Den Schlaf kreativ nutzen: Aus Träumen für den Alltag lernen

    Im Schlaf steckt Kreativität:Wie man aus Träumen lernen kann

    von Eva Mühlenbäumer
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    Jeder Mensch träumt jede Nacht. Nur bleiben die wenigsten Träume in Erinnerung. Es lohnt sich, das zu trainieren. Denn Träume helfen, die eigene Persönlichkeit besser zu verstehen.

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    Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir im Schlaf. Unser Bewusstsein ist dabei immer aktiv und vor allem kreativ. Dem einen erscheinen im Traum bizarre Bilder von Orten, die es in der Realität überhaupt nicht gibt. Andere durchleben Situationen mit Menschen, die sie ewig nicht gesehen haben. Träume, in denen man das Abitur nicht geschafft hat, sind ebenso keine Seltenheit wie das Erlebnis, verfolgt zu werden, aber nicht weglaufen zu können.

    Warum wir träumen, weiß niemand genau. Doch wissenschaftlich erwiesen ist, dass das Gehirn im Schlaf etwa alle 90 Minuten auf Hochtouren arbeitet. Diese Aktivität ist zum Beispiel im EEG sichtbar, dem Elektroenzephalogramm, bei dem Elektroden die Aktivität des Gehirns messen, die dann als Kurve auf einem Monitor dargestellt wird.

    Auch an den schnellen Bewegungen unserer Augen wird Gehirnaktivität erkannt, was als Rapid Eye Movement (REM) bezeichnet wird. REM-Schlaf wird der Teil des Schlafes genannt, in dem wir träumen. Ein Phänomen, das wir mit allen Säugetieren teilen. In dieser Phase ist das Träumen besonders intensiv.

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    Traumerinnerung lässt sich trainieren

    Auch wenn unser Bewusstsein nie schläft, werden die Erlebnisse im Traum meistens vergessen. Im Durchschnitt erinnert man sich an einen Traum pro Woche, so die Erkenntnis repräsentativer Studien, die in Deutschland durchgeführt wurden. Das lässt sich massiv steigern, wenn man ein Traumtagebuch führt, sagt Michael Schredl, einer der bekanntesten Traumforscher Deutschlands, Leiter des Schlaflabors in Mannheim und Buchautor.

    Ein Traumtagebuch zu führen, bereichert mein Leben, weil Träume die Themen, die mich tagsüber beschäftigen, in einer kreativen Weise widerspiegeln und ich so aus ihnen lernen kann.

    Prof. Michael Schredl, Psychologe, Zentralinstitut für seelische Gesundheit, Mannheim

    Hilfreich sei auch, vor dem Einschlafen den Vorsatz zu wiederholen, sich an Träume erinnern zu wollen, empfiehlt Schredl.
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    Die Traumwelt verstehen lernen

    Auch Psychologin und Schlafcoach Brigitte Holzinger sieht Träume als eine gute Inspirationsquelle, um die eigene Persönlichkeit besser zu verstehen. Häufig würden existentielle Themen auf bewegende und überraschende Weise nacherlebt. Nach ihrem Empfinden gehe es beim Träumen um inneres Wachstum:

    Es kann passieren, dass einem nachts Dinge begegnen, die man jahrzehntelang verdrängt hat. Der Traum ruft alte Gefühle wach und gibt uns die Möglichkeit, diese nochmal anzuschauen.

    Brigitte Holzinger, Psychologin und Schlafcoach, Institut für Bewusstseins- und Traumforschung, Wien

    Von einfachen Symboldeutungen im Internet hält die Expertin wenig. "Der Traum ist etwas zutiefst Persönliches. Traumdeutung durch jemand anderen empfinde ich als übergriffig", sagt Brigitte Holzinger. "Man selbst hat doch das beste Gefühl für die eigene Traumwelt. Es ist ein Geschenk, sich damit auseinanderzusetzen."

    Brigitte Holzinger ist der Überzeugung, dass man Träume gar nicht so sehr kognitiv deuten oder interpretieren müsse. Besser sei es, die Empfindungen einfach wirken zu lassen. "Mit der Zeit bekommt man ein besseres Gefühl dafür, was einen im Inneren bewegt."

    Für Michael Schredl ist der Traum wie ein Film. Themen des Wachlebens werden darin kreativ, emotional und manchmal auch actionreich dargestellt. Es sei hilfreich, sich diese spezielle Eigenschaft der Träume bewusst zu machen. Träume, in denen man beispielsweise jemanden umbringt, bedeuteten nicht, dass man zum Mörder wird, sondern stellten eine massive Übertreibung eines ganz normalen Wutgefühls dar, so Schredl. Der Traum mache ein bekanntes Gefühl aus dem Wachleben bewusst und regt zur Auseinandersetzung damit an.

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    Wie Albträume verschwinden können

    Unangenehme Wiederholungsträume, etwa solche, in denen man verfolgt wird, können verschwinden. Es hilft, sich im Wachzustand mit dem Gefühl der Hilflosigkeit in der Verfolgungssituation auseinanderzusetzen, so Schredl. Man könne sich vorstellen, was man im Traum braucht, um die Situation zu meistern. Zum Beispiel Helfer herbeidenken, die den Verfolger im Zaum halten. Dies sollte gedanklich tagsüber immer wieder durchgespielt werden. Betroffene gewinnen zudem möglicherweise die Erkenntnis, dass das Bitten um Hilfe auch im Wachleben ein Schlüssel für viele Vermeidungssituationen ist.
    Brigitte Holzinger rät, Wiederholungsträume so detailreich wie möglich aufzuschreiben und sich zu fragen, was man dabei empfindet und woher man das Gefühl kennt. Menschen etwa, die häufig träumen, dass sie zu spät kommen, sind in Wirklichkeit meist sehr pünktlich. Sie dürften lernen, nicht so streng mit sich zu sein. Dieses Bewusstmachen löse die Angst vorm Zuspätkommen und lasse den Wiederholungstraum mit der Zeit verschwinden.
    Eva Mühlenbäumer ist Redakteurin der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".

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    Quelle: dpa

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