Der palästinensische Filmemacher Hamdan Ballal ist wohl von jüdischen Siedlern verletzt worden. Anschließend soll er festgenommen worden sein.
Die Bilder sollen die Festnahme von Hamdan Ballal zeigen.
Quelle: dpa
Gut drei Wochen nach dem Gewinn eines Oscars für den Dokumentarfilm "No Other Land" ist der Co-Regisseur Hamdan Ballal im israelisch besetzten Westjordanland offenbar von jüdischen Siedlern zusammengeschlagen worden. Anschließend hätten israelische Soldaten den verletzten palästinensischen Filmemacher aus einem Krankenwagen geholt und festgenommen, berichteten palästinensische Aktivisten und Kollegen Ballals.
"Seither keine Spur von ihm", schrieb Regisseur Juval Abraham. Das israelische Militär bestritt in einer Stellungnahme, dass ein Palästinenser aus einem Krankenwagen geholt worden sei.
Jo Schücks Dokumentation zeigt, wie Israelis und Palästinenser Brücken bauen. Dafür trifft er auch den Palästinenser Basel Adra und der Israeli Yuval Abraham, die gemeinsam mit ihrem Film "No other Land" für ein Ende der Besatzung kämpfen. 04.10.2024 | 45:52 min
Haben israelische Siedler angegriffen?
Die nicht-staatliche Organisation Center for Jewish Nonviolence teilte über die Plattform Bluesky mit, Ballal sei am Montagabend in seinem Heimatdorf Susja im Westjordanland von israelischen Siedlern angegriffen worden. Die Angreifer seien mit Schlagstöcken, Messern und mindestens einem Sturmgewehr bewaffnet, viele maskiert gewesen. Fünf jüdisch-amerikanische Aktivisten seien ebenfalls attackiert und ihr Auto mit Steinen beworfen worden.
Laut Medienberichten sollen Dutzende gewalttätige Siedler Steine in Richtung der Bewohner, Häuser und Autos des Dorfes geworfen haben. Vier Palästinenser seien verletzt worden, unter ihnen Ballal. Er soll von einem Stein am Kopf getroffen worden sein, über seinen Zustand wurde zunächst nichts bekannt. Die israelische Polizei bestätigte drei Festnahmen, Aktivisten zufolge ist Ballal einer der Festgenommenen.
Hamdan Ballal soll von jüdischen Siedlern geschlagen worden sein.
Quelle: dpa
Co-Regisseur spricht von Verletzungen Ballals
Co-Regisseur Basel Adra schrieb auf X, Ballal sei von Siedlern "gelyncht" worden. Soldaten hätten ihn entführt. Hamdan sei verletzt und habe geblutet. Auch Co-Regisseur Yuval Abraham schrieb auf X, Ballal sei gelyncht worden.
X-Post von Adra Basel
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Das israelische Militär teilte mit, dass "einige Terroristen" Steine auf Israelis geworfen und ihre Fahrzeuge beschädigt hätten. Daraufhin hätten sich Gruppen von Israelis und Palästinensern gegenseitig mit Steinen beworfen. Polizei und Armee hätten die Gruppen voneinander getrennt.
Die israelische Armee geht seit Wochen im Westjordanland nach eigenen Angaben gegen Terroristen vor. Die Offensive wurde jetzt auf weite Teile der Stadt Dschenin ausgeweitet.05.03.2025 | 6:37 min
Drei Palästinenser seien festgenommen, weil diese verdächtigt wurden, Steine auf Soldaten geworfen zu haben, sowie einen israelischen Zivilisten, der an einer "gewaltsamen Konfrontation" zwischen Israelis und Palästinensern beteiligt war - eine Behauptung, die von der AP befragte Zeugen bestritten. Das Militär teilte mit, es habe die drei Palästinenser zur Befragung an die israelische Polizei übergeben und einen israelischen Bürger aus dem Gebiet evakuiert, um ihn medizinisch behandeln zu lassen.
Palästinensische Extremisten aus dem Westjordanland verüben wieder Anschläge auf israelische Bürger. Zugleich hat auch die Gewalt extremistischer jüdische Siedler gegen Palästinenser im Westjordanland stark zugenommen.
Co-Regisseur vermutet Rache an Filmemachern
"Wir sind von der Oscar-Verleihung zurückgekommen, und seitdem werden wir jeden Tag angegriffen", sagte Co-Regisseur Adra. Der Nachrichtenagentur AP sagte er:
Das könnte ihre Rache an uns sein, weil wir den Film gemacht haben. Es fühlt sich wie eine Bestrafung an.
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Basel Adra, Co-Regisseur
Der palästinensisch-norwegische Dokumentarfilm, den Ballal mit den Israelis Yuval Abraham und Rachel Szor sowie dem Palästinenser Basel Adra drehte, gewann Anfang März in Los Angeles den Oscar für den besten Dokumentarfilm. "No Other Land" erzählt vom gewaltfreien Kampf der Palästinenser für den Erhalt ihrer Dörfer und ihres Landes in Susja und der umliegenden Landschaft Masafer Jatta südlich von Hebron.
"No Other Land" von Hamdan Ballal, Basel Adra, Yuval Abraham und Rachel Szor dreht sich um die Vertreibung von Palästinenserinnen und Palästinensern in den Dörfern von Masafer Jatta südlich von Hebron im Westjordanland. (Archivfoto )
Quelle: dpa
Eklat bei der Berlinale
Im Vorjahr wurde der Film bei der Berlinale mit dem Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet. Zu einem Eklat kam es, nachdem bei der Preisverleihung einseitig Vorwürfe gegen Israel laut wurden, ohne dass das Oktober-Massaker der islamistischen Hamas-Terroristen erwähnt wurde.
Vor dem Hintergrund des Gaza-Kriegs sprach Abraham auf der Bühne von einer "Situation der Apartheid", im Saal gab es Applaus. Nachträglich distanzierte sich die Festivalleitung von den Aussagen, nicht aber vom ausgezeichneten Film.
Mit dem Hamas-Angriff auf Israel eskalierte der Nahost-Konflikt. Anfang des Jahres konnte eine Waffenruhe vereinbart werden. Nun fliegt Israel wieder Angriffe in Gaza.