Tournee-Favoriten: Paschke, Hörl oder doch wieder Kobayashi?
Die Favoriten der Tournee:Paschke, Hörl oder doch wieder Kobayashi?
von Lars Becker
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Pius Paschke, ein Österreicher oder doch Titelverteidiger Ryoyu Kobayashi? Das sind die Favoriten der 73. Vierschanzentournee.
Jan Hoerl, Pius Paschke und Stefan Kraft in Kuusamo, Finnland (v.l.n.r./Archiv)
Quelle: AFP
Pius Paschkes Mutter kann in ihrer Heimat Kiefersfelden kaum noch unerkannt die Straßenseite wechseln. Im örtlichen Gasthof "Bergwirt" wurde sogar ein Public Viewing für alle vier Springen der 73. Vierschanzentournee organisiert.
Aber kann der 34 Jahre alte Mann, der im laufenden Winter fünf von zehn Einzel-Weltcups gewinnen konnte, wirklich zum ersten deutschen Tournee-Gesamtsieg seit 23 Jahren fliegen?
Paschkes Generalprobe ging schief
Die Mitfavoriten-Bürde scheint Spätstarter Paschke vor dem Auftaktspringen in Oberstdorf (Sonntag/16:30 Uhr live im ZDF) zu belasten: "Das ist eine neue Situation für mich. Mal schauen, wie mir das gelingt." Die Tournee-Generalprobe kurz vor Weihnachten im schweizerischen Engelberg ging schief. Der Seriensieger der Vorwochen stürzte - allerdings gesundheitlich angeschlagen - auf die Plätze zehn und 18 ab.
Zudem ist es kein gutes Omen, wenn man wie Pius Paschke als Skispringer mit dem Gelben Trikot zum Skisprung-Grand-Slam anreist: Sechsmal war das bei einem Deutschen der Fall, nie konnte einer trotz Heimvorteil gewinnen. Paschke selbst bezeichnet seinen Sprungstil als "Ritt auf der Rasierklinge" und will bei der Tournee wieder "zu meiner Idee des Skispringens" finden.
Viel spricht für ein Tournee-Duell der beiden Ausrichterländer - schließlich dominieren unter den besten neun im Gesamtweltcup drei Deutsche und vier Österreicher. Beim letzten Weltcup vor der Tournee hatten die Flieger aus dem Land des Erzrivalen mit einem Dreifachsieg allerdings klar die Nase vorn.
Das sind die Mitfavoriten aus Österreich
Daniel Tschofenig siegte vor Jan Hörl und Stefan Kraft - womit die drei Tournee-Mitfavoriten aus Österreich genannt sind. Für den 22 Jahren Tschofenig, der mit der kanadischen Skisprung-Weltmeisterin Alexandria Loutitt liiert ist, spricht die jugendliche Leichtigkeit. Für Jan Hörl (26) die konstante Topform der letzten Wochen und seine außergewöhnlichen fliegerischen Fähigkeiten.
Topfavorit für viele seiner Kollegen ist jedoch routinierte Skiflug-Weltrekordler Stefan Kraft (31), der schon alle wichtigen Titel gewonnen hat. Auch bei der Vierschanzentournee stand er schon ganz oben, als er Österreich vor zehn Jahren den letzten Gesamtsieg bescherte.
Ein Jahrzehnt Warten für Österreich, sogar 23 Jahre für Deutschland - das zeigt, welch immensen Druck die Flieger aus den beiden Ausrichterländern des Skisprung-Grand-Slams verspüren. Das öffnet auch bei dieser Tournee die Chance für Flieger aus anderen Ländern.
Am häufigsten werden der Schweizer Gesamtweltcup-Fünfte Gregor Deschwanden, Team-Weltmeister Anze Lanisek (Slowenien) und Olympiasieger Marius Lindvik (Norwegen) genannt.
Der Spezialist: Kobayashi
Und dann ist ja auch noch Ryoyu Kobayashi, mit den Triumphen 2019, 2022 und 2024 der größte Tournee-Spezialist der jüngeren Vergangenheit. Der Mann mit dem außergewöhnlich aggressiven Flugstil schaffte es in diesem Winter noch nie unter die Top 10, zeigte aber als Zwölfter von Engelberg aufsteigende Tendenz. "Kobayashi darf man nie abschreiben", sagt auch Andreas Wellinger aus leidvoller Erfahrung.
2023/2024: Ryoyu Kobayashi (Japan), 2. Andreas Wellinger (Deutschland) 2022/2023: Halvor Egner Granerud (Norwegen) … 11. Andreas Wellinger 2021/2022: Ryoyu Kobayashi (Japan) … 4. Karl Geiger 2020/2021: Kamil Stoch (Polen), 2. Karl Geiger 2019/2020: Dawid Kubacki (Polen) … 3. Karl Geiger 2018/2019: Ryoyu Kobayashi (Japan), 2. Markus Eisenbichler 2017/2018: Kamil Stoch (Polen), 2. Andreas Wellinger 2016/2017: Kamil Stoch (Polen) … 7. Markus Eisenbichler 2015/2016: Peter Prevc (Slowenien), 2. Severin Freund 2014/2015 Stefan Kraft (Österreich) … 6. Richard Freitag
Er landete im vorigen Winter nach einem dramatischen Duell auf Tournee-Platz zwei hinter dem Japaner - der fünfte Silberplatz für einen deutschen Skispringer seit 2016. Neben dem Oberstdorfer Karl Geiger gilt Wellinger als große deutsche Tournee-Hoffnung, falls Pius Paschke doch mit Nervenflattern zu kämpfen hat. "Der Tourneesieg ist definitiv ein Kindheitstraum - aber von jedem von uns im deutschen Team. Und ich hoffe, dass er für einen am 6. Januar 2025 in Erfüllung geht", sagt Wellinger.
Pius Paschke ist beim Heimweltcup in Titisee-Neustadt auch im letzten Springen nicht zu schlagen. Nach dem 1. Durchgang noch Zweiter, fliegt der DSV-Adler im Finale noch zum Sieg.15.12.2024 | 2:20 min
Quelle: Reuters
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