Wie umgehen mit dem Präsidenten?:Das rät Stoltenberg am Vorabend von Trump
von Christian Harz, Washington D.C.
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Als Nato-Generalsekretär verhinderte Jens Stoltenberg den Eklat mit den USA unter Donald Trump. Wie also ein zweites Mal umgehen mit Präsident Trump? Das rät der Top-Diplomat am Vorabend der Amtseinführung.
Sehen Sie hier das ganze Gespräch mit Jens Stoltenberg im Video.19.01.2025 | 4:58 min
Während der ersten Amtszeit von Donald Trump kam Jens Stoltenberg als Nato-Generalsekretär die Rolle des Vermittlers zu. Mehr als einmal hatte Trump angedroht, die Nato zu verlassen - auch dem diplomatischen Geschick Stoltenbergs ist zu verdanken, dass die USA dennoch in der Allianz verblieben.
Nun also Trump, die zweite. Noch bevor der 78-Jährige erneut hinter dem Resolute Desk im Oval Office Platz genommen hat, wurde bereits mächtig gepoltert und gefordert. Kanada? Bald 51. Bundesstaat der USA. Grönland? Gehört Trump zufolge auch eigentlich den USA - und nicht zu Dänemark.
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Und die Nato? Fünf Prozent ihrer Wirtschaftsleistung sollten die Mitgliedstaaten künftig für Verteidigung ausgeben, so Trump. Der Großteil der deutschen Politik hat die Forderungen bereits zurückgewiesen, dennoch bleibt die Frage: Wie diesmal umgehen mit dem Mann, der bereits vor Amtsantritt noch mehr poltert, noch mehr fordert als vor vier Jahren?
Stoltenberg: "Müssen auf Überraschungen vorbereitet sein"
"Wir müssen natürlich auf Überraschungen vorbereitet sein, auf scharfe Töne. Das haben wir auch schon vorher gesehen", so Ex-Nato-Generalsekretär Stoltenberg. Dennoch rät er, mehr zu diskutieren, was man tatsächlich tun könne, um gute Ergebnisse zu fördern und schlechte Ergebnisse zu minimieren, statt nur zu spekulieren.
Das habe Stoltenberg auch 2016 so gemacht, als Trump zum ersten Mal gewählt wurde. "Und das ist auch das, was die europäischen Verbündeten diesmal tun sollten". Sein Credo: Sich hinsetzen und über die "unterschiedlichen Meinungen sprechen und auch über Punkte zu sprechen, wo es Meinungsverschiedenheiten gibt".
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Stoltenberg gibt sich optimistisch
Auch in seiner ersten Präsidentschaft hätten Trump und er es "ja auch geschafft, eine Arbeitsbeziehung aufzubauen und sicherzustellen, dass die Nato gestärkt werden konnte über diese Jahre hinweg".
Dennoch habe man damals zu wichtigen Fragen wie der US-Präsenz in Europa und den Sicherheitsausgaben Fortschritte erzielt, so Stoltenberg.
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Stoltenberg fordert von Nato-Ländern mehr Investitionen in Sicherheit
Daran erinnert Stoltenberg auch vor dem Hintergrund der Fünf-Prozent-Forderung Trumps. "Ja, fünf Prozent der Wirtschaftsleistung für Rüstung, für Verteidigung sind sehr viel, [...] aber wir haben gesehen, dass die europäischen Alliierten es geschafft haben, ihre Sicherheitsausgaben in den letzten Jahren zu erhöhen."
2014 wurde beschlossen, dass zwei Prozent ausgegeben werden. "Da gab es nur drei Verbündete, die dieses Ziel erreicht hatten." Jetzt seien es 23, die zwei oder mehr ausgeben - darunter auch Deutschland. "Und mehr und mehr Verbündete kommen jetzt auch an die drei Prozent heran."
Sehen Sie hier, welche Nato-Länder das Zwei-Prozent-Ziel erreichen:
Nato-Länder, die Zwei-Prozent-Ziel erreichen
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Auch vor dem Hintergrund der geopolitischen Lage fordert Stoltenberg, dass die Nato-Länder künftig mehr in ihre Sicherheit investieren müssten.
Denn: "Die Realität ist, dass wir in einer gefährlicheren Welt leben", so Stoltenberg.
Stoltenberg zur Amtseinführung von Trump erwartet
Übrigens: Im Gegenteil zu Kanzler Olaf Scholz (SPD) ist der Ex-Nato-Generalsekretär, der vor seinem Nato-Job Ministerpräsident von Norwegen war, zur Amtseinführung von Trump eingeladen. Neben ihm werden unter anderem die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban erwartet, aber auch deutsche AfD-Politiker.
Nach seinen zehn Jahren als Nato-Generalsekretär wird Stoltenberg im Februar der Münchner Sicherheitskonferenz vorsitzen. Auf Stoltenberg selbst folgte im Atlantischen Bündnis Mark Rutte, dem ähnlich wie Stoltenberg der Ruf des "Trump-Flüsterers" vorauseilt. So machte Rutte nach seinem Amtsantritt im Oktober deutlich: "Mit Donald Trump kann ich gut."
Das Interview mit Jens Stoltenberg führte Marietta Slomka.
10 Jahre stand Jens Stoltenberg an der Spitze der Nato. Er hielt das Militärbündnis zusammen, organisierte den Widerstand gegen Putin und die Unterstützung für die Ukraine.