Alice Weidels Aussagen: Gauland und Chrupalla widersprechen

    Gauland und Chrupalla in ZDF-Doku:Weidel und die Widersprüche der AfD

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    Der AfD-Ehrenvorsitzende Gauland widerspricht in einer ZDF-Doku der Hitler-Aussage von Parteichefin Weidel, Co-Vorsitzender Chrupalla ist anderer Meinung bei der Wahlkreis-Frage.

    Alice Weidel - Ein Porträt
    Die ZDF-Doku "Alice Weidel - Ein Porträt" hier in voller Länge.19.02.2025 | 26:46 min
    Der AfD-Mitgründer und -Ehrenvorsitzende Alexander Gauland hat der Aussage von Parteichefin Alice Weidel widersprochen, Adolf Hitler sei ein Kommunist gewesen. "Das war er natürlich nicht. Es ist auch falsch. Die Kommunisten wurden von den Nazis alle in KZs gesperrt oder umgebracht", sagt Gauland in der ZDF-Doku "Alice Weidel - Ein Porträt".
    Weidel hatte im Januar in einem Live-Gespräch mit Milliardär Elon Musk auf dessen Plattform X gesagt, Nationalsozialisten, wie das Wort schon sage, seien Sozialisten gewesen. Zu Hitler fügte sie hinzu: "Er war ein Kommunist und sah sich selbst als Sozialisten." Die Aussagen hatten viel Kritik ausgelöst. Historiker hatten Weidel unter anderem den Versuch vorgeworfen, die Geschichte umzudeuten, um sich vom Vorwurf des Rechtsextremismus zu befreien.
    Alice Weidel Elon Musk Talk auf X
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    Weidel bleibt bei Aussage: "Hitler ein Linker"

    Weidel aber blieb dabei: "Ich bin Ökonomin und für uns ist völlig klar, dass Adolf Hitler ein Linker war", verteidigte sie ihre Ansicht jüngst in einem RTL/ntv-Interview. Davon weiche sie nicht ab.
    Gauland hatte Weidels Aufstieg in der AfD lange wohlwollend begleitet. Aus dem aktiven Geschehen hat sich der 83-Jährige inzwischen weitgehend zurückgezogen. Er hat sich aber nach einer früheren Absage nun doch noch einmal entschieden, für den Bundestag zu kandidieren.
    Alice Weidel im Bundestag
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    Wohnort am Bodensee? Weidel bricht Interview ab

    In der ZDF-Doku "Alice Weidel - ein Porträt" wird die AfD-Kanzlerkandidatin auch in ihrem Wahlkreis in Überlingen gezeigt. Bei einem Spaziergang an der Uferpromenade fragt sie der Reporter, wie viele Einwohner in ihrem Wahlkreis leben, worauf sie antwortet "schon so einige". Die genaue Zahl müsse sie nachschauen. Überlingen ist ein Ort im Bodenseekreis, für den Weidel seit sieben Jahren als Direktkandidatin für den Bundestag aufgestellt ist. 
    Später in der Doku sagt Daniele Digrisolo vom AfD-Kreisverband, es seien circa 250.000 Menschen. Ob eine Direktkandidatin so etwas wissen müsse? "Durchaus, sollte man wissen", antwortet Digrisolo auf die Frage des Reporters. Berthold Bohner, ebenfalls vom AfD-Kreisverband Bodenseekreis erklärt, Alice Weidel sei am Bodensee verwurzelt, ihr Vater wohne im Wahlkreis. Alice Weidel auch? "Nein, sie wohnt in Einsiedeln." 
    Auf dem Marktplatz in Überlingen geben viele Menschen an, von Weidel bisher noch nichts mitbekommen zu haben. Als Weidel an der Uferpromenade vom Reporter gefragt wird, ob Überlingen ihr Zuhause sei, sagt sie: "Ja, auch, Überlingen ist auch mein Zuhause". Sie spricht von ihrem "Hauptwohnsitz". Sie gibt an, auch einen Wohnort in Einsiedeln in der Schweiz zu haben.
    Auf die Frage, wie oft sie im vergangenen Jahr in Überlingen übernachtet habe, antwortet sie "ganz oft". Auf die Nachfrage, wie oft, ob 5, 10 oder 20 Mal bricht die AfD-Chefin schließlich ab. "Nee, ich hab' jetzt keine Lust mehr". Weidel begründet den Interview-Abbruch damit, dass die Frage anderen Politikern auch nicht gestellt würde.
    Weidel bei letzter Debatte im Bundestag
    AfD-Kanzlerkandidatin Weidel wirft CDU-Chef Merz im Bundestag vor, er sei bereits gescheitert. Seine Politik könne er mit SPD und Grünen nicht durchsetzen. Die Rede im Video:11.02.2025 | 12:40 min

    Chrupalla: Frage "absolut legitim"

    Ihr Co-Chef Tino Chrupalla dagegen findet die Frage "absolut legitim". Auch er wird in der Doku danach befragt, wie oft er im vergangenen Jahr in seinem Wahlkreis übernachtet habe. Um die 200 Nächte sagt er, "50 Prozent auf alle Fälle". 
    Auch bei der Definition des Familienbilds, haben Teile ihrer Partei eine andere Auffassung als Weidel. Sie lebt in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft mit einer Frau und zieht mit ihr zwei Kinder groß. Dem Sender RTL sagte sie auf dem AfD-Parteitag: "Für mich ist Familie dort, wo Kinder sind."

    Was ist Familie für die AfD?

    Auf dem gleichen Parteitag fallen aber auch diese Sätze: "Familie ist da wo Kinder sind: Diese gesellschaftsverwahrlosenden Sätze kommen mir zu den Ohren raus", sagte etwa Wiebke Muhsal, stellvertretende Fraktionsvorsitzende in Thüringen.
    Lena Kotré, AfD-Landtagsabgeordnete in Brandenburg, sagte dem ZDF: "Familie ist da wo Vater, Mutter und Kind zusammenleben." Der Parteitag ließ die Familien-Definition im Wahlprogramm für die Bundestagswahl explizit als Einheit von Vater, Mutter Kind hinzufügen.
    Quelle: ZDF, dpa

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