Deutscher KI-Pionier Hochreiter:Was KI besser kann und wo es in Europa hakt
von Svenja Bergerhoff
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Auf der diesjährigen Hannover Messe ist Künstliche Intelligenz das Top-Thema. KI- Experte Sepp Hochreiter erklärt im ZDFheute-Interview, wie es um die KI in Europa steht.
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Sepp Hochreiter gilt als der deutsche Pionier auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Auf Basis des Algorithmus LSTM (Long short-term memory), den er Ende der 90er Jahre entwickelt hat, arbeiten noch heute Sprachsteuerungen wie Alexa und Siri oder auch der KI-Chatbot ChatGPT von OpenAI. Aktuell lehrt er an der Johannes Kepler Universität Linz, wo es einen der ersten KI-Studiengänge gibt.
Europa: Stark in der Theorie, schwach in der Praxis
Die meisten Anbieter von Anwendungen Künstlicher Intelligenz, die uns im Alltag begegnen, kommen derzeit aus den USA oder aus China. Doch Europa sei keineswegs total abgeschlagen, meint Hochreiter. "In Wissenschaft waren wir schon immer stark, in Europa und in Deutschland. (…) Wo wir aber nicht so gut dastehen, ist das umzusetzen."
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Am Weg in die Praxis also krankt es in Europa. Aus der Sicht des KI-Forschers braucht es hier mehr Verzahnung zwischen Unternehmen und der akademischen Forschung, um Ideen besser ins echte Leben zu übertragen.
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KI als Beschleuniger in der Industrie
An Aufmerksamkeit mangelt es dem Thema Künstliche Intelligenz derzeit nicht. Auch auf der Hannover Messe, einer der weltweit bedeutendsten Industriemessen, ist sie dieses Jahr zum Top-Thema ausgerufen worden. Noch bis zum 4. April präsentieren Player aus Industrie und Forschung ihre neuesten Anwendungen.
In der Industrie werde KI künftig eine große Wirkung entfalten, meint Sepp Hochreiter, selbst wenn die auf den ersten Blick für den Laien nicht einfach ersichtlich sei. Denn es geht vor allem um Prozesse- und Entwicklungsbeschleunigung:
Es ist im Hintergrund, (…) weil einfach Produkte besser sind, weil man schneller auf dem Markt ist, Medikamente schneller kommen - was hilfreich ist, aber man gar nicht sieht, dass die KI da eine wesentliche Rolle gespielt hat.
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Hochreiter: "Die KI schläft sehr wenig"
Für Unternehmen hat Künstliche Intelligenz noch weitere Vorteile, auch wenn die Erstanschaffung teuer ist. Denn das Wissen der KI verlässt das Unternehmen nicht, anders als Arbeitnehmer, die beispielsweise in Rente gehen, und KI kann komplexere Zusammenhänge schnell berechnen.
Was KI besser kann als wir Menschen: Sie muss nicht so viel schlafen. […] Die kann auch in der Nacht arbeiten, kann durchgehend arbeiten.
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Sepp Hochreiter, Johannes Kepler Universität Linz
KI könne zudem mehr Komponenten miteinander verknüpfen und zusammenspielen lassen. Dabei gehe es aber nicht darum Menschen zu ersetzen, sondern durch KI zu unterstützen.
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EU-Regulierung ist Chance und Risiko
Im Jahr 2024 legte die Europäische Union mit dem EU AI Act den Grundstein für eine Regulierung von Künstlicher Intelligenz. KI-Experte Sepp Hochreiter sieht hier Chancen und Risiken gleichermaßen. Eine Regulierung des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz sei grundsätzlich sinnvoll. Doch der EU AI Act habe einige Schwächen.
Gerade was die enthaltenen Definitionen von Künstlicher Intelligenz und sogenannter General Purpose Artifical Intelligence - also KI-Systeme mit allgemeinem Verwendungszweck, die besonderen Auflagen unterliegen - angeht, weil sie unklar oder aus Expertensicht gar willkürlich sind.
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Gefahr von Wettbewerbsnachteilen
Unsicherheiten, die daraus entstehen, erlebt Hochreiter im eigenen Start-up "NXAI", das er im letzten Jahr gegründet hat: "Wo ich Angst habe, ist, dass es beim AI Act eine große Unsicherheit gibt, dass Leute nicht wissen, fallen wir darunter, (…) ist meine Entwicklung General Purpose AI?"
Diese Unsicherheiten könnten zu Verzögerungen in der Entwicklung von KI führen und so vor allem für europäische Unternehmen im schlimmsten Fall einen massiven Wettbewerbsnachteil darstellen gegenüber Unternehmen, die außerhalb Europas tätig sind.
Doch trotzdem ist Sepp Hochreiter hoffnungsvoll, was die Zukunft europäischer KI angeht. "Es gibt schon Firmen, wo KI eingesetzt wird, wo wir jetzt anfangen, die in der Industrie zu verwenden."
Also man muss nicht das Handtuch werfen, ich sehe da schon Hoffnungsschimmer, (…) es ist dann teilweise schon auch beeindruckend, was wir in Europa machen.
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Sepp Hochreiter, Johannes Kepler Universität Linz
Svenja Bergerhoff ist Reporterin im ZDF-Studio in Niedersachsen.
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