Klimadialog: Klimadiplomatie vor dem Scheitern bewahren

    Petersberger Klimadialog:Ziel: Klimadiplomatie vor Scheitern bewahren

    von Elisa Miebach
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    Er wurde ursprünglich gegründet, um die Klimakonferenzen vor dem Scheitern zu bewahren. In diesem Jahr könnte der Petersberger Klimadialog daher wichtiger denn je werden.

    Blick auf den Sau-Stausee in Vilanova de Sau, Katalonien.
    Die Welt ist vorangekommen auf dem Weg zur Klimaneutralität, aber längst nicht schnell genug.
    Quelle: dpa

    Von den entferntesten kleinen Südseeinseln ebenso wie aus den wirtschaftsstarken G20 Staaten - Vertreterinnen und Vertreter aus rund 40 Ländern kommen zwei Tage lang in Berlin zusammen. Es geht ums Klima, genauer gesagt um die Klimadiplomatie.
    Diese wird - auch durch die Ankündigung der USA aus dem Pariser Klimaabkommen auszutreten - in diesem Jahr besonders kompliziert. Zusätzlich sind die Kassen weltweit leer und das Thema rangiert weit unten auf der politischen Agenda.
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    Doch der Petersberger Klimadialog wurde genau deshalb geschaffen. Damit die Weltpolitik nicht bis zur großen Klimakonferenz - die immer gegen Ende des Jahres stattfindet - wartet, um über die schwierigen Fragen zu verhandeln. Genau auf dieser Veranstaltung sollen Kompromisse und Allianzen ausgelotet werden.

    2025 feiern wir zehn Jahre Paris-Abkommen. Aber noch immer sind wir nicht auf Kurs.

    Viviane Raddatz, WWF

    Der Petersberger Klimadialog als erstes, hochrangig besetztes Treffen in diesem Jahr könne, dafür sorgen, dass die Weltgemeinschaft sich trotz Unsicherheiten und Rückschlägen zusammenrauft, so Raddatz.
    Es ist ein Jahr der Jubiläen. Zehn Jahre Paris-Abkommen, 20 Jahre Kyoto-Abkommen, 30 Jahre Klimakonferenzen überhaupt. Auch die erste Klimakonferenz selbst fand übrigens in Berlin statt: 1995 unter Umweltministerin Angela Merkel.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte den ersten Petersberger Klimadialog 2010 nach der gescheiterten Klimakonferenz von Kopenhagen ins Leben gerufen. Ort des ersten Treffens war der namensgebende Bonner Petersberg. Danach trafen sich jährlich die rund 40 Länder in Berlin. Ziel ist es, die UN-Klimakonferenzen in einem informelleren Rahmen vorzubereiten.

    Klimakonferenz 2025 mit Symbolkraft

    Auf dem Petersberger Klimadialog hat jedes Jahr auch der neue Präsident der nächsten Klimakonferenz einen ersten großen internationalen Auftritt. Dieses Jahr wird das der erfahrene Diplomat André Corrêa do Lago aus Brasilien. Die diesjährige COP - die sogenannte Conference of the Parties wie die Klimakonferenzen im UN-Jargon genannt werden - soll besondere Symbolkraft entwickeln.
    Ausgetragen in Belém im Amazonas will Brasilien den Gipfel in einem Hotspot der Klimakrise stattfinden lassen. Die Konferenz in Brasilien hat noch aus einem anderen Grund historische Bedeutung. Auch die grundlegende erste Tagung, auf der festgelegt wurde, dass die Welt zukünftig Klimakonferenzen abhalten will, tagte in Brasilien. Es war der Earth Summit 1992 in Rio de Janeiro.
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    Emissionen steigen - und die Investitionen in Erneuerbare

    Seitdem ist die Welt vorangekommen auf dem Weg zur Klimaneutralität, aber längst nicht schnell genug. Weiter steigen die Emissionen. Doch auch die Investitionen in saubere Energien kletterten 2024 auf ein Rekordniveau - die Welt legt nun fast doppelt so viel Geld in saubere Energien an wie in fossile Brennstoffe.
    Trotzdem hapert es gerade am Geld. Der Klimawandel ist vorangeschritten, die Preise sind gestiegen und vor allem ist es für viele Länder des globalen Südens aufgrund der weltweiten Schuldenkrise viel teurer geworden, Geld zu leihen. Dazu erfordert die Anpassung an den Klimawandel es nicht mehr nur Deiche zu bauen, sondern gesamte Inselbevölkerungen umzusiedeln.
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    Roadmap für 1,3 Billionen?

    Auf der vergangenen Klimakonferenz einigten sich die Länder auf einen Minimalkompromiss: Die Entwicklungsländer sollen ab 2035 jährlich 300 Milliarden erhalten. Doch im selben Abschlussdokument wird klar, dass eigentlich 1,3 Billionen gebraucht würden. Wie das erreicht werden kann, dafür soll bis zur Klimakonferenz in Belém eine sogenannte Roadmap - eine Strategie - entstehen.
    Auch auf dem Klimadialog sollen Antworten auf diese Herausforderung diskutiert werden.

    Eine Chance bieten dabei die laufenden Debatten um neue Abgaben auf Emissionen aus Schiff- und Luftfahrt und die Frage, wie Schulden in Klimaschutzmaßnahmen umgewandelt werden können.

    David Ryfisch, Germanwatch

    Das sagt David Ryfisch Klimafinanzexperte der Umweltorganisation Germanwatch.
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    Warten auf die Klimaziele

    Dabei sollte turnusmäßig dieses Jahr ein anderes Thema die Agenda anführen. 2025 steht die Abgabe der Klimaziele der Länder an - eigentlich schon bis zum 10. Februar. Doch nur eine Handvoll Länder hielten die Deadline ein. Jetzt erwarten die UN die Ziele bis September. Darin soll jedes Land beschreiben, wie ihr Beitrag zur Erreichung des Pariser Klimaziels aussehen soll.
    Des Ziels, das die USA nun als nichtig erklärt. Der Petersberger Klimadialog will den Grundstein legen für ein Jahr, in dem die Klimadiplomatie beweisen muss, dass sie dem geopolitischen Druck standhalten kann.
    Elisa Miebach ist Redakteurin der ZDF-Umweltredaktion.

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