Wie die Atmung den Körper beeinflusst | Terra-X-Kolumne
Kolumne
Terra X - die Wissens-Kolumne:Wie Atmen den Körper beeinflusst
von Eric Mayer
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Die meisten kennen und nutzen nur einen Bruchteil des Potentials ihrer Atmung - und verschenken damit eine mächtige Gesundheitsquelle. Wie bewusste Atmung den Körper stärken kann.
Sie kennen das doch sicher auch: Im Alltag zwischen Job, Haushalt und dem ganzen Kleinkram, der einen auf Trab hält, fehlt uns oft buchstäblich der Atem. Häufig ist unsere Atmung zu flach, zu hektisch, zu kurz. Hauptsache die Luft kommt irgendwie rein.
Oder machen sie gerade beim Lesen dieser Kolumne bewusst eine entspannte, tiefe Bauchatmung? Vermutlich eher nicht. Bei 20.000 bis 25.000 Atemzügen pro Tag lassen viele von uns ein großes Potenzial ungenutzt, Körper und Geist etwas Gutes zu tun.
In der Terra-X-Kolumne auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpert*innen jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.
In den Bauch atmen? Da ist aber kein Platz!
Für eine Folge von Terra Xplore habe ich mich auf Atemreise begeben. Im Workshop mit Dr. Josephine Worseck soll ich bewusst ins Zwerchfell atmen, was wir als Säuglinge noch intuitiv können, aber im Laufe der Jahre schlichtweg verlernen. Bürotätigkeiten, Stress, Bewegungsmangel oder ein aus Eitelkeit eingezogener Bauch hindern uns oft daran. Die Folge: Ein schlechterer Gasaustausch, der Muskelverspannungen, Kopfweh, Schlafstörungen und Kreislaufprobleme begünstigt.
Zunächst denke ich: "Ich bekomme da in den Bauch gar keine Luft rein, da ist kein Platz!" Doch mit jedem Atemzug hebt sich meine Bauchdecke etwas mehr und mein Kopf wird leichter. Schon diese simple Atemübung hat einen spürbaren, entspannenden Effekt auf mich. Das hatte ich nicht erwartet.
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Atmung ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich
Jeder Mensch atmet ein bisschen anders. Manche mehr durch die Nase, einige eher durch den Mund. Bei den einen landet die Luft im Brustbereich, bei den anderen mehr in der Bauchgegend.
Und schließlich variiert auch noch die Frequenz der Atmung. So hat jeder Mensch ein individuelles Atemprofil, über das man sich erstmal klar werden muss, bevor man es kontrollieren kann.
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Die Atmung: Seismograf und Fernbedienung unseres inneren Zustands
Ich zum Beispiel bin oft ein Flach- und Schnellatmer - und bin damit nicht allein. Viele von uns leben im chronischen Stress. Zwei Drittel der Deutschen sagen, dass sie manchmal oder häufig gestresst sind.
Dann suggeriert das Nervensystem unserer Atmung: "Atme schnell! Du musst bereit sein zu fliehen!" Nur, dass uns heutzutage kein Säbelzahntiger durchs Großraumbüro verfolgt, sondern eben ein Video-Call den Nächsten jagt. Der Körper macht sich bereit zum Fliehen, obwohl er das gar nicht muss. Dem Nervensystem ist es egal, woher der Stress kommt. So ist unsere Atmung eine Art Seismograf unseres Nervensystems: Viele Ausschläge bedeuten, dass da was in uns bebt.
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Machen wir uns dies allerdings bewusst, kann entgegengewirkt werden. Zum Beispiel, indem wir langsam durch die Nase in den Bauch ein- und ausatmen. Dabei wird der Parasympathikus aktiviert, der als Teil des Nervensystems dafür verantwortlich ist, den Körper in den Erholungs- und Entspannungsmodus umzuschalten. So wird die Atmung quasi zur Fernbedienung für das Nervensystem.
Die Zehn-Sekunden-Atmung als Gesundheitsbooster
Auf meiner Atemreise treffe ich auch Thomas Loew, Professor für psychosomatische Medizin. Seine Forschung verrät Erstaunliches über die Wirkung von Atmung auf unseren Körper.
Normalerweise atmen Erwachsene durchschnittlich 12 bis 16 Mal pro Minute. Loew und sein Team fanden allerdings heraus: Reduziert man diese Frequenz, indem man eine verlangsamte Ausatmung praktiziert, hat das enorm positive Auswirkungen.
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Bei der 4-6-Atmung wird über mehrere Minuten jeweils vier Sekunden lang ein- und sechs Sekunden lang ausgeatmet. Der Effekt: Unser Blutsauerstoffgehalt steigt an, der Herzschlag verlangsamt sich, der Blutdruck sinkt. Ein Grund dafür laut Loew: Wird länger aus- als eingeatmet, wird das Herz und damit der gesamte Brustkorb auf längere Zeit angenehm entlastet. Und ein entlastetes Herz ist ein funktionaleres Herz.
Ich selbst mache seither die 4-6-Atmung, wenn ich angespannt bin oder mich auf etwas fokussieren will - und spüre den Effekt! Unser Atem kann tatsächlich zum Gesundheitsbooster werden, mit positivem Einfluss auf unseren Geist und unseren Körper. Eine Art eingebautes Werkzeug, das uns sogar stärker machen kann. Wie müssen es nur benutzen.
... ist Moderator und Reporter für das Wissenschaftsmagazin NANO bei 3sat, Terra X und vielen Kindern und Jugendlichen schon lange aus den Sendungen PUR+ und logo! bekannt. Er sagt: "Unterhaltsame Wissensvermittlung ist wichtig und schafft die Basis für eine fundierte Meinungsbildung bei unseren Zuschauer*innen." Der Natur- und Tierfan liebt es, über Wiesen und Felder zu joggen und engagiert sich in seiner Freizeit seit Langem bei Projekten zum Empowerment queerer Jugendlicher.
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