Rattenplage in der Stadt: Warum die Ratten-Population wächst
Klimawandel und Urbanisierung:Studie: Gründe für steigende Zahl von Ratten
von Clara Ebeling, New York
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Wo Menschen sind, fühlen sich Ratten wohl. Die Zahl der unbeliebten Nager steigt in Städten weltweit. Das liegt vor allem an zwei Gründen, zeigt eine US-amerikanische Studie.
In Großstädten wie New York City steigt die Zahl der Ratten.
Quelle: AP
In großen Städten wimmelt es nur so von ihnen: Ratten. Ein Forschungsteam der Universität Richmond analysierte öffentliche Beschwerden und Daten über Ratten, die über rund zwölf Jahre in 16 Städten in und außerhalb den USA erhoben wurden.
In elf der Städte stieg die Zahl der Ratten an, unter anderem in New York, Washington D.C. und Amsterdam. Nur drei verzeichneten einen Rückgang: New Orleans, Louisville und Tokyo. Woran das liegt und wie man Ratten im Zaum hält, erläutert eine Recherche im Fachmagazin "Science Advances".
Städte: Schlaraffenland für Ratten
Der Recherche nach wachsen Rattenpopulationen besonders dort, wo sich viele Menschen auf engem Raum ballen, also in Städten. Hier sorgen die vielen Einwohner*innen für reichlich Lebensmittelabfälle – ein wahres Buffet für Ratten.
Dazu bieten Städte den Nagetieren genügend Verstecke und Schutz – ob in U-Bahnhöfen oder Kellern. Es sind ideale Lebensräume für Ratten.
In der schwedischen Stadt Malmö sind die Ratten los.08.04.2024 | 1:51 min
Wärmere Städte sind ideal für Ratten
In Städten gibt es oft wenig Vegetation, da Beton und Asphalt den Raum oft dominieren. Durch zu wenig Grünflächen kann sich der sogenannte städtische Wärmeinseleffekt verstärken. Hiermit ist gemeint, dass dichte Bebauung, wenig Grünflächen und Wärmequellen wie Autos und Klimaanlagen Städte zusätzlich aufheizen, also die Temperaturen steigen lassen.
Werden die wärmeren Phasen bedingt durch den Klimawandel länger und intensiver, so bleiben auch Ratten länger aktiv. Denn im Winter ist es für die Nagetiere wegen der kalten Temperaturen schwieriger ihre Körpertemperatur zu regulieren, was ihr Überleben erschwert.
In New York beispielsweise wurden in den letzten fünf Jahren in den normalerweise kalten Monaten Februar und März mehr Ratten gezählt als in den Vorjahren, so die Studie. Das zeige, dass Ratten aufgrund der steigenden Temperaturen länger aktiv sind.
Das Ökosystem Stadt ist ein von anthropogenen Einflüssen stark umgeformter Raum, welcher sich vom ländlich geprägten Umland unterscheidet.10.01.2024 | 7:46 min
Ratten verursachen Schäden an städtischer Infrastruktur
Ob sie an elektrischen Kabeln nagen oder Tunnel unter Fundamenten graben – Ratten beschädigen Infrastrukturen. Noch dazu verunreinigen sie Lebensmittelvorräte und übertragen beispielsweise Infektionskrankheiten wie Leptospirose, auch an den Menschen.
Wir sind bei der Rattenbekämpfung noch zu kurzsichtig und wollen sie nur beseitigen, aber das funktioniert langfristig nicht.
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Kaylee Byers, Gesundheitswissenschaftlerin Simon Fraser Universität
Da der Klimawandel international reguliert werden müsse und das Bevölkerungswachstum weiter anhalte, müssten Städte selbst Strategien entwickeln.
Forschende halten Strategien des "integrierten Schädlingsmanagements" für vielversprechender als den oft ineffektiven Einsatz von Rattengift. Dieser Ansatz kombiniere nachhaltige Methoden zur langfristigen Kontrolle von Ratten, ohne die Umwelt oder die Gesundheit von Menschen zu belasten.
In der schwedischen Stadt herrscht eine Rattenplage. Um effizienter dagegen vorgehen zu können, werden nun testweise speziell ausgebildete Jagdhunde eingesetzt.11.01.2024 | 1:58 min
Nachhaltiges Rattenmanagement
Rattenkontrollstationen, die über WLAN oder Bluetooth signalisieren, wenn Ratten erkannt werden, sind beispielsweise eine vielversprechende Innovation in der Schädlingsbekämpfung, so der Biologe Matthew Combs, der Ratten in New York erforscht.
Auch durch gemeinnützige Arbeit, wie das bloße Einsammeln von Früchten, die von Bäumen gefallen sind, entziehe man Ratten ihre Nahrungsquelle. Eine weitere Strategie: In New York soll ab April 2025 chemische Sterilisation eingesetzt werden, um die Fortpflanzung von Ratten zu verhindern.
Forschende sind sich aber einig: Müllentsorgungssysteme mit rattensicheren Containern und die Reduzierung von Lebensmittelabfällen spielen weiterhin eine wichtige Rolle, um Ratten zu kontrollieren.
Wissenschaftlerin Kaylee Byers blickt positiv in die Zukunft:
Städte widmen den wachsenden Rattenpopulationen jetzt schon mehr Aufmerksamkeit und sind sich über die Notwendigkeit von Strategien zum Schädlingsmanagement bewusster.
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Kaylee Byers, Gesundheitswissenschaftlerin Simon Fraser Universität
Sie betont aber auch: "Zur langfristigen Eindämmung sind mehr Daten, finanzielle Mittel und Personal in zuständigen Behörden notwendig."
Spät in der Nacht geht eine Gruppe von Menschen mit ihren Hunden durch die Gassen der US-Hauptstadt. Ihre Mission: Ratten jagen, denn die Stadt ist voll davon.
Mona Rademacher, Washington D.C.
Quelle: dpa
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