Streaminganbieter: höhere Preise für Serienjunkies
Streamingdienste:Serienjunkies müssen mehr zahlen
von Brigitte Scholtes
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Ist es die Inflation? Oder gibt es andere Gründe für die höheren Gebühren, die manche Streaming-Anbieter jetzt von ihren Kunden verlangen?
Einige Streaming-Anbieter erhöhen ihre Preise - woran liegt das?
Quelle: dpa / Silas Stein
Die Preise steigen - auch bei Streaming-Diensten. Besonders Aufsehen erregte vor einigen Tagen Amazon, das die Gebühren für sein Prime-Angebot erhöhte, in dem auch der Streaming-Dienst enthalten ist. Im Jahr werden nun statt 69 Euro 89,90 Euro fällig, monatlich 8,99 Euro statt 7,99 Euro. Als Grund dafür hatte Amazon auch die Inflation genannt. Der Konkurrent Netflix hat in den vergangenen Jahren regelmäßig die Preise erhöht.
Doch während die Kunden das lange meist klaglos hinnahmen, kündigen nun immer mehr ihr Abonnement. Das ist neu für den Streamingpionier, der vor einem Vierteljahrhundert als Online-Videothek startete, bevor sich das kalifornische Unternehmen vor 15 Jahren auf das Streamen von Filmen verlegte. Das war so erfolgreich, dass jahrelang die Abonnementszahlen stetig kletterten.
Netflix: von Corona profitiert, nun Abwärtstrend
Nach oben ging es noch zu Beginn der Corona-Pandemie, als sich aus Mangel an Ausgehmöglichkeiten immer mehr Nutzer für einen Streamingdienst entschieden - und eben viele für Netflix.
Seit zwei Quartalen aber geht es abwärts auf nun weltweit 220,7 Millionen, wenn auch weniger stark als von Netflix zunächst erwartet. Das dürfte auch dem Erfolg der vierten Staffel von "Stranger Things" zu verdanken sein.
Wetter, Konkurrenz und wirtschaftliche Situation sorgen für Kundenschwund
Ein Grund für den Schwund der Kunden ist auch deren wirtschaftliche Lage in den vergangenen Monaten, meint Elias Halbig. Der Portfoliomanager der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment sagt im Gespräch mit ZDFheute:
Alles wird teurer, da sind Streamingabos eine Möglichkeit zu sparen.
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Elias Halbig, Union Investment
Das schöne Wetter in den letzten Monaten habe diese Entscheidung wohl noch erleichtert, nachdem viele in der Pandemie kaum das Haus verlassen hätten.
Außerdem wächst die Konkurrenz wie Disney Plus, Amazon Prime oder Warner Bros. Discovery, das erst kürzlich aus HBO Max und Discovery Plus fusionierte. Hinzu kommt, dass die Medienunternehmen erkannt haben, dass sie ohne einen Streamingdienst nicht zukunftsfähig aufgestellt sind.
Inhalte immer wichtiger: Amazon mit eigener "Herr-der-Ringe"-Serie
Netflix erwirtschaftet mit seinem Angebot einen Gewinn - gut 1,4 Milliarden Dollar waren es im zweiten Quartal. Konkurrent Disney Plus (etwa 138 Millionen Abonnements) macht mit seinem Streaming-Angebot noch Verluste. Das Unternehmen, das die zahlreichen von ihm produzierten Filme und Serien anbietet - darunter etwa die Star Wars- und Marvel-Blockbuster sowie auch die zahlreichen Zeichentrickfilme - hat jedoch einen großen Vorteil: Wie Amazon Prime (mehr als 200 Millionen Abos) hat es noch weitere Einnahmequellen.
Mit der wachsenden Konkurrenz werde auch der "Content", also die Inhalte immer wichtiger für den Erfolg eines Streaming-Anbieters: "Da hat Amazon Prime für die Serie "Herr der Ringe" richtig viel Geld in die Hand genommen", meint Halbig. Satte 465 Millionen US-Dollar soll allein die erste Staffel mit acht Episoden à 50 Minuten gekostet haben.
Um zu sparen - Kunden dürften noch genauer vergleichen
Amazon kann sich das eben wegen der weiter guten Geschäfte seiner übrigen Sparten gut leisten. Außerdem ist das Streaming-Angebot nur eines unter mehreren Serviceleistungen im "Prime"-Bündel, etwa neben dem schnelleren und versandkostenfreien Versand von Waren.
Vergleicht man die verschiedenen Dienste, was immer mehr Kunden aus Sparsamkeitsgründen tun dürften, dann sei Disney Plus eher ein Streaming-Angebot für die ganze Familie, meint etwa Arne Düsterhoft, Telekommunikationsexperte beim Verbraucherportal Finanztip. Ein Image, das Disney jedoch abzulegen versucht.
Neben Disney Plus ist Wow, ehemals Sky Ticket, ein weiterer wichtiger Konkurrent. Klein, aber fein - so versucht sich Apple TV Plus darzustellen. Es biete nur eine geringe Auswahl an Filmen, diese aber seien hochwertig, sagt Düsterhoft. Ein Zeichen: Als erster Streaminganbieter gewann Apple für "Coda" in diesem Jahr den Oscar für den besten Film.
Novum: Nachdenken über werbefinanzierte Angebote
Dass aber die Lage der einzelnen Anbieter schwieriger geworden ist, zeigt vor allem eine Überlegung: Sowohl Netflix als auch Amazon denken derzeit über werbefinanzierte Angebote nach. Für Netflix wäre das ein Tabubruch. Denn als das Unternehmen mit seinem Streamingdienst startete, definierte es sich als werbefreie Alternative zum Fernsehen.
Dennoch dürften die großen Unternehmen langfristig im Wettbewerb bestehen, glaubt Portfoliomanager Halbig. Er ist aber überzeugt:
Die Konsolidierung in der Branche aber wird weitergehen.
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Elias Halbig, Union Investment
So könnte auch Apple mit seinem kleinen Angebot im Streaminggeschäft weiter eine Rolle spielen, meint er, allein schon wegen der Finanzstärke des Unternehmens.
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