Verkaufsstart am Freitag:Apples VR-Brille: Lohnt sich der teure Spaß?
von Sven Rieken
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Den Virtual-Reality-Markt hat Apple lange anderen überlassen. Der Konzern wollte vor einem Launch alles richtig machen. Resultat: die beste und teuerste VR-Brille überhaupt.
Die VR-Brille Apple Vision Pro wird nun auch in Deutschland verkauft. Sie ist technisch deutlich aufwändiger, dafür aber auch wesentlich teurer als bisherige Computerbrillen.12.07.2024 | 1:29 min
Nick Sohnemann drückt Daumen und Zeigefinger zusammen und zieht eine kleine Spur in die Luft. Seine Augen bewegen sich schnell von einem Punkt zum anderen. Dann schiebt er die Hand nach vorn und scheint etwas halten zu wollen.
Nutzer einer Apple Vision Pro erkennt man schnell an Finger- und Handbewegungen. Als erste VR-Brille am Markt deckt das mindestens 3.999 Euro teure Gerät nahezu den gesamten Bereich von Bauchnabel bis Haarspitze ab. Zwölf Kameras erfassen die Umgebung und übertragen jede noch so kleine Bewegung in den Rechner hinter der virtuellen Mattscheibe.
Zwei Briefmarken mit 4K-Auflösung - unrealistisch scharf
Im Inneren der Brille erzeugen zwei Bildschirme - kaum größer als eine Briefmarke - ein stereoskopisches Bild mit 8-facher-HD-Auflösung. So scharf, dass es selbst an den Bildrändern keine Unschärfen gibt. "Das ist unrealistisch", erklärt Technikforscher Nick Sohnemann, "in diesen Randbereichen sieht auch das menschliche Auge unscharf. Daran musst du dich erst mal gewöhnen, wenn du die Brille trägst."
Im Februar schon hatte der Chef von FuturCandy einen Mitarbeiter nach Kalifornien geschickt, um die ersten Apple-Brillen zu kaufen. Die Zukunfts-Tech-Forscher hatten also viel Zeit, um die Brille zu testen und mit der Konkurrenz zu vergleichen.
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Als hätte man eine Krone auf dem Kopf
Was Nick Sohnemann und seinem Team als Erstes auffiel, ist das Gewicht. Obwohl der Akku per Kabel draußen bleibt, wiegt die Brille 600 Gramm. "Für mal eben 20 Minuten ein Lernvideo schauen oder eine 3D-Darstellung eines Bauteils ansehen ist das kein Problem", fasst Sohnemann seine Erfahrung zusammen.
Ein Film von zwei Stunden schauen oder sogar den gesamten Tag die Brille am Arbeitsplatz tragen verursacht ganz schön Druck auf dem Kopf.
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Nick Sohnemann, Technikforscher
"Als würde man eine kleine Krone tragen", sagt Sohnemann. "Das ist deutlich zu schwer."
Tatsächlich ist die Brille auch technologisch überladen. Ein Außendisplay, das die eigenen Augen zeigt. Ein Computer, der diese Augen blinzeln lässt und Sensoren im Inneren, die jede Gestik und Mimik erfassen und auf einen Avatar übertragen können.
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Nick Sohnemann vermutet daher auch, dass Apple ziemlich schnell eine "einfache" Version auf den Markt bringen wird. "Ob die dann Air heißt oder light kann ich nicht sagen."
Aber für diesen Preis ist sie wirklich nur für berufliche Anwendungen gemacht. Privat wäre mir das viel zu teuer.
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Nick Sohnemann, Technikforscher
MetaQuest 3 - viel Spaß für 500 Euro
Die derzeit meistverkaufte VR-Brille kostet nur einen Bruchteil. Die Quest 3 von Meta hat dazu schon ein kleines Universum voller Anwendungen im Paket. Von gemeinsamen Tanzstunden mit den Freunden bis zum Klavier-Unterricht zeigt der Facebook-Konzern, wozu eine VR-Brille eigentlich da ist: zum Spaß haben.
Sony steuert zu seiner Playstation ein 500 Euro teures VR-Headset bei. HTC, Rokid, Lenovo und HP bieten Modelle mit HDMI- und USB-C, also mit Videoeingang, an. Los geht es bei 250 Euro.
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"Mehr Plastik, unscharfe Ränder und schlechte Handsteuerung", so ComputerBild-Tester Christian Just. Er kennt die Nachteile der Brillen bis 500 Euro. "Aber ich kann mir im Moment bei bestem Willen nicht vorstellen, was die Kunden mehr wollen."
Kleine, leichte Brillen mit einem inneren Display könnten sich viele vorstellen. Solche AR-Brillen, die also echte und generierte Bilder kombinieren, sehen im Spionage-Film ziemlich cool aus. "Im echten Leben aber", so warnt Christian Just, "würden wir doch bei jeder neuen Nachricht sofort die Konzentration verlieren und gegen einen Laternenpfahl laufen." Einen Abstandswarner haben die aktuellen VR- und AR-Brillenmodelle jedenfalls nicht.
Lionel Messi in der Brille
Apples Vision Pro gibt nun einen kleinen Vorgeschmack auf das, was technisch geht, wenn Geld keine Rolle spielt. Um eigene räumliche Videos für die Brille zu generieren, braucht es übrigens auch wieder teures Zubehör. Nur das aktuelle und teuerste iPhone 15 Pro kann die sogenannten Spatial-Videos aufnehmen - so nennt Apple seine räumlichen Videos.
Um genügend Inhalte in diesem Format abrufbar zu machen, hat sich der Konzern Übertragungsrechte der Fußballliga in den USA gekauft. So steht der Vision-Pro-Zuschauer gefühlt direkt am Spielfeldrand, wenn Lionel Messi für Miami kickt. Aber hoffentlich ohne Verlängerung und Elfmeter-Schießen - der Akku hält schließlich nur zwei Stunden.
Quelle: dpa
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