Widerstand gegen Junta: Myanmars Militär unter Druck

    Widerstand gegen Junta:Myanmars Militär gerät zunehmend unter Druck

    |

    Myanmar kommt nicht zur Ruhe. Nach dem Putsch 2021 rebelliert nun ein Widerstands-Bündnis gegen das regierende Militär. Auch Peking dürfte dies gespannt beobachten.

    Brennende Lkw in Muse, Myanmar
    Beobachter sehen die aktuellen Kämpfe in Myanmar als die größte Herausforderung für das regierende Militär seit dem Putsch vom Februar 2021.
    Quelle: reuters

    Es bewegt sich was in Myanmar. Schien die Situation in dem von einer brutalen Junta gebeutelten Krisenland lange statisch, so haben sich seit einigen Wochen bewaffnete Gruppen gegen die Armee erhoben - mit beachtenswertem Erfolg. Die Generäle wirken ratlos.
    Der von ihnen ernannte Präsident Myint Swe warnte bereits unverhohlen vor einem Zerfall des früheren Birma. "2023 dürfte für die myanmarische Armee das schlimmste Jahr sein, das sie seit den 1960er Jahren erlebt hat", schrieb der Journalist Wai Moe, ein ehemaliger politischer Gefangener, in einem Kommentar.
     Indonesien, Jakarta: Minister und Mitglieder der Delegierten nehmen am Treffen der Außenminister der Asean-Staaten vor dem Asean-Gipfel im Asean-Sekretariat teil.
    In Indonesien haben die Staats- und Regierungschefs aus zehn südostasiatischen Ländern über die andauernde Krise in Myanmar diskutiert.05.09.2023 | 0:21 min

    Guerilla-Bündnis kontrolliert wichtige Infrastruktur

    Besonders heftige Kämpfe gibt es seit dem 27. Oktober im nördlichen Shan-Staat an der Grenze zu China, einer für Drogenhandel und Glücksspiel bekannten, als gesetzlos geltenden Region. Passend zum Datum nennen die Kämpfer ihre Offensive "Operation 1027".
    Innerhalb weniger Tage hat die sogenannte Bruderallianz - ein Guerilla-Bündnis aus drei ethnischen Gruppen - nach eigenen Angaben die Kontrolle über wichtige Handelsrouten nach China sowie über mehr als 180 Stützpunkte und Außenposten gewonnen. In wichtigen Orten wehen statt der Nationalflagge Myanmars nun Flaggen der bewaffneten Opposition.
    Die Armee reagiert mit Luftangriffen, auf dem Boden aber kommt sie nicht weiter. Gleichzeitig sind UN-Angaben zufolge Zehntausende Zivilisten auf der Flucht.
    General Aung Hlaing bei Militärparade
    frontal hat geleakte Daten ausgewertet, die schockierende Verbindungen zwischen dem myanmarischen Militär und westlichen Unternehmen enthüllen.17.10.2023 | 10:50 min

    Widerstandsgruppen stehen China nah

    Die Allianz mit vielen erfahrenen Widerstandskämpfern besteht aus drei Gruppen: der Myanmar National Democratic Alliance Army (MNDAA), der Ta'ang National Liberation Army (TNLA) und der Arakan Army (AA). Alle stehen China, Myanmars wichtigstem Handelspartner, traditionell nah. Peking, das in der Region im Rahmen seiner neuen Seidenstraße Großprojekte plant, spielt eine wichtige Rolle in dem Konflikt.

    Wir haben große Städte an der Grenze zwischen China und Myanmar besetzt

    Li Kyar Wen, ein Sprecher der MNDAA

    Mehr als 200 Junta-Soldaten seien getötet worden, Hunderte weitere hätten sich ergeben. Gleichzeitig seien Waffen und Munition der Armee beschlagnahmt worden. Unabhängig überprüfen lassen sich die Berichte nicht.
    Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi redet in ein Mikrofon.
    Die Militärjunta in Myanmar gab bekannt, dass Aung San Suu Kyi teilweise begnadigt werden soll.01.08.2023 | 0:21 min

    Myanmars Militär vor größten Herausforderungen seit Putsch

    Beobachter sagen aber, das Militär sehe sich mit der größten Herausforderung seit seinem Putsch vom Februar 2021 konfrontiert. Gleich an mehreren Fronten und in verschiedenen Landesteilen wird gekämpft. Auch die Moral der Junta-Truppen ist mittlerweile auf einem Tiefststand. Die Generäle finden vielerorts kaum noch Nachwuchs, der für sie kämpfen will.
    China scheint den Konflikt - wie so oft - für seine eigenen Interessen zu nutzen. Jedoch ist die derzeitige Situation kompliziert: Zwar unterhält Peking diplomatische Beziehungen zur Junta, gleichzeitig gibt es traditionell enge Kontakte zu den Guerillagruppen.

    "Vollständige Ausrottung der Junta" als Ziel

    Als nächstes plant die MNDAA nach eigenen Angaben einen Angriff auf Laukkai, der Hauptstadt der Region Kokang. Früher ein wichtiges Opium-Anbaugebiet, gilt das Gebiet heute als Zentrum für Online-Glücksspiele und Cyber-Betrug.
    Was die landesweiten Offensiven langfristig bedeuten, ist derzeit nicht abzusehen. Sicher scheint, dass viele ethnische Gruppen in dem Vielvölkerstaat ein ähnliches Ziel verfolgen: Das Aus der Generäle und Selbstbestimmung. Khun Beedu, der Anführer der Karenni Nationalities Defence Force (KNDF) teilt mit:

    Im ganzen Land kämpfen wir derzeit gemeinsam gegen das Militärregime, um den Weg für die Errichtung einer föderalen Demokratie zu ebnen.

    Khun Beedu

    "Während der Operationen kann es zwar zu Kollateralschäden und Verlusten kommen - das ultimative Ziel ist aber die vollständige Ausrottung der Junta."

    Militärjunta in Myanmar
    :Aung San Suu Kyis Begnadigung nur leere Geste

    Die Teilamnestie für Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi in Myanmar ist kein Signal für Demokratie. Tatsächlich entgleitet der Militärjunta immer mehr die Lage im Land.
    von Nils Metzger
    Aung San Suu Kyi vor dem Internationalen Gerichtshof, Archivbild
    mit Video
    Quelle: dpa
    Thema

    Mehr zur Lage in Myanmar