Bundestagswahl: Was eine älter werdende Bevölkerung bedeutet
Beteiligung, Parteien, Themen:Was heißt eine alternde Bevölkerung für Wahlen?
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Deutschland wird unaufhaltsam älter - und damit auch die potenziellen Wähler. Was bedeutet das für die Bundestagswahl 2025? Haben junge Menschen das Nachsehen?
Werden durch die älter werdende Bevölkerung die Themen junger Menschen in den Hintergrund gedrängt?
Quelle: dapd
Wenn am 23. Februar Bundestagswahlen sind, könnte das Alter der Wähler eine bedeutende Rolle für den Wahlausgang spielen. Fast 60 Millionen Deutsche sind wahlberechtigt - von ihnen sind rund 42 Prozent 60 Jahre und älter. Was bedeutet das für den Wahlausgang?
Wie unterscheidet sich die Wahlbeteiligung nach Alter?
Ältere Menschen beteiligen sich besonders stark an Wahlen. 75 Prozent der über 70-Jährigen und 80 Prozent der 60- bis 69-jährigen Wahlberechtigten haben bei der Bundestagswahl 2021 ihre Stimme abgegeben. Zum Vergleich: Bei den 21- bis 24-Jährigen waren es nur 71 Prozent.
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Wie unterscheidet sich die Parteipräferenz nach Alter?
Bei der jüngsten Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen führten bei der Bundestagswahl 2021 die Grünen mit 23 vor der FDP mit 21 Prozent. Es folgten die SPD mit 15, die Union mit 10 und die Linke mit 8 Prozent. Die AfD kam auf 7 Prozent.
Bei den Wählern über 60 sah die Reihenfolge anders aus: Die SPD führte mit 34 Prozent knapp vor der Union aus CDU und CSU (33 Prozent), den Grünen (9 Prozent), FDP und AfD (jeweils 8 Prozent) sowie der Linken mit 4 Prozent.
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von Robert Meyer
Seit der Bundestagswahl 2021 hat sich allerdings viel verändert. Auch bei Jüngeren gewann die AfD deutliche Anteile.
Schon bei den Landtagswahlen in Bayern im Oktober 2023 gaben 16 Prozent der Erstwähler der AfD ihre Stimme, in Hessen waren es am selben Tag 15 Prozent. In Thüringen wurde die AfD im September 2024 mit 38 Prozent stärkste Partei bei den 18- bis 24-Jährigen, in Sachsen verbuchte sie in dieser Altersgruppe 31 Prozent, in Brandenburg bei den Erstwählern 30 Prozent.
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Wie wirkt sich der demografische Wandel aus?
Die Altersverteilung verschiebt sich gegenüber früheren Wahlen weiter zugunsten älterer Wahlberechtigter. So war bei der Bundestagswahl 1987 noch fast jede vierte wahlberechtigte Person unter 30 Jahre und jede siebte über 70 Jahre alt.
Der Dortmunder Soziologe Aladin El-Mafaalani verweist darauf, dass schon bei der Bundestagswahl 2021 die Hälfte der Wähler über 53 Jahre alt war. Zunehmend bestimmten diejenigen, die selber nicht mehr berufstätig seien, über die Zukunft des Landes - eine historisch einmalige Situation.
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Ist das Alter bei Wahlen wirklich so entscheidend?
Der Soziologe El-Mafaalani argumentiert, dass in einer alternden Bevölkerung die Zukunftsorientierung abnimmt. Die Älteren seien von langfristigen Herausforderungen wie dem Klimawandel oder der Bildungskrise deutlich weniger betroffen. Politische Entscheidungen beträfen vor allem die Jüngeren.
Der Berliner Ökonom Marcel Fratzscher betont, dass selten ein Wahlkampf so sehr von einem Verteilungskampf zwischen Jung nach Alt geprägt sei wie der gegenwärtige. In der "Zeit" schrieb er mit Blick auf Versprechungen wie Steuersenkungen für Unternehmen und Spitzenverdiener, die Sicherung von Renten und die Pflegeversicherung.
Die Parteien versprechen vor allem eines: eine Umverteilung in Bezug von Geld, Freiheit und Chancen von Jung zu Alt.
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Marcel Fratzscher, Ökonom
Dabei seien deutlich höhere Investitionen in Bildung, Qualifizierung und Innovation unverzichtbar, wenn die deutsche Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig werden und gute Arbeitsplätze langfristig gesichert werden sollten.
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Gibt es auch Gegenargumente?
Forsa-Geschäftsführer Peter Matuschek sieht für einen Generationenkampf keine Anzeichen. Bei den wichtigsten Zukunftssorgen fänden sich eher geringfügige Differenzen zwischen den Generationen.
So werde die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme und die Sicherung der Rente nicht nur von den Jüngeren, sondern auch von den Älteren mehrheitlich als Problem benannt, um das sich die Politik kümmern müsse. Nur eine Minderheit sehe stärkere Konflikte zwischen beiden Gruppen.
Ein Gegeneinander sieht auch Regina Görner, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (Bagso), nicht. Lebenslagen und Interessen von Senioren seien alles andere als einheitlich. Auch ihr Wahlverhalten sei vielfältig und bei weitem nicht nur von "Seniorenthemen" bestimmt. Ohnehin sieht sie Jung und Alt in einem Boot:
Für Ältere ist die Frage immer wichtiger: Welche Welt hinterlasse ich?
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Regina Görner, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen
Die Bundestagswahl hat begonnen. Seit 8:00 Uhr sind die Wahllokale geöffnet. Scholz und Merz haben ihre Stimme bereits abgegeben. Alle News im Liveblog.
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Quelle: dpa
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