Am letzten Tag der Münchner Sicherheitskonferenz steht die künftige Sicherheit in Europa auf der Agenda. Am Samstag lag der Fokus auf dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine.16.02.2025 | 1:44 min
Diese
Münchner Sicherheitskonferenz wird in die Geschichte eingehen. Die Nachkriegsordnung hat die Trump-Regierung zertrümmert. Seit dem Zweiten Weltkrieg garantierten die USA die Sicherheit in Europa. Das gilt nicht mehr. Gerade jetzt, da russische Truppen in der Ukraine stehen. Europa ist in Gefahr.
Europa hat schon immer mit den USA gehadert. Aber zum Schluss galt, was einmal der große britische Premierminister Winston Churchill gesagt hat: "Amerikaner tun am Ende immer das Richtige. Nachdem sie vorher alle anderen Möglichkeiten ausprobiert haben." Diese Wahrheit ist Geschichte. Jetzt gibt es nur den einen - Trumps - Weg.
Die Trump-Regierung sieht sich als Systemzerstörer, nicht nur im Inneren, sondern auch im Äußeren. Die MAGA-Bewegung hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Institutionen zu schleifen. US-Präsident
Donald Trump ist ihr Vollstrecker. Das hat Europa auf der Münchner Sicherheitskonferenz zu spüren bekommen.
Europa habe ein neues Problem: "Nicht mehr nur Putin, sondern auch Donald Trump", sagt Ulf Röller in München. Beim Sondergipfel wolle man daher "ein Signal der Stärke zeigen".16.02.2025 | 2:54 min
Kulisse für Vances Wutrede
Wer am Hofe von Trump überleben will, muss scharf auftreten. Sein Vize-Präsident
J.D. Vance weiß das. In seiner Rede auf der Sicherheitskonferenz rechnet er mit den Europäern ab. Nicht Russland und China seien die Gefahr, sondern das mangelnde Demokratieverständnis der Europäer. Dort werde die Meinungsfreiheit zensiert. In weniger als einer halben Stunde schredderte er die jahrzehntelange Wertegemeinschaft mit Europa. Im Saal saß die politische und wirtschaftliche Elite und schüttelte sich fassungslos. Wie kleine Schüler belehrte Vance, der dem Fake-News Präsidenten Trump dient, Europa in Sachen Demokratie.
Sein eigentliches Publikum waren aber nicht die Anwesenden im Saal, sie dienten nur als Kulisse für die Wutrede. Sein eigentliches Publikum waren die Trump-Anhänger in Amerika, der Mann im Weißen Haus und sein Handlanger Elon Musk. Trumps Lob: eine "very brilliant speech". Dass sich die ganze europäische Elite aufregte, erhöhte nur die Freude bei Vance. Treffer versenkt. Ihr Schmerz ist seine Lust.
Nach dem Auftritt von Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz fordern Bundeskanzler Scholz sowie auch Merz und Habeck von den USA, sich aus dem deutschen Wahlkampf rauszuhalten.15.02.2025 | 2:31 min
In der Rede spiegelte sich die Verachtung gegenüber
Europa wider. Trumps Mannschaft will die EU spalten. Deshalb traf sich Vance mit AfD-Chefin Alice Weidel. Die Rechtspopulisten in der EU sind die Verbündeten der Trump Bewegung.
Selenskyjs Hilferuf: Europa muss sich selbst schützen
Die Gegenrede zu Vance hielt ausgerechnet der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Es sind schicksalshafte Tage für sein Land. Trump und Kremlchef Wladimir Putin reden hinter seinem Rücken miteinander. Nächste Woche treffen sich Amerikaner mit Russen in Saudi-Arabien, um über den Frieden in der
Ukraine und in der Welt zu beraten.
Selenskyj ist da nur eine Figur, auf einem großen Schachbrett, die die Autokraten herumschieben. Er hat erkannt, dass Trump ihn schnell fallen lässt. Umso mehr hofft er auf die Europäer. Seine Botschaft auf der Sicherheitskonferenz ein einziger Hilferuf: Europa müsse sich um seine eigene Sicherheit selbst kümmern. Es brauche dringend eine eigene Armee. Nicht nur um die Ukraine zu schützen, sondern um sich selbst zu schützen.
Der ukrainische Präsident Selenskyj hat sich nach seinem Gespräch mit den USA für eine europäische Armee ausgesprochen. ZDF-Korrespondent Ulf Röller spricht von einem Hilferuf.15.02.2025 | 2:19 min
Seit Jahren diskutieren die Europäer darüber. Aber sie produzierten nur viele Worte, statt Waffen. Es war angenehmer, die sicherheitspolitischen Interessen Europas nach Amerika auszulagern. Jetzt steht Brüssel nackt da. Jetzt ist Europa schwach und abhängig von Trump, von dem man weiß, dass er Schwache beißt und nicht beschützt.
Europa sucht nach Antworten
Die Welt sortiert sich neu. Brüssel hat bisher keinen Platz am Verhandlungstisch. Dazu passt, dass die Amerikaner den Europäern einen Fragenkatalog geschickt haben sollen: Was sie denn mitbringen würden, wenn sie bei Verhandlungen dabei sein dürften? Wie sehe eine europäische Friedenstruppe in der Ukraine aus? Am Montag wird es einen Sondergipfel einiger EU-Regierungschefs in Paris geben. Eine Antwort muss her. Vielleicht eine europäische Armee? Die Versäumnisse der letzten Jahre rächen sich bitter.
Ohne die Amis wird es schwer. Trump hat Europa in der Hand. Ob er am Ende doch das Richtige tut, darauf sollte sich niemand mehr verlassen. Die Gewissheiten der Vergangenheit gelten nicht mehr. Das ist die Lehre dieser Sicherheitskonferenz.