Petition wegen Überlastung:Tesla in Grünheide: Was Beschäftigte fordern
von Antje Klingbeil
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Im Tesla-Werk in Grünheide rumort es weiter. Mehr als 3.000 Mitarbeiter haben nun eine Petition unterschrieben. Sie klagen über Arbeitsüberlastung und chronische Unterbesetzung.
Das Werk der Tesla-Gigafactory in Grünheide (Archivbild)
Quelle: AFP
Rund um die Tesla-Fabrik im brandenburgischen Grünheide herrscht geschäftiges Treiben. Mitarbeiter eilen früh am Morgen durch die Werktore, während sich auf den Zufahrtsstraßen ein stetiger Strom von Lieferfahrzeugen und Pendlern bewegt. Es scheint eine präzise Choreographie zu sein, die hier den Takt vorgibt. Doch das hat offenbar seinen Preis.
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Tesla-Beschäftigte äußern Unmut
Die IG Metall hat bei der Betriebsversammlung des Autobauers in Grünheide nahe Berlin am Donnerstag eine Petition übergeben mit den Unterschriften von mehr als 3.000 Beschäftigten. Sie fordern Entlastungen etwa durch längere Pausen. Arbeitsüberlastung sei von Beginn an ein Thema im Werk, erklärte die Gewerkschaft.
"Über 3.000 Unterschriften sind ein starkes Zeichen", sagt IG-Metall-Bezirksleiter Dirk Schulze. "Bei Tesla gehört viel Mut dazu, sich zu seinen Interessen als Beschäftigter zu bekennen."
Rund 11.000 Beschäftigte arbeiten im deutschen Tesla-Werk. Die Geschäftsführung müsse die chronische Unterbesetzung in Schichten beenden und Beschäftigte mit Respekt behandeln, statt sie zu schikanieren, fordert der Gewerkschafter.
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Ehemalige Mitarbeiter berichten von angespannter Arbeitsatmosphäre
"Ich hoffe, dass die Forderungen der Belegschaft auch Gehör finden", sagt ein junger Mann aus Grünheide, der einst mit großem Enthusiasmus beim amerikanischen E-Autobauer angefangen hat. Inzwischen hat er sich beruflich umorientiert. Er kündigte beim Unternehmen - auch wegen schlechter Arbeitsbedingungen.
Karina Sophie Bock, die ebenfalls nicht mehr bei Tesla beschäftigt ist, schreibt auf LinkedIn:
Ich war unglaublich stolz, ein Teil von Tesla zu sein und eine der ersten Mitarbeiter in Grünheide. Ich saß mit Elon Musk in einem Raum und wir schauten nur nach vorne. Jetzt aber, kann ich das so nicht mehr sehen.
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Karina Sophie Bock
Die ehemalige Mitarbeiterin, die im Management für Nachhaltigkeit zuständig war, begründet ihre Abkehr von Tesla hauptsächlich mit Elon Musks Unterstützung der AfD. Aber sie sorge sich auch um ihre ehemaligen Kollegen. "Was bedeutet all das für die Werte von Tesla? Und für all jene, die zu uns gekommen sind, mit einem starken Glauben an eine bessere Zukunft und Nachhaltigkeit?"
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Tesla kontert: Fast 80 Prozent zufrieden
Tesla veröffentlichte zur Betriebsversammlung eine eigene jährliche Befragung, an der dem Unternehmen zufolge rund 7.500 Mitarbeitende teilnahmen. Fast 80 Prozent seien demnach mit ihrer Arbeit zufrieden. Nur fünf Prozent hätten sich negativ geäußert. Die Beschäftigten könnten jederzeit Verbesserungsvorschläge machen, von denen viele auch schon umgesetzt worden seien - etwa ein Fitnessstudio im Werk.
Der US-Elektroautobauer erklärte weiter, mit dem Produktionsanlauf des neuen Model Y sollten ab April 300 Leiharbeitnehmer feste, unbefristete Verträge erhalten.
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Management-Experte: Beschwerden sind alarmierend
Für Kishor Sridhar von der International School of Management sind die Klagen der Mitarbeiter über Arbeitsbelastung und chronische Unterbesetzung sehr konkret:
Tesla selbst bestätigt in einem internen Bericht, dass sich im August 2024 17 Prozent der 11.000 Mitarbeiter krankmeldeten, was weit über dem Branchendurchschnitt von 6,1 Prozent liegt. Solche Werte habe ich noch in keinem Unternehmen erlebt.
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Kishor Sridhar, Dozent International School of Management München
Zudem habe eine Umfrage der IG Metall im Jahr 2024 ergeben, dass über 90 Prozent des Personals unter arbeitsbedingten körperlichen Problemen leide, so der Experte.
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Für ihn seien die Arbeitsbedingungen bei Tesla nicht zeitgemäß:
Das sind Arbeitsbedingungen, die eher an das industrielle Zeitalter des 19. Jahrhunderts erinnern, als der Mensch allenfalls ein Werkzeug war und Arbeitsunfälle bestenfalls als lästige Betriebsstörungen galten.
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Kishor Sridhar, Dozent International School of Management München
So habe das Tesla-Werk in Grünheide im ersten Jahr seit seiner Eröffnung dreimal so viele Betriebsunfälle wie die Werke anderer Automobilhersteller zu verzeichnen, ergänzt Sridhar.
Noch ermittelt der Staatsschutz gegen unbekannt. Doch Aktivisten geben sich bereits als Urheber einer Protestaktion gegen die viel diskutierte Gruß-Geste von Elon Musk zu erkennen.
mit Video
Gemeinde Grünheide: Tesla-Ansiedlung ist und bleibt positiv
Vor drei Jahren, im März 2022, eröffnete der Tech-Milliardär Elon Musk in Grünheide das einzige Tesla-Werk Europas. Die Straßen der Gemeinde sind belebt und nicht wenige fahren einen Tesla. An vielen Ecken wird gebaut. Zuletzt eröffnete im Ortskern ein neues Café - es liegt ein Hauch von Aufschwung in der Luft. Zu den jüngsten Vorwürfen gegen Tesla will sich hier kaum jemand äußern.
Ein Sprecher der Gemeinde betont, dass seit der Ansiedlung die Steuereinnahmen sprudeln und sich das bereits im Haushalt abbilde. Tesla sei auf jeden Fall ein Gewinn für Grünheide und für ganz Brandenburg. Man hoffe hier sehr, dass das Unternehmen von Elon Musk auch in Zukunft schwarze Zahlen schreibt.
Quelle: dpa
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