Neue Debatte um NS-Raubkunst: Erben von Museen getäuscht?
Bayerische Staatsmuseen:Erneute Debatte um NS-Raubkunst
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Schwere Vorwürfe gegen Museen: Bei vielen Werken seien, so ein Bericht, die Erben nicht über die Herkunft aus NS-Raubkunst informiert worden. Die Sammlungen weisen das zurück.
Michael Hulton vor einem Fotos seines Großonkels, dem Kunsthändler Alfred Flechtheim (Archivfoto): Hulton zeigte sich angesichts des Berichts erschüttert.
Quelle: dpa
In den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sollen sich zahlreiche als NS-Raubkunst deklarierte Kunstwerke befinden. Der Freistaat habe die Nachfahren der meist jüdischen Besitzer nicht darüber informiert - das behauptet die "Süddeutsche Zeitung".
Gemäldesammlungen weisen Vorwürfe zurück
Die Staatsgemäldesammlungen wiesen die Vorwürfe nun als "fehlerhaft" zurück. Den Angaben zufolge gibt es zwar eine interne Datenbank, in der der Stand der Forschungen zur Herkunft von Kunstwerken festgehalten wird. Werke würden als Rot markiert, wenn ein Raubkunst-Verdacht bestehe oder die Werke zurückgefordert würden. Der Stand dieser Datenbank ändere sich aber fast wöchentlich, teilte die Sammlung mit. Die Liste, die der "Süddeutschen Zeitung" vorliege, sei schon mehrere Jahre alt und deshalb nicht mehr aktuell.
Die Institution verweist zudem auf ihre Online-Sammlung, in der sich zu betroffenen Werken auch Hinweise zur Provenienz finden - für alle einsehbar. Die Zeitung ihrerseits hatte sich auf einen 900-seitigen Auszug einer internen Datenbank bezogen, der Berichte zu rund 200 möglichen NS-Raubkunstwerken enthalten soll. Diese Kunstwerke würden nach der "Provenienzampel" als "rot" klassifiziert, schreibt die "SZ". Das heißt, dass es sich mit Sicherheit oder hoher Wahrscheinlichkeit um NS-Raubkunst handelt.
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Flechtheim-Erben fordern seit Jahren Werke zurück
Acht dieser "rot" eingestuften Werke stammen aus der Sammlung des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim. Dessen Erben fordern die Werke seit Jahren zurück, die Staatsgemäldesammlungen hatten bislang betont, die Werke befänden sich rechtmäßig in ihrem Besitz. Unter den Kunstwerken sind sechs Gemälde von Max Beckmann, eines von Paul Klee sowie eine Büste von Pablo Picasso.
Das der "Süddeutschen" vorliegende Dokument beweise, dass die Provenienzforscher der Staatsgemäldesammlungen schon vor Jahren auf Hinweise gestoßen seien, die den NS-Raubkunstverdacht erhärtet hatten. Diese Informationen seien aber nie an die Flechtheim-Erben weitergeleitet worden. Dazu aber wären die Museen verpflichtet gewesen.
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Viele der 200 als "rot" markierten Kunstwerke seien entweder gar nicht oder ohne den Hinweis auf Raubkunstverdacht in die Raubkunst-Datenbank "Lostart" eingestellt worden, in der Nachfahren jüdischer Besitzer recherchieren können.
Bayern hat "versucht, historisches Unrecht zu vertuschen"
Flechtheim-Erbe Michael Hulton zeigte sich angesichts der Recherchen der Zeitung erschüttert:
Die Nazis haben meinen Großonkel Alfred Flechtheim entrechtet, enteignet und vertrieben, sie haben sein Leben zerstört.
„
Michael Hulton, Flechtheim-Erbe
Der Freistaat Bayern habe "uns jahrelang belogen und versucht, das historische Unrecht zu vertuschen", um die Werke behalten zu können.
Die beiden Anwälte der Erben, Mel Urbach und Markus Stötzel, fordern eine "umgehende Offenlegung" aller bekannten Raubkunstfälle in Bayern. "Bayern hätte Hinterbliebene von Opfern informieren, die Werke an öffentliche Datenbanken melden und Restitutionsverfahren einleiten müssen", kritisieren sie. "Tatsächlich zeigt sich, dass Bayern sich von Anfang an nicht an diese Regeln halten wollte und die Ahnungslosigkeit vieler möglicher Anspruchsteller schamlos ausgenutzt hat. Hier wird ein massives Unrecht der Nazis auch mehr als 80 Jahre später aufrechterhalten."
Die Rückgabe von NS-Raubkunst soll vereinfacht werden. Dazu soll 2025 ein Schiedsgericht seine Arbeit aufnehmen. Involviert sind Bund, Länder und jüdische Organisationen.
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