Artenschwund in Deutschland:Was bringt das Biotop im Garten?
von Christoph Warneck
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Deutschland erlebt ein dramatisches Artensterben: Immer mehr Pflanzen und Tiere verschwinden. Eine Bedrohung auch für uns Menschen. Doch unsere Artenvielfalt ist noch zu retten.
Das Artensterben in Deutschland ist dramatisch - unsere heimische Biodiversität ist in Gefahr. Besitzer von Gärten und Balkonen entdecken jetzt, was sie selbst dagegen tun können.23.07.2023 | 28:46 min
Bereits jetzt sind laut Roter Liste des Bundesamtes für Naturschutz 31 Prozent der heimischen Wildpflanzen vom Aussterben bedroht. Zudem sind 35 Prozent der Wirbeltiere und 32 Prozent der wirbellosen Tiere bereits ausgestorben oder gefährdet. Deshalb warnt Dr. Alexandra Dehnhardt vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW):
Der Verlust an Artenvielfalt bedroht unsere Lebensgrundlagen. Die Lage ist so dramatisch, dass wir mittlerweile schon vom sechsten großen Massensterben sprechen, was uns erwarten kann, wenn wir jetzt nicht ganz grundlegend umsteuern.
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Sauberes Wasser, gesunde Böden und nicht zuletzt unsere Nahrungsmittel - all das gibt es nur mit einer intakten Biodiversität. Zunehmende Versiegelung und die intensive landwirtschaftliche Nutzung rauben jedoch immer mehr kostbaren Lebensraum. Eine wichtige Rolle beim Schutz unserer Arten könnte deshalb laut der Expertin in Zukunft unseren Privatgärten zukommen.
Was können Gartenbesitzer für mehr Artenvielfalt tun?
Im Forschungsprojekt "gARTENreich" untersucht die Agrarwissenschaftlerin derzeit, welchen Beitrag private Gärten zum Schutz der biologischen Vielfalt leisten können. "Unser Ziel ist, dass wir am Schluss eine Art 'Upscaling' machen können: Welchen Effekt kann es für die Verbesserung der Biodiversität in Deutschland haben, wenn viele Einzelne etwas dafür tun?", erklärt Dehnhardt.
Die Dokumentation planet e.: Artenvielfalt und ich können Sie am Sonntag, 23. Juli 2023, um 15:45 Uhr im ZDF sehen oder jederzeit in der ZDF-Mediathek.
Dafür hat das Forscherteam 20 Projektgärten zu Reallaboren gemacht. Gemeinsam mit den Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzern wurde dort jeweils ein Baustein eines naturnahen Gartens gestaltet. Die Wissenschaftlerinnen wollen herausfinden, wie gut die Gartenbesitzer damit zurechtkommen und welche Auswirkungen diese Elemente auf die Entwicklung der Vielfalt im Garten haben.
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Der Garten als Rettungsinsel
Das Potenzial ist dabei riesig: Rund 17 Millionen Privatgärten gibt es nach Schätzung des NABU Deutschland bei uns. "Natürlich kann man fragen, was bringt ein Garten?", so Dehnhardt.
Wenn man sich aber vorstellt, dass in der Stadt verteilt über den Raum sehr viele Gärten sind, dann haben wir für sich fortbewegende Insekten und Vögel viele kleine Biotope, die wir als Trittsteinbiotope bezeichnen.
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Alexandra Dehnhardt, Agrarwissenschaftlerin
Liegen solche inselartigen Rückzugsräume in einem sonst artenfeindlichen Areal nah genug beieinander, hilft das den Tieren. Sie wandern zwischen diesen Trittsteinen hin und her, finden dort Nahrungsangebote und Brutplätze und können sich so besser verbreiten und fortpflanzen.
Selbst Balkonpflanzen können helfen
Die Größe der Flächen ist dabei nach Meinung der Expertin zweitrangig. Selbst Stadtbalkone oder kleine Gärten helfen. Wichtig ist die Qualität der Angebote, wie beispielsweise genügend Rückzugsräume für Tiere.
Aber auch die Wahl der richtigen Pflanzen spielt laut Alexandra Dehnhardt eine entscheidende Rolle. Viele Schmetterlinge oder Wildbienenarten sind auf bestimmte, heimische Gewächse angewiesen. Bringen wir diese Pflanzen zurück in die Gärten, lockt das auch die dazugehörigen Insekten an.
Helfen können Gärten und Balkone aber nur dann, wenn auch die biologische Vielfalt entsprechend hoch ist. In vielen Gärten ist genau das Gegenteil der Fall: Rasenfläche ohne Blumen, Zierpflanzen oder Schotter dominieren vielerorts. Die Artenvielfalt in vielen deutschen Gärten ist gering.
"Schon einzelne, kleine Bausteine wie eine 'wilde Ecke' oder ein Beet mit heimischen Wildstauden können helfen, die biologische Vielfalt zu fördern (…) Jeder kann morgen anfangen, selbst auf dem Balkon mit einem kleinen Wildpflanzen-Topf", so der Rat der Wissenschaftlerin vom IÖW.
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