Die Allianz lässt gebrauchte Ersatzteile zu und will damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Kosten dämpfen und für mehr Umweltfreundlichkeit sorgen. Doch es gibt Kritik.
Die Allianz-Versicherung plant, Gebrauchtteile zur Reparatur von Autos zu verwenden. Inwiefern das ein Sicherheitsrisiko sein kann, schätzt ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann ein.10.05.2024 | 1:07 min
Der exorbitante Anstieg der Inflation hatte vielfältige Auswirkungen: Nicht nur Energie, Brötchen oder Fleisch wurden teurer, auch die Preise für Autoreparaturen und die dazugehörigen Ersatzteile stiegen enorm an.
Zum einen belastete dies natürlich diejenigen, die ihr Auto in der Werkstatt reparieren lassen mussten, zum anderen aber auch die Versicherer, die für viele dieser Reparaturen aufkamen.
Hohe Verluste für Kfz-Versicherer
Gut ablesen lässt sich das anhand der sogenannten Schaden-Kosten-Quote. Diese lag 2023 nach Angaben des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft bei 111. Das heißt, für jeden Euro Beitrag mussten 1,11 Euro aufgewendet werden, um Schäden zu regulieren. So verwundert es nicht, dass der Verlust aller Autoversicherer hierzulande insgesamt 3,2 Milliarden Euro betrug. Auch für dieses Jahr erwartet der Verband einen Verlust von rund zwei Milliarden Euro.
Die Allianz will den explodierenden Kosten nun einen Riegel vorschieben. Der Plan dafür hört sich allerdings ein wenig nach "Zurück in die Zukunft" an. Denn Deutschlands größter Versicherer erlaubt Kfz-Werkstätten künftig defekte Autos auch mit gebrauchten Ersatzteilen zu reparieren.
Dafür in Frage kommen demnach hauptsächlich kaskoversicherte Fahrzeuge im Alter zwischen drei und acht Jahren. Jüngere Autos seien meist finanziert oder geleast und bei älteren lohne sich oftmals selbst eine Reparatur mit gebrauchten Teilen nicht mehr.
KFZ-Versicherungen werden abgeschlossen, um gegen Schäden am Auto und gegenüber anderen abgesichert zu sein. Was aber tun, wenn die Versicherung in einem solchen Fall nicht zahlt?26.10.2023 | 3:29 min
Auto-Reparatur: Künftig wird "ausgeschlachtet"
Als Quelle für Ersatzteile sollen Autos mit Totalschäden herhalten, die bislang häufig ins Ausland verkauft werden. Heißt: Ausgeschlachtet wird künftig wieder daheim. Das klingt zunächst einmal nicht nur nach Kostendämpfung, sondern auch nach hohem Sicherheitsrisiko für die Verbraucher.
Der ADAC hält die Neuverwendung gewisser Bauteile allerdings für unbedenklich: "Wenn die Werkstatt dieselben Garantien wie bei Neuteilen anbietet, ist das kein Problem." Der Automobilclub schränkt dennoch ein:
Sicherheitsrelevante Komponenten sollten dabei aber nicht von einem Unfallwagen kommen.
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Automobilclub ADAC
Laut Allianz soll die Neuregelung aber sowieso nur für unbedenkliche Teile wie Türen, Scheinwerfer oder Heckklappen gelten.
Frank Sommerfeld, Chef der Allianz Versicherungs-AG, ergänzt: "Lenkungen, Achsteile oder Räder werden nicht verwendet." Er rückt zudem die Kostenvorteile in den Mittelpunkt und macht eine Beispielrechnung anhand der Windschutzscheibe eines VW ID.3 auf. Dort ließen sich durch den Verzicht auf eine neue Scheibe 1.200 Euro sparen.
Reparieren ist nachhaltiger
Zudem sieht Sommerfeld noch einen zweiten wichtigen Vorteil.
Alle Expertinnen und Experten sind sich einig: Reparieren ist nachhaltiger, als Neuteile einzusetzen.
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Frank Sommerfeld, Chef der Allianz Versicherungs-AG
Die CO2-Emissionen wären allein in diesem Beispielfall laut Allianz Zentrum für Technik nahezu 100 Prozent niedriger. Dies liegt daran, dass bei der Produktion von Autoteilen Treibhausgase entstehen, die beim Einbau eines gebrauchten Ersatzteils naturgemäß nicht noch einmal anfallen. Ob dies alles dazu führt, dass nun auch Versicherungspolicen demnächst wieder günstiger werden, ist allerdings noch unklar.
Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer kann sich das aber durchaus vorstellen. Denn das Geschäft mit Kfz-Versicherungen sei so "wettbewerbsintensiv, dass man nicht jeden Preis nehmen kann."
Nachteile sieht er allerdings für die Autobauer. Er erwartet, dass durch die Billig-Reparaturen ein Teil ihres Profits wegfällt. "Ersatzteile" seien das Geschäft, "bei dem man sich eine goldene Nase" verdiene. Aber er ergänzt auch: "Es muss ja nicht unbedingt auch noch der Brillant oben drauf sein."
mit Material von der dpa
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