Bundestagswahl: Wieso Ost und West unterschiedlich wählen
Bundestagswahl 2025:Wieso Ost und West unterschiedlich wählen
von Mona Trebing
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Im Osten des Landes wurde die AfD mit Abstand stärkste Kraft. Linke und BSW sind ebenfalls stärker als im Westen, Grüne viel schwächer. Wieso wählt Deutschland so unterschiedlich?
Das BSW hat den Einzug in den Bundestag verpasst, damit ist eine schwarz-rote Koalition möglich. Gut 13.000 Stimmen haben dem BSW gefehlt. Bei der Linken gab es eine große Party.24.02.2025 | 3:46 min
Der Tag nach der Wahl, die Ergebniskarten leuchten parteifarben. Vergleicht man die von 2021 mit denen von heute, wird vor allem eins deutlich: das Rot der SPD fehlt. Bei der letzten Bundestagswahl lagen die Sozialdemokraten auch in Ostdeutschland mit 24,1 Prozent der Zweitstimmen vorne. Heute sieht das Bild anders aus. CDU/CSU-schwarz und AfD-blau dominieren.
AfD ist Wahlsiegerin in allen fünf ostdeutschen Flächenländern
Schwarz im Westen, blau im Osten des Landes. Die AfD wird in allen fünf ostdeutschen Flächenländern stärkste Kraft.
Vorläufiges Ergebnis der Bundestagwahl 2025 in den ostdeutschen Bundesländern.
Quelle: ZDF/ Forschungsgruppe Wahlen
Im Westen kommt die Partei nur auf etwa halb so viele Stimmen wie im Osten. Hier konnte sie aber erstmals zwei Wahlkreise für sich entscheiden und landet auf Rang Zwei, knapp vor der SPD. Viel schwächer als im Westen schneiden die Grünen ab, BSW und Linke im Osten dafür wesentlich stärker. Wieso wählen Menschen in Ostdeutschland so anders als im Westen der Republik - auch 35 Jahre nach der Wiedervereinigung?
Die Wählerschaft im Osten sei weniger parteipolitisch gebunden als im Westen, sagt Professor Oliver Lembcke von der Ruhr Uni Bochum.
Zudem ist der Organisationsgrad an zivilgesellschaftlicher Verwurzelung deutlich geringer, was die politische Ansprechbarkeit durch populistische Parteien erhöht.
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Oliver Lembcke, Politikwissenschaftler
Vorläufiges Ergebnis der Bundestagwahl 2025 in den westdeutschen Bundesländern.
Quelle: ZDF/ Forschungsgruppe Wahlen
Wahlbeteiligung steigt auch in ostdeutschen Bundesländern
Deutschlandweit haben so viele Menschen gewählt wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Auch in den ostdeutschen Ländern hat sich die Wahlbeteiligung teils deutlich erhöht. In Sachsen-Anhalt etwa stieg die Wahlbeteiligung von 67,9 auf 77,7 Prozent. In Brandenburg war sie mit 81,5 Prozent am höchsten.
Die AfD konnte unter anderem viele Erstwähler gewinnen. "Die Härte des Wahlkampfes und die Wahlbeteiligung stehen in einem Zusammenhang, der stark über Emotionen läuft. Davon profitiert die AfD", erläutert Lembcke.
Zweitstimmen: Ergebnisse in den Wahlkreisen
ZDFheute Infografik
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Oliver Lembcke: "AfD ist Heimat für Rechtsextreme"
Mit ihrer Dominanz im Osten konnte sie an ihre Erfolge bei den Landtagswahlen anschließen. In Thüringen wurde die AfD vergangenen September erstmal stärkste Kraft in einem Landesparlament. Auch jetzt ist Thüringen Spitzenreiter: 38,6 Prozent machten ihr Kreuz bei der AfD, die hier - wie in Sachsen und auch Sachsen-Anhalt - vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird.
Zweitstimme: So hat die AfD abgeschnitten
ZDFheute Infografik
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Die Partei biete Rechtsextremen eine Heimat. Ferner auch anderen Gruppen, die aus unterschiedlichen Motiven und in unterschiedlichem Grade den bestehenden politischen Betrieb ablehnen.
Sie verbindet nicht nur die Sorge um die Zukunft, sondern auch die Wut auf die politischen Parteien und deren Personal. Dadurch wächst die Partei nicht nur im Osten, aber erreicht dort mittlerweile das Niveau von Volksparteien.
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Oliver Lembcke, Politikwissenschaftler
Die AfD betont, dass sie bereit für Gespräche mit dem Wahlsieger CDU ist. Was bedeutet die "ausgesteckte Hand" inhaltlich?24.02.2025 | 5:58 min
BSW verliert Alleinstellungsmerkmal
Das BSW fuhr bei der Europawahl und den drei Landtagswahlen vergangenes Jahr in Thüringen, Sachsen und Brandenburg aus dem Stand hohe Werte ein. Die Fünf-Prozent-Hürde hat das BSW bei der Bundestagswahl nun knapp verpasst, musste auch in den ostdeutschen Bundesländern Federn lassen.
"Wir haben um Haaresbreite den Einzug verfehlt, aber beim nächsten Mal sind wir zuversichtlich", sagt Amira Mohamed Ali, BSW Co-Parteivorsitzende. Eine Klage werde nun geprüft.24.02.2025 | 4:23 min
Die vorgezogenen Wahlen stellten die junge Partei vor große Herausforderungen - sowohl organisatorisch als auch programmatisch. Der Wunsch nach Frieden machte das BSW im Osten stark. Allerdings habe die Partei das Alleinstellungsmerkmal, für Frieden sorgen zu wollen, verloren:
Nicht nur der 'besonnene Friedenskanzler' hat dem BSW hier das Wasser abgegraben, sondern auch der Umstand, dass die Initiative für Verhandlungen an Trump übergegangen ist.
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Oliver Lembcke, Politikwissenschaftler
In Brandenburg regiert das BSW mit SPD, in Thüringen ist es Teil einer Koalition von CDU und SPD. Auch dadurch könne der Eindruck entstanden sein, das BSW sei zur "normalen Partei, die in erster Linie die Funktion der Mehrheitsbeschaffung erfüllt" geworden. Das habe ebenfalls zu Verlusten geführt.
Schaut man sich die Zahlen der Bundestagswahl genauer an, dann unterscheiden sich die Ergebnisse in mancher Hinsicht sehr deutlich. Stefan Leifert berichtet.24.02.2025 | 2:22 min
Linke erlebt Revival
Den Linken ist im Bund so etwas wie eine politische Auferstehung gelungen. Historisch bedingt hat sie in den ostdeutschen Bundesländern zwar immer noch starken Rückhalt, musste aber beispielsweise zuletzt bei der Thüringer Landtagswahl bereits starke Verluste verkraften. Jetzt das Revival. Im Vergleich liegen die Linken im Osten auf dem dritten, im Westen auf dem fünften Rang.
"Die Linke ist wieder da", sagt Jan van Aken, Spitzenkandidat der Linken. Linken-Spitzenkandidatin Heidi Reichinnek betont: "Wir sind stärkste Partei bei den Erstwähler*innen".24.02.2025 | 7:13 min
"Entscheidend ist, dass es der Partei gelingt, harte Kapitalismuskritik mit Alltagsthemen wie Inflation, Miete, Rente zu verbinden", so Politikwissenschaftler Lembcke. Diese Themen seien gerade im Osten relevant.
Regieren wird eine Herausforderung
Ein rauer und harter Wahlkampf geht zu Ende. Viele Gräben haben sich aufgetan. Friedrich Merz zeigt sich optimistisch, bis Ostern eine Regierung zu bilden. "Neben den zentralen Politikfeldern muss sich die neue Regierung vor allem darum bemühen, verlorenes Vertrauen in die Lösungsfähigkeit der politischen Parteien und Institutionen zurückzugewinnen", sagt Lembcke.
Mona Trebing ist Reporterin im ZDF-Studio in Erfurt.
CDU/CSU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz ist der Wahlsieger der Bundestagswahl 2025. ZDFheute informiert über aktuelle Nachrichten, Daten, Reaktionen und Analysen.
Thema
Quelle: dpa
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