Mit angeblichen Hanfplantagen wurden Anleger um Millionen geprellt. Im April verhafteten Ermittler mutmaßliche Hintermänner. Zwei von ihnen sollen in Deutschland angeklagt werden.
Sergej B. vor Gericht in der Dominikanischen Republik
Quelle: DR / Joan Rosa
Es ist das vorläufige Finale eines gigantischen Internetbetrugs: Die Berliner Staatsanwaltschaft will im Fall der Online-Plattform "Juicy Fields" Anklage gegen zwei deutsche Beschuldigte erheben.
Laut Informationen von ZDF Frontal und "Spiegel" werden sich die beiden Männer voraussichtlich wegen gewerbsmäßigen Betrugs verantworten müssen. Der Gesamtschaden, der Anlegern weltweit durch die Abzocke mit angeblichen Cannabis-Pflanzen entstanden ist, beziffern die Ermittler auf mindestens 645 Millionen Euro.
Reich werden kann jeder – mit Cannabis. Das war das Versprechen der Onlineplattform JuicyFields. Viele glaubten dem Versprechen und investierten ihre kompletten Ersparnisse.19.04.2023 | 44:29 min
Schneeballsystem mit Cannabispflanzen
Die Betrugsmasche mit dem angeblichen Online-Anbau von medizinischem Cannabis flog 2022 auf. Die Betreiber besaßen praktisch keine Pflanzen, die anfangs ausgezahlten Gewinne wurden durch die Investitionen neuer Investoren gedeckt - ein klassisches Schneeballsystem, das irgendwann in sich zusammenbricht. Seither sind bereits mehr als 3.000 Strafanzeigen bei der Berliner Staatsanwaltschaft eingegangen.
Die Hintermänner des Betrugs sind den Ermittlungen zufolge russische Staatsbürger, die falsche Identitäten nutzten und ein Netzwerk aus Helfern und Strohmännern um sich sponnen. Eine Erkenntnis, die auch durch eine neue gemeinsame Recherche von ZDF Frontal, dem "Spiegel", Correctiv, dem Dänischen Rundfunk (DR) und anderen internationalen Partnern gestärkt wird.
In Deutschland hat die Staatsanwaltschaft vorrangig zwei Männer im Visier, die in den "Juicy Fields"-Betrug verwickelt gewesen sein sollen: einen vorbestraften Berliner Geschäftsmann und angeblichen Grafen und den ehemaligen Geschäftsführer der Berliner Dependance, Viktor B.
Der Graf ließ eine Anfrage von ZDF und Spiegel unbeantwortet, erklärte sich gegenüber den Behörden aber als unschuldig. Nach seiner Festnahme im April ist er unter Auflagen wieder frei. Das gilt auch für Viktor B., einen Deutschen mit sowjetischen Wurzeln, der sich ebenfalls nicht zu den Vorwürfen verhielt.
Reich werden kann jeder – mit Cannabis. Das war das Versprechen der Online-Plattform JuicyFields. Viele glaubten dem Versprechen und investierten ihre kompletten Ersparnisse. Was als Hype begann, entpuppte sich als Betrug.19.04.2023 | 2:02 min
Teure Autos, dubiose Grafen
Im April hatten Beamte zur Sicherung von Beweisen im mutmaßlichen Megabetrug unter anderem Wohnungen durchsucht. Sie beschlagnahmten unter anderem einen Bentley und einen Range Rover, dazu zahlreiche Unterlagen und Datenträger.
Der vorbestrafte Graf, der in den "Juicy Fields"-Betrug verwickelt sein soll, wurde bereits mehrfach verurteilt - wegen Betrugs und unerlaubter Bankgeschäfte, insgesamt zu fast elf Jahren Haft.
Cannabis ist legal, die Beschaffung bisher aber nicht. Wer nicht selbst anbaut muss kreativ werden. Denn viele Cannabis-Clubs haben noch keine Genehmigung. 12.09.2024 | 4:04 min
Russische Hintermänner verhaftet
Parallel zu den Durchsuchungen in Berlin gab es einen koordinierten Einsatz mit mehr als 400 Beamten in elf Ländern weltweit - auch auf Teneriffa und in der Dominikanischen Republik. Dort verhafteten Ermittler einen der mutmaßlich russischen Drahtzieher in einem Touristen-Resort. Der Gesuchte logierte dort weiter unter seinem Tarnnamen aus dem "Juicy Fields"-Kontext - "Paul Bergholts". Sein richtiger Name aber lautet Sergej B. Neben Bargeld stellten Beamten Munition und gefälschte Pässe sicher.
Die für den Fall zuständige Berliner Oberstaatsanwältin Ina Kinder ordnet Sergej B. und dessen Komplizen der russischen Organisierten Kriminalität zu. Sergej B., der inzwischen nach Spanien ausgeliefert wurde, antwortete erstmals schriftlich aus der Haft und bestritt den Betrug. Man habe in "echte Produktionen" investiert, mit dem Geld seien andere verschwunden.
Das Geld ist weg
Den betrogenen Anlegern könnten Strafprozesse vielleicht etwas Genugtuung bereiten, auf eine Entschädigung für das investierte Geld können sie aber dennoch kaum mehr hoffen. Von den ergaunerten 645 Millionen wurde bis heute nur ein geringer Bruchteil sichergestellt.
Quelle: dpa
Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Dann sind Sie beim ZDFheute-WhatsApp-Channel richtig. Hier erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten auf Ihr Smartphone. Nehmen Sie teil an Umfragen oder lassen Sie sich durch unseren Podcast "Kurze Auszeit" inspirieren. Zur Anmeldung: ZDFheute-WhatsApp-Channel.
Um dir eine optimale Website der ZDFmediathek, ZDFheute und ZDFtivi präsentieren zu können, setzen wir Cookies und vergleichbare Techniken ein. Einige der eingesetzten Techniken sind unbedingt erforderlich für unser Angebot. Mit deiner Zustimmung dürfen wir und unsere Dienstleister darüber hinaus Informationen auf deinem Gerät speichern und/oder abrufen. Dabei geben wir deine Daten ohne deine Einwilligung nicht an Dritte weiter, die nicht unsere direkten Dienstleister sind. Wir verwenden deine Daten auch nicht zu kommerziellen Zwecken.
Zustimmungspflichtige Datenverarbeitung • Personalisierung: Die Speicherung von bestimmten Interaktionen ermöglicht uns, dein Erlebnis im Angebot des ZDF an dich anzupassen und Personalisierungsfunktionen anzubieten. Dabei personalisieren wir ausschließlich auf Basis deiner Nutzung der ZDFmediathek, der ZDFheute und ZDFtivi. Daten von Dritten werden von uns nicht verwendet. • Social Media und externe Drittsysteme: Wir nutzen Social-Media-Tools und Dienste von anderen Anbietern. Unter anderem um das Teilen von Inhalten zu ermöglichen.
Du kannst entscheiden, für welche Zwecke wir deine Daten speichern und verarbeiten dürfen. Dies betrifft nur dein aktuell genutztes Gerät. Mit "Zustimmen" erklärst du deine Zustimmung zu unserer Datenverarbeitung, für die wir deine Einwilligung benötigen. Oder du legst unter "Einstellungen/Ablehnen" fest, welchen Zwecken du deine Zustimmung gibst und welchen nicht. Deine Datenschutzeinstellungen kannst du jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in deinen Einstellungen widerrufen oder ändern.