Ampel-Aus historisch: FDP ließ zweimal Koalitionen platzen

    Historische Parallelen:FDP ließ schon zweimal Koalitionen platzen

    Tobias Bluhm
    von Tobias Bluhm
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    Die Ampel ist geplatzt. Ein Blick in die jüngere deutsche Geschichte zeigt, dass bereits früher Koalitionen zerbrochen sind. Und dass die FDP zweimal die treibende Kraft war.

    Ampel-Koalition
    Ende der Ampelkoalition: Die drei Parteien geraten seit Monaten immer wieder durch verschiedene Regierungsbeschlüsse in Streit.
    Quelle: dpa

    Die Ampelkoalition ist Geschichte. Nach monatelangem Streit, zuletzt um die wirtschaftspolitische Ausrichtung der Regierung, konnten auch mehrtägige Verhandlungen zwischen den Ampel-Spitzen Olaf Scholz (SPD), Robert Habeck (Die Grünen) und Christian Lindner (FDP) nicht das Ende der Zusammenarbeit abwenden.
    In der Geschichte der Bundesrepublik ist es nicht das erste Mal, dass eine Regierung vorzeitig die Zusammenarbeit aufkündigt. Zwei Mal war es die FDP, die aus einer Koalition ausstieg. Gerade im Vergleich zum Ampelstreit 2024 gibt es insbesondere zum Regierungsende 1982 auffällige Parallelen.
    16.10.2024, Berlin: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), verfolgt die Debatte neben Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, und Christian Lindner (FDP), Bundesminister der Finanzen, nach einer Regierungserklärung zum EU-Gipfel im Bundestag.
    Die Ampel-Koalition ringt weiter um einen Kompromiss im Streit über den Haushalt und die Wirtschaftspolitik. Eine Einigung ist kurz vor dem Koalitionsausschuss nicht in Sicht.06.11.2024 | 1:19 min

    1966: Haushaltskrise macht erste "Groko" möglich

    In den ersten Jahren der Bundesrepublik kannte das Land ausschließlich Regierungen mit Beteiligung der Unionsparteien CDU und CSU - abgesehen von einer Legislaturperiode immer in Zusammenarbeit unter anderem mit der FDP. 1966 gerät die Koalition um Bundeskanzler Ludwig Erhard (CDU) allerdings in eine unlösbare Krise.
    Inmitten eines Konjunktureinbruchs, steigender Arbeitslosigkeit und einer Haushaltskrise zerbricht das Bündnis an Fragen der finanzpolitischen Ausrichtung. Am 27. Oktober 1966 legen zunächst alle FDP-Minister ihr Amt nieder, wenig später verliert Erhard auch die Unterstützung seiner Union. An seine Stelle nominiert sie Kurt Georg Kiesinger (CDU), damals Ministerpräsident von Baden-Württemberg.
    Nicole Diekmann
    Kanzler Scholz empfängt am dritten Tag in Folge Finanzminister Lindner und Wirtschaftsminister Habeck, um über Wege aus der Ampel-Krise zu beraten. Nicole Diekmann berichtet. 06.11.2024 | 0:58 min

    1982: FDP-Wirtschaftspapier lässt Koalition platzen

    Die Ausgangslage der Regierungskrise im Herbst 1982 ähnelt jener von 1966: Wieder schwächelt die Wirtschaft, wieder tritt die FDP gegen zu viele staatliche Eingriffe an. Otto Graf Lambsdorff, der FDP-Wirtschaftsminister, entwirft daraufhin ein brisantes Wirtschafts- und Sozialkonzept, in dem er der bisherigen Regierungslinie klar widerspricht. Für Kanzler Helmut Schmidt (SPD) eine Provokation und klarer Vertrauensbruch.
    Schmidt wirft der FDP - vor dem Bundestag - daraufhin Wortbruch und politische Unzuverlässigkeit vor und kündigt die Zusammenarbeit auf. Kurzzeitig regiert Schmidt in einer Minderheitsregierung weiter, die jedoch zum Scheitern verurteilt ist. Nach wenigen Wochen tut sich der ehemalige Koalitionspartner FDP mit der Union zusammen, die mit einem konstruktiven Misstrauensvotum Schmidt stürzen und zugleich Helmut Kohl (CDU) zum Kanzler machen.
    Christian Lindner (FDP), Bundesminister der Finanzen und FDP-Parteivorsitzender, gibt nach einem Treffen seiner Fraktion mit Wirtschaftsverbänden im Reichstagsgebäude auf der Fraktionsebene des Bundestags eine Pressekonferenz am 29.10.2024 in Berlin
    Das Papier von Christian Lindner befeuert Spekulationen über ein baldiges Ende der Ampel-Regierung. Darin fordert er eine "Wirtschaftswende" - die Koalitionspartner äußern Kritik.02.11.2024 | 2:03 min

    1972, 1983 und 2005: Parlamentsauflösung nach "unechter Vertrauensfrage"

    Um die eigenen Mehrheitsverhältnisse im Parlament zu stärken, stellt sich Helmut Kohl kurz nach seiner Wahl einer Vertrauensfrage im Parlament. Schon 1972 hat Willy Brandt (SPD) aus politischem Kalkül dieselbe Frage gestellt. Beide weisen ihre Fraktionen dabei allerdings an, ihnen das Vertrauen nicht auszusprechen - in diesem Fall werden Neuwahlen fällig.
    Für Brandt und Kohl zahlt sich das Wagnis aus, ihre Fraktionen werden bei neuerlichen Bundestagswahlen gestärkt. Weniger Erfolg hat Gerhard Schröder (SPD) 2005, der - nach Kritik an seiner Arbeitsmarktpolitik - die Vertrauensfrage wie abgesprochen verliert, bei Neuwahlen allerdings unerfolgreich bleibt. Die Union gewinnt die Wahl und stellt mit Angela Merkel (CDU) bis 2021 die Bundeskanzlerin.

    Wie geht's weiter in Berlin?
    :Ampel-Aus? Weiter so? Minderheitsregierung?

    Platzt die Ampel? Oder würden SPD und Grüne alleine weitermachen, ohne die FDP? Diese Szenarien werden in Berlin durchdacht - wie wahrscheinlich sind sie?
    von Dominik Rzepka
    Olaf Scholz, Robert Habeck und CHristian Lindner
    FAQ

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    Quelle: ZDF

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