Deutschland: Zahl ausländischer Investitionen sinkt weiter
Deutsche Wirtschaft:Zahl ausländischer Investitionen sinkt weiter
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Immer weniger Unternehmen aus dem Ausland haben im vergangenen Jahr laut einer Studie in Deutschland investiert. Die Zahl der Projekte sank auf den tiefsten Stand seit 2013.
Investoren aus dem Ausland halten sich in Deutschland weiter zurück.
Quelle: dpa
Internationale Investoren haben im vergangenen Jahr ihr Engagement in Deutschland laut einer Studie weiter zurückgefahren. 2023 kündigten Unternehmen aus dem Ausland 733 Investitionsprojekte hierzulande an - und damit zwölf Prozent weniger als im Vorjahr. Das ist der niedrigste Stand seit 2013 und der sechste Rückgang in Folge, wie aus der Analyse des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY hervorgeht.
Eine Studie des Wirtschaftsprüfungs-Unternehmens EY zeigt, dass ausländische Investitionen in Deutschland gesunken sind. Valerie Haller berichtet.02.05.2024 | 0:59 min
Im europäischen Vergleich belegt Deutschland damit zwar weiterhin den dritten Platz - hinter Frankreich und Großbritannien.
Die höchste Zahl ausländischer Investitionen in den Standort Deutschland verzeichnete EY mit 1.124 Vorhaben im Jahr 2017. Vor der Corona-Pandemie 2019 lag die Zahl bei 971. EY führt die Studie seit 2006 durch. Angaben zum Investitionsvolumen wurden nicht gemacht.
Unternehmenspleiten, Abwanderungen, Deindustrialisierung: Die einst starke deutsche Wirtschaft schwächelt. Teure Energie und zu viel Bürokratie lasten auf den Unternehmen.21.04.2024 | 4:02 min
Experte: Investitionsrückgang Alarmsignal für Deutschland
Für den Vorsitzenden der EY-Geschäftsführung, Henrik Ahlers, ist der Rückgang eine beunruhigende Entwicklung:
Das ist ein Alarmsignal. Deutschland wird abgehängt, andere europäische Standorte entwickeln sich viel dynamischer.
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Henrik Ahlers, EY-Geschäftsführung
Seit 2017 sei die Zahl der Investitionsprojekte in Deutschland um 35 Prozent gesunken, in Großbritannien betrug das Minus in dem Zeitraum 18 Prozent. Frankreich legte hingegen um 20 Prozent zu. Frankreich sei der große Gewinner des Brexits, so Ahlers. "Deutschland hingegen hat sogar noch mehr Investitionen verloren als Großbritannien."
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Mehrere Gründe für schlechtes Abschneiden Deutschlands
Ahlers macht für das schwache Abschneiden Deutschlands mehrere Gründe aus, darunter die hohe Steuerbelastung, hohe Arbeitskosten, teure Energie sowie die Bürokratie im Land.
Das Ergebnis: Die Investitionen sinken, die Stimmung bei Verbrauchern wie Unternehmen ist im Keller, die Konjunktur entwickelt sich so schwach wie in keinem anderen Industrieland.
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Henrik Ahlers, EY-Geschäftsführung
Auch in ganz Europa schwächelte die Entwicklung, aber nicht so stark wie in Deutschland. 2023 sank die Zahl angekündigter Projekte um vier Prozent auf insgesamt 5.694. Die größte Dynamik wiesen die Türkei (plus 17 Prozent) und die Schweiz (plus 53 Prozent) aus. Das Vor-Pandemie-Niveau wurde europaweit aber weiterhin verfehlt. Die Zahl der Vorhaben lag elf Prozent unter dem Wert von 2019.
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Weniger Investitionen aus den USA
Unternehmen aus den USA waren vergangenes Jahr zwar immer noch die wichtigsten Investoren in Europa und Deutschland - die Zahl der Projekte schrumpfte aber um 15 Prozent, hierzulande sogar um 22 Prozent. Ahlers macht dafür milliardenschwere Subventionsprogramme wie den Inflation Reduction Act (IRA) verantwortlich. "Die US-Standortpolitik zeigt Wirkung", sagte er.
US-Konzerne investieren offenbar verstärkt im eigenen Land und seltener in Europa.
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Henrik Ahlers, EY-Geschäftsführung
US-Investoren hätten den Standort Deutschland zwar keineswegs abgeschrieben, das Vertrauen sei aber erschüttert. Top-Prioritäten der deutschen Politik und Wirtschaft sollte sein, dieses wieder herzustellen, sagte Ahlers.
Der Inflation Reduction Act ist ein milliardenschweres Klimaschutz- und Sozialpaket.
Es sieht u.a. 369 Milliarden Dollar (rund 340 Milliarden Euro) für Klimaschutz und Energiesicherheit vor - die größte Investition in den Kampf gegen die Erderwärmung in der US-Geschichte.
Vorgesehen sind unter anderem Subventionen für Elektroautos, Batterien und Projekte zu erneuerbaren Energien "Made in USA".
Quelle: AFP
Um einen Subventionswettlauf könne es aber nicht gehen. Vielmehr müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden. Ahlers zeigte sich jedoch skeptisch, ob das schnell gelingen kann:
Die Probleme in Deutschland liegen tief und sind auch struktureller Art. Eine Trendwende wird daher nicht von heute auf morgen gelingen.
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Henrik Ahlers, EY-Geschäftsführung
Notwendig seien eine echte Steuerreform und ein Abbau von Regulierung.
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