Gelassenheit lernen: Tipps für mehr Entspannung im Alltag

    Gelassenheit üben:So finden Sie zu mehr innerer Ruhe

    von Franziska Matthiessen
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    Auch in stressigen Situationen entspannt bleiben - das geht. Mediziner und Gesundheitsforscher Tobias Esch erklärt, was Gelassenheit bedeutet und wie wir sie trainieren können.

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    Gelassenheit wird oft mit Unerschütterlichkeit verwechselt. Dabei bedeutet wahre innere Ruhe nicht, dass uns emotional nichts berührt. Wie wir Gelassenheit lernen können, warum sie mit Achtsamkeit zusammenhängt, welche Rolle Glück dabei spielt und wie eine einfache Übung uns im Alltag hilft, erklärt Stress- und Achtsamkeitsforscher Tobias Esch von der Universität Witten/Herdecke.

    Was macht einen gelassenen Menschen aus?

    Ein gelassener Mensch ist nicht der sprichwörtliche Fels in der Brandung, an dem alles abpralle, erklärt Esch. "Jemand, der völlig unberührt von allem ist, hat oft nur eine eingeschränkte Stresswahrnehmung. Wahre Gelassenheit bedeutet also nicht, unbeweglich zu sein, sondern resilient."
    Resilienz bedeutet laut Esch Unangenehmes auszuhalten, "elastisch zu sein", ohne sich Problemen zu verschließen. "Gelassene blocken nichts weg, sondern nehmen Probleme auf und heißen sie willkommen. Sie sind flexibel und entscheiden bewusst: Was muss ich aktiv lösen - und was löst sich vielleicht von selbst?", so Esch.
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    Wege zur Gelassenheit: Ruhe bewahren und reflektieren

    Gerade ältere Menschen schöpfen aus ihrer Erfahrung. "Wenn um sie herum Aufregung herrscht, schmunzeln sie in sich hinein, weil sie wissen: Ich habe schon Schlimmeres erlebt - und überlebt", sagt Esch. Aber auch ein junger Mensch könne Gelassenheit entwickeln. "Es braucht allerdings etwas Lebensklugheit - die Fähigkeit, sich selbst in Perspektive zu bringen und nicht sofort in den Alarmmodus zu schalten."

    Gelassenheit ist eine universelle Fähigkeit, die in uns allen angelegt ist.

    Tobias Esch, Institut für Integrative Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung, Universität Witten/Herdecke

    Gelassene Menschen seien stark mit sich selbst und ihrer Umwelt verbunden, so der Experte. "Sie sind bewusst im Moment und reflektieren ihr Handeln." Entscheidend sei die Fähigkeit, sich nicht als ohnmächtig zu erleben. Das lasse sich auch gezielt trainieren.
    "Wer einen Moment innehält, bevor er reagiert, vermeidet impulsiv und aus der Emotion heraus zu handeln." Auch wenn im Nachhinein Bedauern oder Reue über das eigene Verhalten aufkomme, sei das positiv. "Das bedeutet, dass wir in der Reflexion sind. Und genau das steigert die Wahrscheinlichkeit, beim nächsten Mal anders zu reagieren", erklärt Esch.

    Wie kann man Gelassenheit trainieren? Bei der Arbeit mit Patientinnen und Patienten nutzt Mediziner und Gesundheitsforscher Tobias Esch eine einfache, aber effektive Methode: S.A.R.W. - Stopp, Atmen, Reflektieren, Wählen.

    1. Stopp: Sobald uns eine Situation aus der Komfortzone holt, ein inneres Stopp-Schild setzen und innehalten.
    2. Atmen: Ein bewusster Atemzug hilft, Distanz zum Geschehen zu gewinnen.
    3. Reflektieren: Wie möchte ich reagieren? Welche Optionen habe ich?
    4. Wählen: Erst dann bewusst in die Reaktion gehen - statt impulsiv zu handeln.

    Gelassenheit: Welche Rolle Glück, innere Ruhe und Zufriedenheit spielen

    Unsere moderne Gesellschaft mache es uns nicht leicht, gelassen zu bleiben, meint der Mediziner und Gesundheitsforscher. "Wir leben in einer Kultur, die vor allem zwei Glücksarten fördert: das Glücksgefühl des Wollens und darin die Neugier und Abenteuerlust der Jugend, sowie im mittleren Lebensalter das Gefühl der Erleichterung, etwas geschafft zu haben und Ziele zu erreichen, auch den Alltag 'überlebt' zu haben", erklärt Esch. Wachstum, Effizienz, Leistung und Absicherung seien dabei zentrale Werte.
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    "Dabei gibt es noch andere Glücksformen, etwa die tiefe Zufriedenheit des Alters." Doch Letzteres werde kaum geschätzt. "Junge Menschen, die nach vorne drängen, und die mittlere Generation, die um ihren Status kämpft, bestimmen das gesellschaftliche Narrativ. Die Älteren, die gelernt haben, dass es jenseits von Wachstum und Sicherheit noch mehr gibt, werden oft überhört", so Esch.
    Um gelassener zu werden, müsse man aus diesem System bewusst aussteigen - zumindest für Momente. "Das bedeutet beispielsweise, achtsam zu sein und auch, Dinge nicht sofort lösen zu wollen, sondern sie auch mal auszuhalten." Wer sich Vorbilder suche, etwa ältere, weise Menschen, könne laut dem Experten erkennen: "Nicht nur Wachstum und Leistung, sondern auch Verbundenheit mit Kultur, Traditionen, der Natur und nicht zuletzt dem eigenen Selbst sind entscheidend für meine innere Ruhe und Zufriedenheit - und damit Gelassenheit."

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