Doping: WADA reagiert auf Zverev- und Djokovic-Kritik

    Tennis - Doping:WADA reagiert auf Zverev- und Djokovic-Kritik

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    Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat die Kritik an der Sperre von Jannik Sinner zurückgewiesen. Alexander Zverev und Novak Djokovic hatten zuvor ihr Befremden bekundet.

    Jannick Sinner
    Jannik Sinner, Weltranglistenerster, akzeptiert nach zwei positiven Tests eine 3-monatige Sperre der Welt-Anti-Doping-Agentur - genau zwischen zwei Grand-Slam-Turnieren.18.02.2025 | 1:19 min
    Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) weist Kritik an ihrem Vergleich mit dem Weltranglistenersten Jannik Sinner zurück. Der Fall Sinner sei "meilenweit von Doping entfernt", sagte WADA-Chefjurist Ross Wenzel der britischen BBC. Zudem sei die Dreimonatssperre gegen den Weltranglistenersten, der rechtzeitig zum Masters in Rom wieder auf die Tour zurückkehrt, angemessen und ohne Rücksicht auf den Tenniskalender getroffen worden.

    Das wissenschaftliche Feedback war, dass es sich nicht um einen Fall von absichtlichem Doping, einschließlich Mikrodosierung, handeln kann.

    Ross Wenzel, WADA-Chefjurist

    Zverev zweifelt am Sinn der Sinner-Sperre

    Nach dem überraschenden Deal mit Sinner hatte sich auf vielen Ebenen Kritik geregt. Bei Alexander Zverev stieß der Umgang mit der Doping-Causa um Jannik Sinner und die Drei-Monats-Sperre für den italienischen Tennisstar auf Verwunderung. Für ihn gehe es darum, zu entscheiden, ob es Sinners Fehler gewesen sei oder nicht, sagte der Weltranglisten-Zweite aus Hamburg dem Tennis-Portal "Clay" beim ATP-Turnier in Rio de Janeiro.
    "Entweder man hat sich nichts zuschulden kommen lassen, dann sollte man überhaupt nicht gesperrt werden. Denn wenn du keine Schuld hast, dann hast du auch keine Schuld. Du solltest nicht bestraft werden", sagte Zverev.

    Aber wenn man sich doch etwas zuschulden kommen lässt, dann denke ich, dass drei Monate für die Einnahme von Steroiden keine Sperre sind.

    Alexander Zverev

    Die Situation und den ganzen Prozess seit dem letzten Jahr bezeichnete Zverev als "seltsam".

    Positiv auf Clostebol getestet

    Jannik Sinner war im März 2024 positiv getestet worden. Der Südtiroler hatte angegeben, dass das verbotene Mittel Clostebol bei einer Massage über die Hände eines Betreuers in seinen Körper gelangt sei. Die verantwortliche Tennis-Agentur Itia sah kein vorsätzliches Verschulden und keine Fahrlässigkeit und verzichtete auf eine Sperre. Dagegen ging die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA vor.
    Am Samstag war bekannt geworden, dass sich Sinner mit der WADA auf eine dreimonatige Sperre einigte. Bis zum 4. Mai darf der Weltranglisten-Erste keine Turniere spielen. Rechtzeitig vor den French Open, die am 25. Mai in Paris beginnen, endet die Sperre. Durch die Einigung zog die WADA ihren Einspruch vor dem Sportschiedsgericht CAS zurück.

    Djokovic: Vertrauen in Anti-Doping-System verloren

    Mit Respekt hatte sich Zverev nach dem klar verlorenen Endspiel bei den Australian Open über die sportliche Klasse des Südtirolers auf Hartplatz geäußert. In Melbourne war er chancenlos und hatte sich seinen Traum vom ersten Grand-Slam-Titel nicht erfüllt. Bei der Siegerehrung hatte ihn Sinner getröstet und ihm Mut zugesprochen, dass er sein großes Ziel erreichen könne.
    Aus Sicht von Novak Djokovic hat eine Mehrheit der Tennisprofis nach dem Fall von Sinner das Vertrauen in das Anti-Doping-System verloren. Es gebe das Gefühl einer Vorzugsbehandlung, sagte der Rekord-Grand-Slam-Champion beim Turnier in Doha. 

    Eine Mehrheit der Spieler denkt, dass es nicht fair ist. Eine Mehrheit der Spieler denkt, dass es eine Bevorzugung gibt. Es scheint, dass du beinahe den Ausgang beeinflussen kannst, wenn du ein Topspieler bist, wenn du Zugang zu Topanwälten hast.

    Novak Djokovic

    Auch im Fall der Weltranglistenzweiten Iga Swiatek hatte es Vorwürfe mangelnder Transparenz gegeben. Die Polin war im vergangenen Jahr wegen Dopings für einen Monat gesperrt worden. Djokovic betonte, dass er nicht die Unschuld von Sinner und Swiatek in Zweifel ziehe. Er forderte die Sport-Institutionen jedoch auf, den Prozess zur Behandlung von Dopingfällen zu überarbeiten, "weil das System und die Strukturen offensichtlich nicht funktionieren".

    Auch NADA bedauert Entscheidung

    Auch der deutschen Nationalen Doping-Agentur NADA stößt das Urteil sauer auf. "In einem solch prominenten und richtungsweisenden Fall hätte ich mir eine klare und transparente CAS-Entscheidung gewünscht", sagte NADA-Vorstandsvorsitzender Lars Mortsiefer der "FAZ."
    Laut Mortsiefer könnte das Verfahrensende zu einem Nachahmereffekt führen. "So bleibt wohl nur, dass Athleten anscheinend nun immer mit der WADA einen Vergleich anstreben werden, um eine größtmögliche Reduktionsmöglichkeit zu erzielen", sagte der NADA-Boss. Der Fall wäre im April vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS verhandelt worden, so wie es sich Mortsiefer gewünscht hätte. Dazu kommt es nun nicht mehr.

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    Quelle: Reuters

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    Quelle: dpa, SID

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