Flugzeugabsturz Germanwings 9525: Die Tragödie bleibt

    Zehn Jahre Germanwings-Absturz:Ein Jahrzehnt des Schmerzes und der Fragen

    Thadeus Parade, Redakteur des ZDF-Landesstudio Nordrhein-Westfalen.
    von Thadeus Parade
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    Am 24. März 2015 zerschellt ein Airbus von Germanwings in den französischen Alpen. Alle 150 Menschen an Bord sterben - eines der schlimmsten Unglücke in der deutschen Luftfahrt.

    Kerze und Trauerschleife mit Nummer Germanwings-Flug 9525
    Zehn Jahre nach dem "Germanwings-Absturz": Alle 150 Insassen kamen dabei ums Leben. Für die Angehörigen bleibt der Schmerz unermesslich.21.03.2025 | 6:14 min
    "Ich bin dann mal weg, ja?" Es sind diese letzten Worte - aufgezeichnet auf dem Stimmrekorder - die Flugkapitän Patrick Sondenheimer seinem Copiloten zuruft, als er kurz das Cockpit des Germanwings-Flugs 9525 auf dem Rückweg von Barcelona nach Düsseldorf verlässt, um zur Toilette zu gehen.

    Germanwings 9525 war von Barcelona nach Düsseldorf unterwegs

    Er ahnt in diesem Augenblick nicht, dass sein Copilot anschließend die Cockpit-Tür versperrt und den Airbus absichtlich in den französischen Alpen zum Absturz bringt. Unter den Todesopfern befinden sich auch zahlreiche Deutsche.
    Der Düsseldorfer Unternehmer Klaus Radner verlor seine Tochter, seinen Schwiegersohn und seinen kleinen Enkel. Den Verlust habe er bis heute nicht verkraftet, erzählt er ZDFheute: "Ich bin seelisch und geistig bis an mein Lebensende ein anderer Mensch."
    Grafikvideo zum Hergang des Absturzes starten
    3D-Animation des Germanwings-Fluges 9525 24.03.2025 | 0:32 min
    Auch 16 Schülerinnen und Schüler des Joseph-Königs-Gymnasiums in Haltern am See, die zusammen mit zwei Lehrern von einem Schüleraustausch in Spanien auf dem Rückweg nach Hause waren, kamen ums Leben. Die Tragödie hat sich bis heute ins Gedächtnis der Menschen ihrer Heimatstadt Haltern gebrannt.
    Karte des Fluges von Germanwings 9525 von Barcelona nach Düsseldorf mit der Absturzstelle nördlich von Nizza
    Karte des Fluges von Germanwings 9525 von Barcelona nach Düsseldorf mit der Absturzstelle nördlich von Nizza
    Quelle: ZDF

    Germanwings-Absturz: Ursache zeichnete sich recht schnell ab

    Der Verdacht, dass ein technischer Defekt den Absturz des Airbus ausgelöst hatte, wurde bereits kurze Zeit später verworfen. Denn die Auswertung der Blackbox zeigte, dass Copilot Andreas Lubitz allein im Cockpit saß und die Tür von innen verriegelt hatte.
    Bei der Durchsuchung seiner Düsseldorfer Wohnung fanden die Ermittler zahlreiche Hinweise, die auf einen geplanten Suizid hindeuteten.

    Es wurde ein Tablet gefunden, auf dem kurz vorher umfangreiche Suizidmöglichkeiten im Internet recherchiert worden sind - verbunden mit der Frage, wie viel Psychopharmaka ich einnehmen muss, um mich damit umzubringen.

    Christoph Kumpa, ermittelnder Staatsanwalt

    Kumpa erzählt weiter, dass Lubitz auch bezüglich des Verschluss- und Blockiersystems der Cockpit-Tür eines Airbus recherchiert habe.

    Copilot Lubitz war psychisch erkrankt

    Nach und nach stellte sich heraus: Copilot Andreas Lubitz hatte eine jahrelange Krankenakte und war wegen massiver psychischer Probleme wiederholt in ärztlicher Behandlung.
    Am Unglückstag hätte er ohnehin nicht fliegen dürfen, da er von seinem behandelnden Arzt krankgeschrieben war, sagt Staatsanwalt Kumpa, doch "diese Krankschreibung hat er seinem Arbeitgeber nicht abgegeben."
    Ein Jahr nach dem Absturz veröffentlichte die französische Untersuchungsbehörde BEA ihren Abschlussbericht: Darin wurde bestätigt, dass Copilot Lubitz das Flugzeug vorsätzlich zum Absturz brachte.
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    Auch die deutschen Ermittler kamen zu dem Ergebnis, dass Lubitz schuldig ist und keiner der beteiligten Personen strafbar gehandelt habe. Klaus Radner, der Tochter, Schwiegersohn und Enkel verlor, kann das nicht akzeptieren.

    Klagen gegen die Lufthansa bleiben ohne Erfolg

    Radner hat jahrelang recherchiert und viel Geld investiert. Er hat gegen den Arbeitgeber des Copiloten, die Lufthansa, die behandelnden Ärzte und auch gegen die Eltern von Lubitz geklagt. Er wollte die seiner Meinung nach Mit-Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Alles ohne Erfolg.
    Viele Fragen bleiben: So kursieren zehn Jahre später auch noch weitere Absturz-Theorien: Unstimmigkeiten im Abschlussbericht sollen demnach darauf hindeuten, dass ein technischer Defekt den Absturz ausgelöst habe und Lubitz bewusstlos war.

    Staatsanwalt hält andere Gründe für den Germanwings-Absturz für abwegig

    Diese Theorie hält Staatsanwalt Kumpa jedoch für völlig abwegig:

    Das Ganze wäre nur dann plausibel, wenn beide Ansätze zeitlich zusammen treffen würden, also die Software verursacht den Absturz und gleichzeitig wird der Pilot ohnmächtig.

    Christoph Kumpa, ermittelnder Staatsanwalt

    Warum Copilot Andreas Lubitz auch noch so viele Menschen mit sich in den Tod riss, wird wohl für immer unbeantwortet bleiben. An der Absturzstelle in den französischen Alpen erinnert eine Kugel aus 149 vergoldeten Aluminiumplatten an die Opfer der Tragödie.
    Thadeus Parade ist Redakteur im ZDF-Landesstudio Nordrhein-Westfalen.

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    Quelle: dpa

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