Ukraine-Krieg: Ein beunruhigendes Detail und ein Erfolg
Analyse
Krieg in der Ukraine:Erfolg für Kiew, kaum Bewegung an der Front
von Christian Mölling und András Rácz
|
Der Angriff auf einen russischen Luftwaffenstützpunkt verschafft der Ukraine Luft. Am Boden gibt es jedoch kaum Bewegung. Der Drohnenkrieg geht weiter. Von Waffenruhe keine Spur.
Russland hat in der Nacht die ukrainische Hauptstadt Kiew mit Kampfdrohnen angegriffen. Nach Behördenangaben kamen dabei mindestens drei Menschen ums Leben.23.03.2025 | 0:22 min
Am 20. März gelang es der Ukraine, den Luftwaffenstützpunkt Engels in der russischen Region Saratow mit Hilfe von Langstreckendrohnen zu treffen. Mehrere russische Social-Media-Konten dokumentierten große, starke Explosionen nach dem Angriff.
Luftwaffenstützpunkt: wichtige Basis für russische Angriffe
Auf dem Stützpunkt Engels sind einige der strategischen Bomber Russlands stationiert, insbesondere Tu-160- und Tu-95-Bomber, die Langstrecken-Marschflugkörper aus der Luft abfeuern können.
Von Engels aus wurden seit Beginn des Krieges Dutzende von Marschflugkörpern auf die Ukraine abgefeuert. Der Stützpunkt verfügt über große Mengen an Marschflugkörpern und Gleitbomben, die von diesen Bombern eingesetzt werden.
Auch nach dem Telefonat zwischen US-Präsident Trump und dem russischen Präsidenten Putin werfen sich Russland und die Ukraine weiterhin Angriffe auf die Infrastruktur vor.19.03.2025 | 1:33 min
Großteil des Munitionsarsenals offensichtlich zerstört
Aus den nach dem Angriff gewonnenen Satellitenbildern geht hervor, dass genau dieser Munitionslagerbereich des Stützpunkts getroffen wurde. Etwa 67 Prozent der Lagergebäude wurden zerstört, einige wurden beschädigt, während etwa 25 Prozent der Depots unversehrt blieben.
Satellitenbild von Zerstörungen auf dem Luftwaffenstützpunkt Engels, Russland, am 21.03.2025
Quelle: afp/Maxar Technologies
Auch wenn genaue Zahlen schwer zu ermitteln sind, hat dieser Angriff mit Sicherheit die Fähigkeit Russlands, weiterhin Marschflugkörper gegen die Ukraine einzusetzen, nachhaltig beeinträchtigt.
Kursk: Ukrainische Truppen weitgehend zurückgedrängt
Russland hat die ukrainischen Streitkräfte fast vollständig aus der Region Kursk verdrängt. Sporadische Kämpfe finden in der Grenzzone immer noch statt, aber die russischen Streitkräfte haben die Hälfte des Dorfes Gogolewka eingenommen.
Die Autoren der Militäranalyse
Quelle: DGAP
... leitet das Programm "Europas Zukunft" für die Bertelsmann Stiftung in Berlin. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themenkomplexen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement. Für ZDFheute analysiert er regelmäßig die militärischen Entwicklungen im Ukraine-Konflikt.
Quelle: DGAP
... ist Associate Fellow im Programm Sicherheit und Verteidigung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Er forscht und publiziert zu Streitkräften in Osteuropa und Russland und hybrider Kriegsführung.
Zudem haben sie die ukrainischen Truppen an allen Rändern des verbleibenden kleinen Vorsprungs zurückgedrängt, so dass nur noch drei kleine Siedlungen unter ukrainischer Kontrolle sind.
Saporischschja: leichte russische Vorstöße
An der Saporischschja-Front kam es zu einer geringfügigen Eskalation. Nach einer langen, relativ ruhigen Phase rücken die russischen Truppen zwischen Stepove und Maly Schtscherbaky leicht vor.
Trotz Gesprächen mit Trump sei Moskau nicht interessiert an einem Frieden in der Ukraine, so Militäranalyst Hendrik Remmel. Die militärische Lage sei für Putin aussichtsreich. 20.03.2025 | 20:13 min
Russland ist in der Region auch nach Norden entlang des Flusses Mokry Yali, nördlich von Velyka Nowosilka, vorgerückt. Wenn der Angriff auf diesem Weg fortgesetzt wird, deutet dies darauf hin, dass Russlands erste Priorität darin besteht, so viel wie möglich von der Region Donezk im Osten der Ukraine einzunehmen, bevor es in die nahe gelegene Region Dnipropetrowsk eindringt, wofür es nach Westen vorrücken müsste.
Pokrowsk: wenig Bewegungsfreiheit für russische Kräfte
Russische Truppen sind auch südlich von Pokrowsk, westlich von Sribne und nördlich von Preobraschenka vorgerückt, können sich aber aufgrund des starken ukrainischen Widerstands nur sehr langsam bewegen.
Wie geht es den Menschen in der Ukraine? Inwieweit stehen sie noch hinter der Politik ihres Präsidenten Wolodymyr Selenskyj?21.03.2025 | 1:46 min
Unmittelbar südlich von Pokrowsk halten ukrainische Truppen ihre Stellung und halten auch den russischen Vorposten südlich der Stadt in Schach.
Inmitten der Ruinen von Toretsk scheinen die russischen Truppen wieder die Initiative ergriffen und einen erfolgreichen Angriff auf den nördlichen Teil der Stadt gestartet zu haben. Der ukrainische Vormarsch der letzten Wochen scheint zum Stillstand gekommen zu sein.
Russische Angriffe trotz Absprachen vorgesetzt
Trotz der vagen Versprechungen Putins gegenüber Trump über einen möglichen teilweisen Waffenstillstand, der die Luftangriffe auf die Energieversorgung und die zivile Infrastruktur im Hinterland aussetzen würde, bombardierte Russland weiterhin ukrainische Städte.
Am 20. März wurde die Stadt Kropywnyzkyj im Regio Kirowohrad getroffen, wobei elf Zivilisten verletzt wurden. Einen Tag später, am 21. März, wurde Odessa Opfer eines schweren Drohnenangriffs.
Mitte März hat US-Präsident Trump mit dem russischen Präsidenten Putin telefoniert, um ein Ende des Krieges mit ihm auszuhandeln. Die Ergebnisse bleiben dahinter zurück.19.03.2025 | 2:26 min
Ein beunruhigendes Detail ist, dass der Angriff mit dem Besuch des tschechischen Präsidenten Petr Pavel in der Stadt im Rahmen seiner Reise in die Ukraine zusammenfiel. Pavels Konvoi verließ Odessa etwa 20 Minuten vor dem Beginn der Drohnenangriffe auf die Stadt.
Die Ukraine setzte auch ihre Drohnenangriffe gegen Russland fort. Der bemerkenswerteste Treffer in dieser Woche war der Ölverarbeitungs- und Umschlagplatz Naftatrans in der Region Krasnodar, genannt "Kawkasskaja".
Die Anlage wurde zuerst in der Nacht des 19. März getroffen, und die darauffolgenden Brände wüteten weiter. In der Nacht zum 21. März wurde eine weitere Reihe von Explosionen dokumentiert.
Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog:
Seit Februar 2022 führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kiew hat eine Gegenoffensive gestartet, die Kämpfe dauern an. News und Hintergründe im Ticker.