Europäischen Union. Mit Spannung wird erwartet, ob die deutsche Spitzenpolitikerin dabei auch etwas zu einer möglichen Kandidatur für eine zweite Amtszeit sagt. ZDFheute zeigt die Rede live ab 9 Uhr.
    Kabinett berät über Online-Verzeichnis für Kliniken: Für Patientinnen und Patienten soll es ein staatliches Online-Verzeichnis zu Leistungen und Behandlungsqualität der Krankenhäuser in Deutschland geben. Das sehen Pläne von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vor, mit denen sich das Bundeskabinett heute befasst. Danach soll es eine PK zum "Transparenzverzeichnis" geben.
    Wahl-O-Mat zur Bayern-Wahl startet: Der Wahlkampf in Bayern läuft auf vollen Touren. Welche Positionen haben dabei beispielsweise die CSU, Freie Wähler oder die Grünen? Der Wahl-O-Mat vergleicht sie ab heute Vormittag mit Ihren Interessen.

    Ausführlich informiert

    ZDFheute live: Entscheidende Waffen-Hilfe für Putin? (29 Minuten)

    Zahl des Tages

    30: Vor 30 Jahren, am 13. September 1993, wurde das Oslo-Abkommen unterzeichnet. Israelis und Palästinenser vereinbarten darin Schritte zum Frieden - die Bemühungen wurden sogar mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt. "Doch eine wirkliche Befriedung des Nahost-Konflikts wurde nie erreicht, geschweige denn die friedliche Koexistenz zweier unabhängiger Staaten", schreibt ZDF-Korrespondent Michael Bewerunge.

    30 Jahre Oslo-Abkommen
    :Nahost: Ein Traum in Trümmern

    Vor 30 Jahren wurde das Oslo-Abkommen unterzeichnet. Israelis und Palästinenser vereinbarten Schritte zum Frieden. Mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt, heute eine leere Formel.
    von Michael Bewerunge
    Unterzeichnung des Oslo Friedensabkommens 1993

    Ein Lichtblick

    Tiny Houses aus toten Fichten: Im Sauerland sind riesige Fichtenwälder dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen, auf dem Markt gibt es kaum Geld für das Totholz. Ein Forstbetrieb macht aus der Not eine Tugend - und baut daraus nun ökologische Holzhäuser in Modulbauweise.
    Tiny House aus Totholz von abgestorbenen Fichten
    12.09.2023 | 1:58 min

    Gesagt

    Always Look on the Bright Side of Life.

    Monty Python

    "Schau immer auf die fröhliche Seite des Lebens", sangen die Komiker von Monty Python einst in ihrem Kultfilm "Das Leben des Brian". Heute ist Tag des positiven Denkens.

    Weitere Schlagzeilen

    Die Nachrichten im Video

    heute Xpress
    Kurznachrichten im ZDF - immer auf dem Laufenden17.07.2024 | 1:50 min
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    So wird das Wetter heute

    Am Mittwochvormittag regnet es im Süden und im Osten. Am Nachmittag ist der Regen im Osten dann vorbei und es wird von Nordwesten her zunehmend freundlicher. Im Süden kommen am Nachmittag zu den Schauern teils kräftige Gewitter dazu. Die Temperatur steigt auf Werte von 18 bis 26 Grad.
    Das Wetter am Mittwoch 13.09.2023
    Quelle: ZDF

    Zusammengestellt von Katja Belousova
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