Makuladegeneration: Symptome, Form, Verlauf und Therapie

    Feuchte Makuladegeneration:Wenn die Sehschärfe zunehmend schwindet

    von Anja Braunwarth
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    Verzerrte Linien und verschwommene Buchstaben können auf eine Makuladegeneration hinweisen. Unbehandelt droht der Sehverlust. Nur bei der feuchten Form lässt sich das verhindern.

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    In Deutschland leiden etwa sieben Millionen Menschen an einer Makuladegeneration. Betroffene fürchten vor allem den Verlust ihres Sehvermögens. Bei der Makuladegeneration handelt es sich um eine chronische Erkrankung der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens in der Netzhaut.
    Ursache ist eine Stoffwechselstörung in der Netzhaut aufgrund altersbedingter Veränderungen. Daher erkranken vorwiegend ältere Menschen. Die Gefahr steigt ab dem 50. Lebensjahr an. Zehn bis 20 Prozent aller Betroffenen sind über 85 Jahre alt.

    Trockene und feuchte Makuladegeneration

    Man unterscheidet zwei Formen der Makuladegeneration. Die Erkrankung beginnt immer als trockene Form. Abfallprodukte des Stoffwechsels in der Makula werden nicht mehr richtig abtransportiert und lagern sich ab. Die Ablagerungen behindern die Netzhautfunktion, wodurch Sehzellen absterben.
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    Bei etwa 15 Prozent der Betroffenen geht die trockene in eine feuchte Form über. Der Körper will den Schaden beheben und versucht, die Durchblutung zu fördern, was zur Bildung von neuen Blutgefäßen führt. Diese sind jedoch brüchig, Flüssigkeit und Blutbestandteile sickern heraus und stören die Netzhautfunktion.
    Außerdem vernarben diese Gefäße auf Dauer, erklärt Raffael Liegl, Augenarzt am Universitätsklinikum Bonn.

    Narben, die sich dort ausbilden, führen dazu, dass das Netzhautgewebe darunter kaputtgeht.

    Priv.-Doz. Dr. Raffael Liegl, Augenarzt

    An den Narben lasse sich nichts mehr ändern, auch wenn keine weitere Flüssigkeit mehr austritt, so Liegl. Deshalb sollte früh behandelt werden.

    Neben den Alterungsprozessen in der Netzhaut gibt es verschiedene Faktoren, die eine Makuladegeneration begünstigen können. Dazu gehören eine genetische Vorbelastung und Erkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes.

    Auch Faktoren wie Rauchen, übermäßige Sonneneinstrahlung oder eine Ernährung mit wenig Obst und Gemüse begünstigen die Erkrankung. Außerdem sind hellhäutige Menschen und Menschen mit blauen Augen häufiger betroffen als solche mit dunkler Haut oder dunklen Augen.

    Wie sich die Sicht verändert

    Zu den typischen Anzeichen einer Makuladegeneration gehören verzerrtes Sehen, ein verschwommenes Sehen im Zentrum des Blicks sowie eine veränderte Farbwahrnehmung.
    Die Symptome entwickeln sich bei der trockenen Form schleichend. Die feuchte Form dagegen schreitet schnell fort und es kann innerhalb weniger Wochen oder Monate zu einem deutlichen Verlust der Sehschärfe kommen. Eine völlige Erblindung ist selten.
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    So wird eine Makuladegeneration erkannt

    Bei Verdacht werden zunächst verschiedene Sehtests durchgeführt. Mit Netzhautuntersuchungen kann der Arzt die Ablagerungen bei der trockenen Degeneration sehen. Die veränderten Gefäße bei der feuchten Form lassen sich mit einer sogenannten Fluoreszenzangiografie darstellen. Flüssigkeitsansammlungen werden mit der optischen Kohärenztomografie erkennbar, die schichtweise Bilder von der Netzhaut liefert.

    Gegen die trockene Makuladegeneration gibt es bis heute keine wirksame Therapie. Betroffenen wird empfohlen, regelmäßig ihre Augen kontrollieren zu lassen, nicht zu rauchen, Grunderkrankungen wie Bluthochduck und Diabetes entsprechend zu behandeln und auf eine gesunde Ernährung zu achten.

    Oft wird die Zufuhr bestimmter Nahrungsergänzungsmittel empfohlen, zum Beispiel Betacarotin, Zink, Vitamin C oder Lutein. Diese Stoffe sollen dazu beitragen, dass die Erkrankung langsamer fortschreitet. Gesicherte wissenschaftliche Belege gibt es dafür aber nicht.

    Sehverlust bei feuchter Form aufhalten

    Die Neubildung der Gefäße wird durch ein Molekül ausgelöst - den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor. Er kann durch bestimmte Medikamente, die ins Auge gespritzt werden, blockiert werden. Heilen lässt sich die Erkrankung damit nicht. Ihr Fortschreiten wird aber aufgehalten oder zumindest verlangsamt.
    Der Wirkstoff verbraucht sich innerhalb von einigen Wochen, dann muss er erneut injiziert werden. Zu den Nebenwirkungen der Behandlung zählen vorübergehende Schmerzen oder ein erhöhter Augeninnendruck.
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    Reservoir statt regelmäßiger Spritze

    Im Rahmen einer Studie wird derzeit ein Verfahren getestet, bei dem die Ärzte ein kleines Reservoir in das Auge einsetzen. Die etwa reiskorngroße Kunststoffvorrichtung wird in die äußere Hülle des Auges, in die Lederhaut, implantiert. Von dort fließt der Wirkstoff, der den Wachstumsfaktor blockiert, gleichmäßig ins Auge hinein. Das System erspart den Patienten die häufigen Spritzen in das Auge, betont Frank Holz, Leiter der Augenklinik.

    Dieses Speichersystem bietet den Vorteil, dass es nur in großen Abständen, teilweise in Jahresabständen, wieder aufgefüllt werden muss.

    Prof. Dr. Frank Holz, Augenarzt, Universitätsklinik Bonn

    Um es aufzufüllen, müssen die Ärzte nur ein Mikroloch in das Reservoir bohren, das sie anschließend mit dem Laser wieder verschließen. Bis jetzt sind bei dem Verfahren keine schweren Nebenwirkungen aufgetreten. Ob es auf Dauer Risiken wie Entzündungen gibt, müssen Langzeituntersuchungen noch zeigen.

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    Quelle: dpa

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