Lebensmittelpreise: Lebensmittel und ihre wahren Kosten

    Ökologische und soziale Schäden:Lebensmittel: Welche Kosten wir unterschlagen

    von Laura Hohmann
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    Was müssten Lebensmittel kosten, wenn man negative Folgen für Umwelt und Gesellschaft mit einpreisen würde? Bei der Berechnung stoßen Wissenschaftler auch auf Probleme.

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    "Uns war das Nachhaltige immer ganz wichtig, dass die Tierhaltung auch artgerecht ist", sagt Foodtruck-Betreiberin Melanie Linden in Köln. Sie verkauft Burger aus 100 Prozent Bio-Rind. Ein klassischer Cheese-Burger mit Bio-Beef und Pommes kostet bei ihr 15,20 Euro. Doch wenn man die negativen Folgen für Umwelt und Gesellschaft miteinpreisen würde, müsste man dafür 2,91 Euro mehr zahlen.

    Mit wahren Preisen für Schäden sensibilisieren

    Ergeben hat das eine Berechnung von Experten der Technischen Hochschule Nürnberg: Prof. Tobias Gaugler und Benjamin Oebel ermitteln in ihren Forschungsprojekten "How much is the dish?" und "FOODCoST", was Lebensmittel kosten müssten, wenn man ökologische und soziale Schäden miteinrechnet. "True Cost Accounting" nennen die Wissenschaftler die Methode. "Diese wahren Kosten werden derzeit nicht bezahlt und entsprechend entstehen auch Schäden", sagt Oebel.

    Um Menschen für diese Schäden zu sensibilisieren, berechnen wir die wahren Preise.

    Benjamin Oebel, Technische Hochschule Nürnberg

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    Wahre Kosten von Lebensmitteln berechnen

    Die Berechnungen dazu sind komplex: Zunächst schauen sich die Experten den Produktionsprozess eines Lebensmittels an und ermitteln, wie viele Ressourcen dabei verbraucht werden. Also zum Beispiel im Fall des Burger-Pattys, wie viel Wasser, Futter und Land ein Rind braucht, um zu leben und zu wachsen.
    Im nächsten Schritt werden die negativen Auswirkungen auf Klima, Boden, Wasser und Gesundheit ermittelt und mit Hilfe von Daten zum Beispiel vom Umweltbundesamt oder vom Weltklimarat IPCC monetär bewertet.
    Diese versteckten Kosten addieren die Wissenschaftler auf den Verkaufspreis und benennen so den "wahren Preis". Bei ihren bisherigen Untersuchungen ist herausgekommen, dass Lebensmittel zwischen sechs und fast 200 Prozent teurer sein müssten, als sie das Preisschild beziffert.

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    Bio nicht gleich besser für die Umwelt

    Im Fall des Burger-Pattys wirken sich etwa Landnutzungsänderungen für die Viehweide und Stickstoff in Mist und Gülle negativ auf den Boden aus. Die versteckten Kosten zeigen dabei auf, was es die Gesellschaft kosten wird, diese Schäden in der Zukunft zu beheben. Dabei sind die Boden-Kosten für Bio-Fleisch sogar höher als für konventionelles Fleisch.
    "Bio-Tiere leben länger, fressen mehr und haben mehr Fläche pro Tier zur Verfügung", erklärt Gaugler. "Entsprechend wird hier mehr Fläche benötigt, was höhere externe Kosten mit sich zieht." Faktoren wie zum Beispiel Tierwohl seien noch nicht miteingerechnet.
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    Nicht alle Faktoren berücksichtigt

    Zwar arbeiten die Experten daran, auch Kriterien wie das Tierwohl in ihre Berechnungen miteinzubeziehen, doch diese lassen sich schwer in konkrete Kosten fassen. Auch soziale Faktoren wie unfaire Arbeitsbedingungen fließen derzeit noch nicht in die Berechnungen ein.

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    "Wir müssen selbstkritisch sagen, dass dies nicht das Ende der Fahnenstange ist", sagt Gaugler. "'Wahre Kosten', wie wir sie berechnen, bilden noch nicht alle relevanten Indikatoren ab." Insgesamt sei die Richtung, die die Berechnungen aufzeigten, aber klar:

    Tierische Produkte haben in der Regel hohe externe Kosten, pflanzliche Produkte haben in der Regel geringe externe Kosten.

    Prof. Tobias Gaugler, Technische Hochschule Nürnberg

    Den Wissenschaftlern geht es vor allem darum, allgemeine Tendenzen aufzuzeigen und Transparenz zu schaffen. Sie sind überzeugt: Als Gesellschaft sei es langfristig günstiger, Schäden von vornherein zu vermeiden anstatt die Schäden erst später zu beheben.

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    Quelle: dpa

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