Tesla-Absatz bricht ein: Eine hausgemachte Krise

    Absatzzahlen brechen ein:Teslas hausgemachte Krise

    ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann
    von Frank Bethmann
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    Tesla schwächelt in Europa. Der Konzern verkauft weniger Autos, auch weil Firmenchef Musk mit rechtsextremen Populisten sympathisiert. Doch das ist es nicht allein.

    Demonstranten versammeln sich in Seattle, Washington, zu einem Protest gegen Elon Musk und den Elektroautohersteller Tesla.
    Proteste gegen Elon Musk in den USA (Archivbild). Auch in Europa wächst die Kritik an dem Tesla-Chef.
    Quelle: AFP

    Für den Verkauf von Elektroautos war der Januar kein schlechter Monat. EU-weit wurden wieder mehr Stromer verkauft - allerdings nicht von Tesla. Die Neuzulassungen des Elektroauto-Pioniers brechen förmlich ein. Wie der europäische Herstellerverband Acea in Brüssel mitteilte, ging die Zahl der verkauften Teslas um die Hälfte auf 7.517 Autos zurück.
    Damit setzt sich fort, was bereits im vergangenen Jahr zu beobachten war: Bei Tesla, das zuvor nur Wachstum kannte, läuft es nicht mehr rund. Erstmals in der Geschichte der Firma gingen 2024 die Absatzzahlen zurück.

    Umfrage: Musks Verhalten schreckt Autokäufer ab

    Seitdem wird spekuliert, was die Gründe dafür sind. Hat der US-Autobauer seinen Zenit bereits überschritten? Oder lässt sich in den aktuellen Zahlen etwas anderes ablesen? Kommt Tesla für viele Autofahrer nicht mehr infrage, weil Firmenchef Elon Musk rechtsextreme Populisten fördert?
    Kurz vor Weihnachten bekundete Musk öffentlich seine Sympathien für die AfD. Zudem zeigte er bei der Feier zur Amtseinführung Donald Trumps eine Geste, die wie ein Hitlergruß wirkte. Auftritte, die möglicherweise immer mehr Autofahrer abschrecken.
    Über eine Videoeinblendung unterhält sich US-Miliardär Elon Musk mit Alice Weidel (r), Bundesvorsitzende der AfD, beim Wahlkampfauftakt der AfD.
    Während bundesweit Zehntausende gegen Rechtsruck protestierten, hat die AfD bei ihrem Wahlkampfauftakt in Halle Stärke demonstriert. Auch Musk sprach auf der Veranstaltung.25.01.2025 | 2:02 min
    Eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Civey im Auftrag der "Automobilwoche" scheint diesen Trend zu bestätigen. Zwei Drittel der Befragten gaben demnach an, dass Musk und seine Äußerungen gegen den Kauf eines Teslas sprechen würden.

    Viele Rückrufaktionen und Probleme

    Doch tatsächlich kämpft Tesla noch an anderen Fronten, die am Image kratzen. Immer wieder ist der US-Autobauer mit Rückrufaktionen, technischen Pannen und Unfällen in den Schlagzeilen. Mal sind es Probleme mit der Servolenkung, dann mit der Motorhaube, und wiederholt gibt es Schwierigkeiten mit dem Fahrassistenzsystem. Autos würden grundlos von allein bremsen.
    Abstimmung über Tesla-Erweiterung
    In Grünheide ist die Stimmung aufgeheizt. Die Mehrheit der Bürger hat gegen eine Erweiterung des Tesla-Werks gestimmt. Doch heute entschied der Gemeinderat: Tesla darf bauen. 17.05.2024 | 2:30 min
    Bereits 2023 berichtete das "Handelsblatt" über interne Tesla-Dokumente, die Tausende Beschwerden von Kunden dokumentieren, deren Autos anlasslos gebremst haben sollen. Selbst Mitarbeiter hielten Fahrten mit dem Autopiloten offenbar für gefährlich, wie entsprechende Recherchen belegen.
    Inzwischen untersucht das Kraftfahrtbundesamt die Phantombremsungen. Nicht auszuschließen, dass die Aufseher in Kürze konkretere Sicherheitsbedenken gegen einzelne Tesla-Modelle ins Feld führen werden.

    Experte: Tesla verspielt Technologievorsprung

    Nicht gerade verkaufsfördernd sei für Europa aber vor allem, dass das wichtigste Modell für Tesla, das Model Y, vor einem Modellwechsel stehe, sagt Autoexperte Christoph Stürmer, der einen Lehrauftrag an der Hochschule Aalen hat.

    Da ist es völlig normal, dass, wenn das neue Produkt vorgestellt wurde, aber noch nicht lieferbar ist, kein Auto mehr vom Hof geht. Denn natürlich wollen die Käufer, die jetzt Geld ausgeben, das neueste Modell haben.

    Autoexperte Christoph Stürmer

    Die große Frage aber wird sein: Um wie viel besser ist das neue Model Y? Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM), ist da skeptisch. Tesla sei dabei, seinen Technologievorsprung zu verspielen.
    Elon Musk jublend bei einer Rede, daneben die Logos seiner Firmen X, Space X und Tesla
    Elon Musks wichtigstes Unternehmen Tesla kämpft an der Börse. Wie gut ist er als Unternehmer und wie mächtig wird er unter Präsident Donald Trump? 03.01.2025 | 32:10 min
    Die Konkurrenz, vor allem aus China, holt auf. Im CAM-Ranking der innovativsten Hersteller fand sich der Musk-Konzern 2024 nur noch auf Rang 13, vor fünf Jahren belegte die Marke noch Rang 4.

    Tesla ist in vielen Technologiefeldern führend gewesen, mittlerweile aber abgerutscht.

    Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM)

    Tesla, so der Fachmann weiter, verwalte seinen Vorsprung überwiegend nur noch.

    Wie lange ist Tesla noch Weltmarktführer bei E-Autos?

    Trotz allem ist Tesla der Weltmarktführer bei E-Autos. Doch wie lange noch? Der US-Autobauer spürt die Konkurrenz, die inzwischen technisch teils bessere Fahrzeuge baut. Hinzu kommt Musks extremer politischer Richtungswechsel, der der Marke geschadet hat. Viele Probleme sind hausgemacht.
    Stürmer will aber noch nicht uneingeschränkt von einer großen Tesla-Krise sprechen. "Tesla wird langsam ein ganz normaler Automobilhersteller, lernt die normalen Höhen und Tiefen des Automobilsektors kennen." Wie andere Hersteller auch, müsse sich Tesla jetzt im härter werdenden Wettbewerb behaupten. "Jetzt wird sich zeigen, ob sie ihr Geschäft beherrschen."

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