Tiere, Pflanzen, Pilze:Biodiversität ist mehr als Artenvielfalt
von Mark Hugo
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Wenn von Biodiversität die Rede ist, wird oft an bedrohte Wildbienen oder Wale gedacht. Falsch ist das nicht. Und doch geht es bei dem Begriff um weit mehr als um einzelne Arten.
Die 16. UN-Biodiversitätskonferenz ist gestartet. Im kolumbianischen Cali diskutieren Politiker und Experten, wie man die Natur vor der Ausbeutung und die Artenvielfalt schützen kann.22.10.2024 | 4:26 min
Artenvielfalt ist die Summe aller Tier-, Pflanzen- und Pilzarten und auch der Mikroorganismen in einem oder allen Lebensräumen. Ein Begriff, der häufig gleichbedeutend mit biologischer Vielfalt oder Biodiversität benutzt wird. Tatsächlich ist sie aber nur ein Teil davon. Denn Biodiversität umfasst neben der Artenvielfalt zwei weitere Ebenen.
Am 21. Oktober beginnt in der kolumbianischen Stadt Cali die 16. UN-Biodiversitätskonferenz. Bei den zweiwöchigen Verhandlungen geht es vor allem um die Umsetzung des vor zwei Jahren erzielten Artenschutzabkommens von Montreal. Damals einigten die Staaten sich unter anderem auf das Ziel, bis 2030 mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresfläche unter Schutz zu stellen.
Genetische Vielfalt erhöht Überlebenschance
Die eine Ebene ist die sogenannte genetische Vielfalt. Gemeint sind damit vor allem Unterschiede innerhalb einzelner Arten. Hunderassen zum Beispiel können sehr verschiedene Größen, Fellfarben oder auch Verhaltensmuster haben. Und doch gehören sie der gleichen Spezies oder Art an.
Eine Wildblumenwiese im eigenen Garten sieht nicht nur wunderbar aus, sondern stärkt auch die Biodiversität - zeigt ZDF-Reporterin Sabine Platz.04.09.2023 | 3:09 min
Bei Wildtieren und -pflanzen ist die genetische Vielfalt sehr wichtig, weil sie sich so über mehrere Generationen hinweg an geänderte Umweltbedingungen anpassen - etwa auch an zunehmende Hitze oder Trockenheit. Je höher ihre genetische Vielfalt, desto höher ist die Chance einer Art, unter veränderten Bedingungen zu überleben.
Vielfalt ganzer Ökosysteme schützenswert
Die zweite weitere Ebene ist die Vielfalt der Lebensgemeinschaften oder Ökosysteme. Tier- oder Pflanzenarten sind Teil eines eng verwobenen Systems, in dem die eine Art ohne die andere nicht überleben kann. Meist beeinflussen sich die Systeme auf der Erde gegenseitig. Forschende weisen deshalb immer wieder darauf hin, dass es beim Naturschutz sinnvoll sei, Störungen ganzer Ökosysteme im Blick zu haben und nicht nur die Bedrohung einzelner Arten.
Weltweit ist die ökologische Vielfalt in Gefahr. Auch in der Stadt können Ökosysteme geschaffen werden, zeigt das Beispiel Darmstadt.
22.05.2024 | 1:31 min
Ein einfaches Beispiel: Stirbt auf einer Wiese eine bestimmte Wildbienenart aus, folgt ihr kurz darauf eine spezielle Pflanze, die nur von ihr bestäubt wird. Fehlt nun auch diese, werden womöglich andere Pflanzen dominant, die vorher keinen Platz hatten, sich auszubreiten.
Artenreiche Ökosysteme sind stabiler
So könnte im schlimmsten Fall ein ganzes System ins Kippen geraten. Untersuchungen belegen, dass artenreiche Ökosysteme stabiler sind als artenarme. Auch mit Blick auf Krankheiten, die sich weniger leicht ausbreiten und auf andere Arten - darunter den Menschen - überspringen können.
Eine internationale Studie aus dem Jahr 2023 geht davon aus, dass weltweit bereits rund zwei Millionen Arten gefährdet sind. Biodiversitätsverlust bedeutet aber nicht nur, dass es künftig weniger Tier- oder Pflanzenarten auf dem Planeten gibt. Er bedroht auch massiv die Lebensweise der Menschen.
Biodiversität für den Menschen unverzichtbar
Für den Menschen ist Biodiversität in vielfacher Hinsicht unverzichtbar: Insekten bestäuben drei Viertel aller Nutzpflanzen; Tiere wie der Mistkäfer etwa bauen tierische und pflanzliche Abfallstoffe ab. Diese "Dienstleistungen" in der Landwirtschaft sind nicht nur Milliarden Euro wert, sie sind meist gar nicht ersetzbar.
Darüber hinaus liefert die Natur unzählige Nahrungsmittel, Baustoffe, Arzneien oder zumindest die Ideen dazu. Intakte Ökosysteme binden riesige Mengen an Kohlenstoff, der nicht als Treibhausgas CO2 in die Atmosphäre gelangt.
Wie geht es dem Wald in Deutschland? Die aktuelle Waldinventur zeigt: Der Klimawandel setzt dem Wald zu - inzwischen gibt er mehr Kohlenstoff ab, als er aufnehmen kann. 08.10.2024 | 2:34 min
Wälder etwa oder Mangroven schützen als natürliche Bollwerke gegen die Folgen des Klimawandels wie Dürren oder Sturmfluten. Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen sorgen für sauberes Wasser, frische Luft, Kühle und fruchtbaren Boden.
Zerstörung von Lebensräumen
Bedroht wird die Biodiversität dabei vor allem durch menschliches Handeln. Die Haupttreiber des Verlustes der Vielfalt sind die Zerstörung von Lebensraum, etwa durch Abholzung oder Versiegelung, und die Übernutzung, zum Beispiel durch intensive Landwirtschaft oder Fischfang.
Umweltverschmutzung und Klimawandel spielen zunehmend eine Rolle, aber auch die Verbreitung invasiver, also eingeschleppter schädlicher Arten.
Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion
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