Warum Deutschland ein Klimageld braucht | Terra-X-Kolumne
Kolumne
Terra-X-Kolumne:Warum Deutschland ein Klimageld braucht
von Christian Scharun
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Steigende CO2-Preise machen Energie immer teurer. Ein Klimageld könnte das ausgleichen. Doch wie hoch wäre das? Und wie realistisch ist seine Einführung? Ein Blick auf die Fakten.
Wer ein Auto mit Verbrenner-Motor fährt und seine Wohnung mit einer Öl- oder Gasheizung warmhält, bekommt die steigenden Preise seit Jahren zu spüren, auch unabhängig von Energie- und Gaskrise. Das liegt vor allem an der steigenden CO2-Bepreisung, die dafür sorgt, dass die Vertreiber von fossilen Energieträgern jede Tonne des schädlichen Treibhausgases genauso teuer bezahlen müssen wie unsere Gesellschaft langfristig die Folgen der dadurch verursachten globalen Erwärmung.
In der Terra-X-Kolumne auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpert*innen jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.
Und diese Kosten reichen die Firmen an uns Privatpersonen weiter. Schon jetzt mit einem CO2-Preis von 55 Euro pro Tonne kostet die Kilowattstunde Gas etwa ein Cent mehr als ohne CO2-Bepreisung. Der Liter Heizöl hat sich sogar um 15 Cent erhöht. Und ähnlich sieht es an der Tankstelle aus, auch hier kommen in diesem Jahr etwa 15 Cent obendrauf. Tendenz steigend. Denn mit realistischen Preisen von bis zu 300 Euro pro Tonne in den nächsten fünf Jahren wären das an der Zapfsäule etwa 80 Cent mehr für den Liter. Das läppert sich.
Warum die Preise für fossile Energie steigen müssen
Hinter all dem steckt das nationale Emissionshandelssystem (nEHS), das in den kommenden Jahren im europäischen Emissionshandel aufgeht und als marktwirtschaftliches Prinzip dafür sorgen soll, dass durch die Verteuerung Anreize zum Einsparen der Emissionen oder zum Umstieg auf klimafreundliche Alternativen entstehen. Das ist nicht nur wichtig im Kampf gegen die Klimakrise, sondern funktioniert auch sehr effektiv und bringt ordentlich Geld in die Kassen der Bundesrepublik.
Die Erlöse aus dem Emissionshandel fließen in den Bundeshaushalt. Mit diesem Geld werden grüne Projekte finanziert. Nun ist der Preis für CO2 ist im Sinkflug. Welche Auswirkungen hat das?
14.03.2024 | 4:45 min
Das Geld, immerhin über elf Milliarden Euro alleine dieses Jahr, kommt in den sogenannten Klima- und Transformationsfonds der Bundesregierung und wurde in der Vergangenheit in den Ausbau des Schienennetzes, die Förderung der Elektromobilität und ihrer Ladeinfrastruktur sowie viele weitere nachhaltige Maßnahmen investiert.
Wer am stärksten belastet wird
Klingt alles sehr gut, würden die steigenden Energie-Preise nicht besonders Geringverdienende stark belasten. Zum Beispiel muss eine vierköpfige Familie mit einem Auto und Ölheizung in den nächsten 20 Jahren geschätzte zusätzliche Kosten von bis zu 35.000 Euro erwarten. Nur nachvollziehbar also, dass Privatpersonen ablehnend auf Klimaschutzmaßnahmen reagieren. Es ist einer der Hauptgründe, weshalb Expertinnen und Experten seit Jahren einen sozialen Ausgleich zur steigenden Belastung durch die CO2-Bepreisung fordern.
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Und auch die demokratischen Parteien sprachen sich vor der Bundestagswahl ohne Ausnahme dafür aus, dass der Emissionshandel in den Sektoren Gebäude und Verkehr zukünftig nicht ohne einen sozialen Ausgleich weiterbestehen darf. Im Koalitionsvertrag der Ampelregierung war das Klimageld sogar schon vereinbart gewesen, es wurde jedoch nicht beschlossen.
Wie viel Klimageld könnten wir bekommen?
Die Hoffnung liegt also nahe, dass auch im nächsten Koalitionsvertrag das Klimageld zu finden ist und die kommende Regierung es alsbald umsetzt. Wie viel Geld bekämen wir jeweils zurück? Das hängt vor allem vom angedachten Auszahlungsmodell ab. Am einfachsten und unbürokratischsten wäre hier ein pauschales Klimageld, bei dem alle Menschen gleich viel Geld zurückerhalten. Bei aktuell 55 Euro pro Tonne CO2 wären das etwa 140 Euro pro Person. Mit einer steigenden Bepreisung könnten es sogar über 750 Euro werden.
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Für die meisten Menschen in den unteren Einkommensgruppen würde das bedeuten, dass unter dem Strich sogar mehr Geld im Jahr übrigbleibt. Auch ein einkommensabhängiges Klimageld und weitere Modelle, mit denen gezielt sozial schwächere Haushalte entlastet werden, sind denkbar. Wie viel man in der eigenen Situation bei welchem CO2-Preis und Auszahlungsmodell erhalten würde, lässt sich hier im MAITHINK X-Klimageld-Rechner ausprobieren.
Ohne Klimageld droht soziale Schieflage
Klar ist schon heute: Je höher die CO2-Bepreisung ausfällt, desto schwerer wird die finanzielle Belastung in der Bevölkerung und umso dringender fehlt dem Emissionshandel ein sozialer Ausgleich in Form eines Klimageldes, um auch weiterhin ein funktionierender Hebel im Kampf gegen die Klimakrise zu bleiben.
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... ist wissenschaftlicher Autor in der Redaktion von MAITHINK X. Wissenschaftliche Inhalte kommuniziert er auf unterhaltsame Art und Weise auch bei Science Slams sowie auf YouTube und anderen sozialen Netzwerken. 2022 konnte er mit "FameLab Germany" einen der größten Wettbewerbe für Wissenschaftskommunikation gewinnen. Neben seiner Passion für die Wissenschaft selbst war Christian Scharun als Klimaforscher aktiv. Dabei beschäftigte er sich mit den Emissionen von Treibhausgasen und simulierte mit Klimamodellen ihren Beitrag zur globalen Erwärmung.
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