USA sprechen mit Russland und Ukraine: Was kann das bringen?
FAQ
Verhandlungen in Riad:Welche Chance steckt in der Pendeldiplomatie?
von Jan Schneider
|
In Riad verhandeln die USA abwechselnd mit Vertretern der Ukraine und Russlands über ein Ende des Krieges. Welches Konzept steckt dahinter und was kann daraus werden?
Vergangene Woche einigten sich die Ukraine und Russland auf eine begrenzte Waffenruhe. Doch die Angriffe gehen weiter. Im saudischen Riad wird nun weiter verhandelt.24.03.2025 | 1:30 min
Seit Montagmorgen um 8 Uhr wird hinter den Türen des "Ritz Carlton"-Hotels in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad über die Beendigung des Kriegs in der Ukraine gesprochen. Dort treffen sich Vertreter der USA und Russlands zu einer Verhandlungsrunde, mit dem ukrainischen Verhandlungsteam haben die US-Vertreter bereits am Sonntag erste Gespräche geführt.
Der US-Sondergesandte für die Ukraine, Keith Kellogg, sprach von einer Art Pendeldiplomatie, mit der die US-Delegation eine Annäherung zwischen den beiden Kriegsparteien erreichen wolle: In einem Raum solle mit den Ukrainern gesprochen werde, in einem anderen mit den Russen.
"Sie sitzen in getrennten Räumen, und man fragt im Wesentlichen: 'Okay, was sind Eure Bedingungen?'. Dann wenden wir uns der anderen Seite zu: 'Was sind Eure Bedingungen?'", beschrieb Kellogg den Prozess in einem Interview mit dem US-Fernsehmoderator Glenn Beck:
Man kann ihre Bedingungen akzeptieren, und dann werden wir sehen, ob wir einen umfassenden Waffenstillstand erreichen können. Das wäre der erste Schritt zur Beendigung dieses Krieges.
„
Keith Kellogg, US-Sondergesandter für die Ukraine
Glenn Beck auf X
Ein Klick für den Datenschutz
Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von X nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von X übertragen. Über den Datenschutz dieses Social Media-Anbieters können Sie sich auf der Seite von X informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.
Die russische Verhandlungsdelegation wird von dem im Föderationsrat sitzenden Außenpolitiker Georgi Karassin und Geheimdienstler Sergej Besseda angeführt. Der 70 Jahre alte Besseda ist Berater des Inlandsgeheimdienstes FSB, war in Krisenzeiten in Kiew tätig und gilt als Vertrauter von Kremlchef Putin. Beim FSB leitete er einst den Fünften Dienst, der für die Spionage und Kontrolle von Ländern der ehemaligen Sowjetunion - besonders der Ukraine - zuständig ist, wie Medien berichteten.
Auf US-Seite führen der Sicherheitsberater von Präsident Donald Trump, Mike Waltz, und der Ukraine-Sondergesandte Keith Kellogg die unterschiedlichen Verhandlungsteams in Saudi-Arabien.
Was ist Pendeldiplomatie?
Als Pendeldiplomatie wird eine Verhandlungstechnik in der internationalen Diplomatie bezeichnet, bei der ein Vermittler zwischen den Konfliktparteien hin- und herreist ("pendelt"), um Verhandlungen zu führen, wenn direkte Gespräche zwischen den Parteien nicht möglich oder nicht erwünscht sind. Der Vermittler - im aktuellen Krieg in der Ukraine sind das die USA - überbringt dabei Botschaften, Vorschläge und Kompromissideen zwischen den Parteien. Der Vermittler sollte dabei idealerweise von allen Parteien als neutral und vertrauenswürdig angesehen werden.
In seiner ursprünglichen Form war die Pendeldiplomatie auch eine Reisediplomatie: Der Vermittler reiste physisch zwischen den Konfliktparteien hin und her. Da sich nun sowohl die Delegation der Ukraine als auch die Russen in Riad aufhalten, ist dieser Aspekt nicht zutreffend. Passender ist der Begriff der "proximity talks", der sich nur schwerlich ins Deutsche übersetzen lässt: Es bezeichnet den diplomatischen Prozess, bei dem ein unparteiischer Vertreter als Vermittler zwischen zwei gegnerischen Parteien fungiert, die bereit sind, an derselben Konferenz teilzunehmen, sich aber nicht persönlich treffen möchten.
Russland und die Ukraine verhandeln getrennt voneinander mit den USA über eine begrenzte Waffenruhe. Einschätzungen von Armin Coerper in Moskau über den aktuelle Stand.24.03.2025 | 1:12 min
Wer hat den Begriff "Pendeldiplomatie" geprägt?
Die Pendeldiplomatie ("Shuttle Diplomacy") wurde in den 1970er Jahren populär, als der damalige US-Außenminister Henry Kissinger zwischen Israel und verschiedenen arabischen Staaten pendelte, um nach dem Jom-Kippur-Krieg von 1973 Friedensverhandlungen zu führen. Kissinger reiste dazu mehrfach zwischen Israel, Ägypten und Syrien hin und her, um sogenannte Truppenentflechtungsabkommen auszuhandeln und damit die Kämpfe zu beenden.
Israels Präsident Isaac Herzog würdigte Kissinger dafür, mit seiner Pendeldiplomatie den "Grundstein" für Israels Friedensabkommen mit Ägypten 1979 gelegt zu haben.
Die US-Delegation spricht im Zusammenhang mit den Ukraine-Verhandlungen von "echten Fortschritten", so ZDF-Korrespondentin Heike Slansky. Putin hingegen dämpfe die Erwartungen.24.03.2025 | 1:51 min
Gab es noch mehr erfolgreiche Pendel-Verhandlungen?
US-Präsident Jimmy Carter nutzte die Variante der "proximity talks", indem er den ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat und den israelischen Premierminister Menachem Begin nach Camp David in Maryland einlud und zwischen ihren Quartieren pendelte, um die Verhandlungen voranzutreiben. Dies führte schließlich zum Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten von 1979.
US-Diplomat Richard Holbrooke pendelte 1995 zwischen den kriegführenden Parteien im Bosnienkrieg und führte anschließend Verhandlungen in Dayton, Ohio, die zum Friedensabkommen führten, das den Bosnienkrieg beendete (Dayton-Abkommen).
In Berlin loben Kanzler Scholz und sein Gast, der französische Präsident, die vorsichtigen Schritte Richtung Waffenruhe. Aber eine große Portion Skepsis gegenüber Russland bleibt.18.03.2025 | 2:29 min
In Nordirland leitete der US-Senator George Mitchell die Friedensverhandlungen, die zum Karfreitagsabkommen von 1998 führten. Er pendelte dabei zwischen den verschiedenen nordirischen Parteien sowie den Regierungen Großbritanniens und Irlands.
Bei den Verhandlungen soll es um mögliche Schritte zu einer Waffenruhe gehen. Als erste Maßnahme ist ein Verzicht auf Angriffe gegen Energieanlagen geplant, wobei die Ukraine auch andere Infrastrukturobjekte schützen will. Diese begrenzte Feuerpause war grundsätzlich schon bei einem Telefonat zwischen Kremlchef Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump abgemacht worden, jedoch ohne Details zur Umsetzung. Zuletzt überzogen sich beide Kriegsparteien mit massiven Drohnenangriffen.
Welche Chancen bieten die Gespräche in Riad?
Der Politikwissenschaftler und Militärexperte Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr München dämpfte die Erwartungen an die Gespräche in Riad gegenüber ZDFheute. Es werde wieder über ein Getreideabkommen gesprochen und über technische Aspekte von Angriffen auf See. Eine Bereitschaft zu einer echten Waffenruhe sei auf russischer Seite bisher nicht erkennbar:
Was man sehr deutlich sehen muss: Die Gespräche sind Teil einer größeren russischen Verzögerungsstrategie.
„
Carlo Masala, Universität der Bundeswehr München
Russland wolle erst über ein Ende des Konflikts sprechen, wenn Moskaus Vorbedingungen erfüllt sein, so Masala, und diese könnten von Kiew keinesfalls akzeptiert werden, da sie einer vollständigen Kapitulation gleichkommen würden.
Solche Verhandlungen können nur erfolgreich sein, wenn beide Seiten ein Interesse an der Lösung des Konflikts haben.
„
Carlo Masala, Universität der Bundeswehr München
Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog:
Seit Februar 2022 führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kiew hat eine Gegenoffensive gestartet, die Kämpfe dauern an. News und Hintergründe im Ticker.