mit Video
Autobauer in der Krise:Was Mercedes nach dem Gewinneinbruch plant
von Max Schwarz
|
Das letzte Jahr lief schlecht für den Autobauer Mercedes. Warum das so ist und mit welchen Maßnahmen man wieder auf Erfolgskurs kommen will.
Er dreht sich unermüdlich und ist nicht zu übersehen: der Mercedes-Stern auf der Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim. Fast auf den Tag genau vor 100 Jahren entstand die Marke Mercedes Benz und damit auch eines der bekanntesten Markenzeichen der Welt. Seither hat man zahlreiche Geschäftsjahre erlebt, gute sowie weniger gute - das letzte war ein schlechtes.
Mercedes: Wie die Zahlen für das Jahr 2024 ausfallen
Laut Mercedes-Benz ist das Betriebsergebnis 2024 um 31 Prozent eingebrochen. Der Gewinn fiel im Vergleich zum Vorjahr um gut 28 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro. Der schwäbische Dax-Konzern setzte vergangenes Jahr rund 1,98 Millionen Fahrzeuge ab, was einem Rückgang von drei Prozent entspricht.
Bei der Präsentation der Jahresbilanz erklärte Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius:
Jeder weiß, dass 2024 wieder ein aufregendes Jahr in der Autoindustrie war.
Ola Källenius, Mercedes-Benz-Chef
"Ein Jahr, das von großen Herausforderungen und schwierigen Marktbedingungen bestimmt war. Ja, das hat sich auf unseren Umsatz ausgewirkt und auch auf unsere Ertragskraft."
Drei Gründe für die Krise bei Mercedes
1. Wichtigster Einzelmarkt eingebrochen:
In den vergangenen Jahren verkaufte Mercedes rund 30 Prozent seiner Autos in China. Doch aufgrund der dortigen Immobilienkrise seien viele Kunden aktuell nicht mehr bereit, viel Geld für ein Auto zu zahlen, erklärt Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft. Zudem würden chinesische Mitbewerber zusätzlich Druck machen.
2. Schwacher Absatz bei Elektrofahrzeugen:
"Electric only" bis 2030 - das gilt bei Mercedes schon länger nicht mehr. Zu gering ist die Nachfrage. Der Absatz von vollelektrischen Fahrzeugen ging auch letztes Jahr weiter zurück, um satte 23 Prozent. Das neue Zauberwort nennt sich daher "strategische Flexibilität" und bedeutet: Kunden sollen erstmal weiterhin wählen können zwischen vollelektrischem Antrieb, Hybrid und Verbrenner.
3. Luxusstrategie:
Ola Källenius setzt auf das Premium- und Luxussegment. Bedeutet: Statt vieler Autos mit geringer Gewinnspanne sollten hochpreisige Autos mit hoher Gewinnspanne gebaut werden. Doch die Preise waren zuletzt vielen Kunden, nicht nur in China, zu hoch.
Unternehmensplan: Neue Autos und Sparen
Auf die schwachen Geschäftszahlen reagiert das Management um Källenius mit einem Plan. Der umfasst eine Produktoffensive, beginnend mit dem neuen CLA. Dieser werde laut Stefan Reindl zwar kein "Renditebringer" sein, bringe aber Volumen und Absatz und damit Marktmacht.
Außerdem wird ein Sparprogramm aufgesetzt. Dieses umfasst eine Verlagerung von Produktionskapazitäten nach Ungarn, Stellenabbau und weniger Geld für die Beschäftigten, etwa durch geringere Prämien. Insgesamt will das Unternehmen so bis 2027 die Fixkosten um zehn Prozent senken.
Angst und Zuversicht bei Mercedes-Mitarbeitern
Bei den Beschäftigten von Mercedes stoßen diese Pläne erwartbar auf wenig Verständnis. Beim Schichtwechsel im Werk Untertürkheim berichten viele Mitarbeiter von Angst um den Arbeitsplatz und einer miserablen Stimmung. Manch einer gibt sich aber auch betont gelassen, wie Mitarbeiter Kosta:
Es gibt hier Leute, die haben viele Krisen überwunden und immer wieder haben sie die Situation gemeistert.
Kosta, Mercedes-Mitarbeiter
Für Stefan Reindl dürften die vorgestellten Pläne von Mercedes nur der Anfang sein. Die Kostenstruktur in den deutschen Mercedeswerken sei international nicht mehr wettbewerbsfähig.
Wir müssen uns anschauen, ob die Tarifpartner nicht eine gewisse Tarifdisziplin üben, im Hinblick auf die Arbeitszeiten einerseits und andererseits natürlich auch im Hinblick auf die Höhe der Löhne insgesamt.
Stefan Reindl, Institut für Automobilwirtschaft
Und auch wenn sie bei Mercedes im laufenden Jahr mit noch stärkerem Gegenwind rechnen und bei den Einsparungen jeden Stein umdrehen wollen, dürfte eines doch unumstößlich sein. Auch im hundert und ersten Jahr von Mercedes Benz wird sich der Mercedes-Stern in Stuttgart unermüdlich weiter drehen.
Quelle: dpa
Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Dann sind Sie beim ZDFheute-WhatsApp-Channel richtig. Hier erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten auf Ihr Smartphone. Nehmen Sie teil an Umfragen oder lassen Sie sich durch unseren Podcast "Kurze Auszeit" inspirieren. Zur Anmeldung: ZDFheute-WhatsApp-Channel.
Thema
Mehr zu Mercedes und der Autoindustrie
mit Video
Sonderanfertigung für den Papst:Franziskus: Neues Papamobil ist ein E-Auto
mit Video
Volkswagen, BMW und Mercedes:Gewinneinbruch: Deutsche Autobauer im Sinkflug
mit Video