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Standortnachteile im Luftverkehr:Warum Fliegen in Deutschland teuer bleibt
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Ryanair verlässt drei deutsche Flughäfen. Fliegen in Deutschland ist wegen hoher Steuern und Gebühren zunehmend unattraktiv. Jenseits der Grenze fliegt man billiger.
Die Schalterhalle ist klein, die Schlange an der Sicherheit kurz. Knapp 30 Flugzeuge heben hier heute ab. Dortmund ist ein kleiner Flughafen - die, die von hier fliegen, schätzen das. Doch das Geschäftsmodell hat Risse bekommen.
Ryanair, nach eigenen Angaben Europas Fluggesellschaft Nummer eins, hat bekannt gegeben, dass sie sich vom Flughafen Dortmund zurückzieht. Das kostet den Flughafen rund 15 Prozent seiner Passagiere.
Zudem schließt Ryanair seine Standorte in Dresden und Leipzig. Dies sei, so schreibt Ryanair, auf das "anhaltende Versäumnis der deutschen Regierung zurückzuführen, die Luftverkehrssteuer, Sicherheits- und Flugsicherungsgebühren zu senken."
Standortkosten für Airlines um 170 Prozent teurer
Ludger van Bebber, der Chef des Dortmunder Flughafens, sieht sich trotzdem noch gut aufgestellt. Man habe sich in Dortmund auf Strecken nach Osteuropa spezialisiert und schreibe damit positive Zahlen. Van Bebber ist auch Vizepräsident der ADV, der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen, und bestätigt die Einschätzung von Ryanair:
Der Luftverkehr war immer eine Jobmaschine, aber jetzt haben wir einen Standortnachteil in Deutschland vor allem wegen der explodierenden hoheitlichen Kosten.
Ludger van Bebber, Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen
Insgesamt sind die staatlich induzierten Standortkosten zum Beispiel für Kurz- und Mittelstreckenflüge in Deutschland um die 170 Prozent höher als bei den Nachbarn, so hat es die ADV ausgerechnet.
Ein Beispiel: Ein Flug Berlin - Palma kostet rund 3.700 Euro an Luftverkehrssteuer, Luftsicherheits- und Flugsicherungsgebühren. Für einen Flug von London nach Palma zahlt die Airline aber nur knapp 1.800 Euro.
Finanzministerium: Höhere Steuern ohne negative Effekte
Vor allem die Luftverkehrssteuer ist in der Kritik. Sie wird vom Bundesfinanzministerium erhoben. Das schreibt gegenüber dem ZDF, Sachverständige hätten im Gesetzgebungsverfahren ausgeführt, dass vermutlich keine starken negativen Effekte der höheren Steuersätze auf den deutschen Luftverkehr zu erwarten seien.
Die Steuer sei geschaffen worden, um Anreize für umweltgerechtes Verhalten zu setzen und werde üblicherweise auf die Passagiere abgewälzt. Ludger van Bebber widerspricht dieser Einschätzung: "Die Flugzeuge, die bei uns weg sind, fliegen anderswo in Europa. Ohne Wertschöpfung und ohne Arbeitsplätze in Deutschland."
Es gibt kein einziges Gramm CO2, das wir einsparen.
Ludger van Bebber, Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen
Flughafenbetreiber fordern Abschaffung von Steuer
Auch Rüdiger Franke, Geschäftsführer des TRIWO Hahn Airport sagt: "Bei allen Flughäfen um uns herum geht es aufwärts, in Deutschland schrumpft der Markt, und Fluggesellschaften fahren ihr Angebot immer weiter zurück."
Seine Forderung an die Politik: Die Luftverkehrssteuer müsse abgeschafft werden; dadurch würde Wachstum geschaffen, das die nicht erhobene Steuer kompensieren würde.
In der Tat hat sich der deutsche Luftverkehr längst nicht so gut von Corona erholt, wie der in anderen europäischen Ländern. So verbuchte Deutschland 2024 nur 84 Prozent der Flugbewegungen im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau. Spanien liegt bei 107 Prozent, Griechenland bei 118 Prozent. In diesen Ländern wird also mehr geflogen als vor der Pandemie.
Weniger Geschäftsreisende, teureres Flugbenzin
In Deutschland sind vor allem die Kurz- und Mittelstrecken ein Problem, so Tourismusexperte Felix Kempf von der IST-Hochschule für Management in Düsseldorf:
Die Geschäftsreisen haben abgenommen, die Leute haben gelernt, dass sie sich eben nicht direkt treffen müssen.
Felix Kempf, Toursimusexperte
Für die Passagiere bedeutet das, dass wohl auch in Zukunft die Tickets hierzulande teurer sein werden als in anderen europäischen Ländern - auch weil wohl künftig die Preise für Flugbenzin steigen werden.
Es soll nämlich mehr nachhaltiges und damit teureres Flugbenzin beigemischt werden. Jedenfalls hat die ADV ihre Prognose für die Passagierzahlen von 2030 in Deutschland deutlich nach unten korrigiert, und zwar von 300 Millionen auf 250 Millionen pro Jahr.
Ina Baltes ist Redakteurin im ZDF-Landesstudio Nordrhein-Westfalen.
Quelle: dpa
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