Verbraucherschutz: EU verbietet den Kunststoff BPA

    Gesundheitsgefährdender Stoff:Lebensmittelverpackungen: EU verbietet BPA

    von Michael Wiedemann
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    Sie steckt in Trinkflaschen, Frischhaltefolien oder auch Smartphones: die Alltags-Chemikalie Bisphenol A (BPA). Jetzt wird sie von der EU für Lebensmittelverpackungen verboten.

    Berlin: Tupperware steht in Berlin Zehlendorf an einem Marktstand.
    Die chemische Verbindung BPA steckt in vielen Kunststoffen und ist potenziell gesundheitsschädlich. (Symbolbild)
    Quelle: dpa

    Die chemische Verbindung dürfte sich wohl in den meisten deutschen Haushalten wiederfinden - ob in der Frischhaltefolie, Aufbewahrungsdosen, der Sportflasche oder auch in Konservendosen: Bisphenol A, kurz BPA. Doch damit dürfte bald Schluss sein. Die Europäische Kommission hat ein Verbot beschlossen.
    Sie kam zu dem Schluss, dass BPA potenziell schädliche Auswirkungen auf das Immunsystem und damit die Gesundheit hat. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass BPA hormonelle Störungen verursachen und das Risiko für Krankheiten des Herz-Kreislauf- Systems oder der Immunmechanismen erhöhen kann.
    Unbefüllte Plastikflaschen befinden sich in der Produktion eines Getränkeherstellers.
    Es steckt in Trinkflaschen, Lebensmittelverpackungen oder Smartphones: Der Weichmacher Bisphenol A. 25.09.2023 | 2:03 min

    Übergangszeit bis Mitte 2026

    Die Anordnung, die eine maximale Übergangszeit von 36 Monaten vorsieht, folgt der wissenschaftlichen Bewertung von BPA durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Schon zuvor hatte es Einschränkungen bei der Nutzung der Chemikalie gegeben.
    BPA war schon seit 2011 für Babyflaschen und anderen Produkten für Säuglinge und Kleinkinder verboten. Mit dem nun beschlossenen Verbot wird BPA bis Mitte 2026 in den meisten Fällen aus sogenannten Lebensmittelkontaktmaterialien verbannt. Die Übergangszeit von bis zu drei Jahren gilt bei Verpackungsmaterialien, die ihrer Verwendung besonderen hygienischen Ansprüchen genügen müssen. Etwa bei Obst, Gemüse und Fischerzeugnissen.
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    BPA in Lebensmittelverpackungen problematisch

    Im April hatte die Stiftung Warentest eine Untersuchung zu Bisphenol A in Konservendosen veröffentlicht. Dabei wurden 58 verschiedene Lebensmittelkonserven getestet. 51 von 58 Produkten enthielten messbare Mengen an BPA. Besonders hohe BPA-Gehalte wurden in Suppen und Eintöpfen gefunden, während Tomaten und Mischgemüse tendenziell weniger belastet waren.
    Schon 2023 hatte die EFSA im Rahmen einer Neubewertung der Sicherheit von BPA betont, die Chemikalie stelle bei der Ernährung für Verbraucher aller Altersgruppen ein Gesundheitsrisiko dar. Sie senkte deshalb die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) von vier Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag drastisch auf 0,2 Nanogramm, betonte aber auch, dass weitere Regulierungsmaßnahmen der EU erforderlich seien, die Verbraucher zu schützen.

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    Alternative oder unbedenkliche Stoffe

    Wie BPA in Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, ersetzt werden kann, zeigt das Beispiel Frankreich. Dort trat bereits im Januar 2015 ein Verbot von BPA, das in Kontakt mit Lebensmitteln kommen kann, in Kraft. Angeregt von der französischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (ANSES) wurden zahlreiche Alternativen identifiziert.
    Dazu gehören etwa Polymere, gewonnen aus Zuckerrüben, Zuckerrohr, Weizen, Mais oder Zellulose, die - mit Einschränkungen bei der mechanischen Belastbarkeit - geeignet sind für die Herstellung von Einwegbechern, Lebensmittelverpackungen oder Folien.
    Oder auch unbedenklichere Kunststoffe wie Polypropylen oder Polysulfon, die beispielsweise für Babyflaschen verwendet werden könnten. Außerdem könnten Verpackungsmaterialien wie Glas, Keramik oder Edelstahl häufiger zum Einsatz kommen.
    Mai Thi Nguyen-Kim
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    Überwachung des Verbots

    Die neuen EU-Verbotsbestimmungen sehen allerdings eine kurze Frist bis Mitte 2026 vor, BPA zu ersetzen. Unternehmen müssen also zeitnah in neue Materialien und Produktionsprozesse investieren, um BPA-freie Alternativen zu entwickeln. Das könnte für einige Hersteller echte finanzielle und logistische Herausforderung darstellen.
    Um sicherzustellen, dass die neuen Vorschriften zu BPA eingehalten werden, sollen nationale Einrichtungen der EU-Mitgliedstaaten das Verbot überwachen. Regelmäßige Kontrollen und Tests von Produkten, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, sollen dann sicherstellen, dass sie frei von der verbotenen Chemikalie sind.
    Michael Wiedemann ist Redakteur in der ZDF-Redaktion Umwelt.

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