Die Grünen nach der Wahl: Auf der Suche nach neuen Köpfen
Nach der Bundestagswahl:Die Grünen auf der Suche nach neuen Köpfen
von Patricia Wiedemeyer
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Nach der Wahlpleite müssen sich die Grünen neu aufstellen: Mit dem angekündigten Rückzug von der Parteispitze will Habeck einen Neustart ermöglichen. Nun geht es ans Stühlerücken.
Der Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck hat nach dem schlechten Abschneiden seiner Partei bei der Bundestagswahl angekündigt, keine führende Rolle bei den Grünen mehr anzustreben.
Quelle: dpa
Es ist ein Ergebnis, mit dem irgendwie dann doch keiner gerechnet hat. Lediglich 11,6 Prozent waren es am Ende bei der Bundestagswahl, dabei lagen sie in den Umfragen wochenlang immer konstant bei 14 bis 15 Prozent. Aber es ist wie so oft - das tatsächliche Ergebnis liegt bei den Grünen fast immer unter dem Umfragewert.
Wir kennen Opposition, wir können Opposition, so der Parteivorsitzende Felix Banaszak. Aber damit alleine ist es nicht getan. Die Grünen müssen sich neu aufstellen, mit neuem Personal, mit vielleicht auch neuem Programm. Doch viele Posten zu verteilen haben sie leider nicht mehr.
Habeck macht Weg frei für Neuanfang
Robert Habeck, der Kopf der Grünen in den vergangenen Jahren, hat angekündigt, vorerst keine Führungsposition in seiner Partei wahrnehmen zu wollen - damit will er den Weg frei machen für einen Neuanfang. Seine Strategie, die Grünen mehr in die bürgerliche Mitte zu bringen, dort die Merkel-Wähler abzufischen, sich immer verhandlungsbereit und kompromissbereit zu zeigen, sie ist nicht aufgegangen.
Robert Habeck kündigt an, künftig keine Führungsrolle mehr zu übernehmen. Die FDP sucht eine Nachfolge für Christian Lindner und Sahra Wagenknecht macht in ihrem Bündnis weiter.24.02.2025 | 2:22 min
Zu sehr auch stand er für die gescheiterte Ampel-Koalition, für sein umstrittenes Heizungsgesetz, für die schlechte Lage der Wirtschaft. Zudem fehlte eine klare Kante gegen die CDU unter Friedrich Merz - vor allem dessen Versuch, mit der AfD zusammen seinen Fünf-Punkte-Plan zur Migration durchzubekommen, hat die Grünen Stimmen gekostet.
In einem offenen Brief bitten Zehntausende Menschen Robert Habeck, weiterhin eine politische Führungsposition einzunehmen. Seine Unterstützer schreiben, dass Habeck ein "Hoffnungsträger" sei, der angesichts aktueller Probleme, wie der Klimakrise, geopolitischer Spannungen und sozialer Ungleichheit "Führung und Verantwortung übernehmen" müsse. Die Petition, die am Montag online ging, hat mittlerweile (Stand Dienstag, 22 Uhr) 150.000 Unterschriften gesammelt. (Quelle: ZDF, dpa)
Junge Wähler, die ganz sich deutlich gegen Merz und damit gegen die AfD positionieren wollten, wählten die Linke. Es sind genau diese jungen Wähler, die den Grünen fehlen.
Wie also jenseits der Stammwählerschaft neue Wähler gewinnen? Darüber wird nun parteiintern gestritten, ebenso über das Personal an der Spitze. Die beiden Parteivorsitzenden, Franziska Brantner und Felix Banaczak, sie wollen bleiben, seien schließlich erst im November 2024 gewählt worden.
"Es hat am Ende nicht zu dem gereicht, was wir wollten", sagt Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen. "Jetzt muss man gucken, wie die Gespräche laufen", so Banaszak.23.02.2025 | 4:20 min
Bliebe der Fraktionsvorstand, aber auch da signalisieren die bisherigen Vorsitzenden Britta Haßelmann und Katharina Dröge, dass sie bleiben wollen.
Morgen nun wird ein geschäftsführender Fraktionsvorstand gewählt, später dann erst der neue Vorstand. Zeit sich zu sortieren, denn auch Annalena Baerbock strebt den Fraktionsvorsitz an.
Wird Haßelmann neue Bundestagsvizepräsidentin?
Weitere interessante Posten gibt es kaum noch. Gerüchten zufolge soll Britta Haßelmann Bundestagsvizepräsidentin werden, doch dann müsste Kathrin Göring-Eckardt darauf verzichten. Sie allerdings ist die einzige Frau aus dem Osten.
Fraktionschefin Haßelmann ist vom Ergebnis enttäuscht und spricht über die vermutlich neue Rolle der Grünen in der Opposition. "Damit kann man nicht zufrieden sein", so Haßelmann.24.02.2025 | 4:49 min
Vielleicht haben die Grünen den Osten ganz aufgegeben, vielleicht kümmern sie sich auch nicht darum, dass sie derzeit keine Führungspersönlichkeit mit Migrationshintergrund haben, vielleicht aber wird es auch einen Aufstand in der neuen Fraktion geben.
Fraktion mit höchstem Frauenanteil
Es werden spannende Tage für die Grünen: wohin steuern sie inhaltlich, wie stellen sie sich personell neu auf - das sind die Fragen.
Nur in einem Punkt sind sie ganz klar und sich treu: Die Grünen bleiben eine feministische Partei: "Das Eintreten für die Gleichberechtigung, für die Gleichstellung von Frauen wird bei uns ein zentrales Thema bleiben (…)", versprechen die Fraktionsvorsitzenden heute.
Kein Wunder, dass die neue grüne Fraktion auch die mit dem größten Frauenanteil ist, dieser beträgt 61 Prozent. Der durchschnittliche Anteil von Frauen im neuen Parlament beträgt nur 32,4 Prozent.
CDU/CSU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz ist der Wahlsieger der Bundestagswahl 2025. ZDFheute informiert über aktuelle Nachrichten, Daten, Reaktionen und Analysen.