Debatte bei "Lanz": Bereitet Russland Angriff auf Nato vor?
Debatte bei "Lanz":Bereitet Russland Angriff auf Nato vor?
von Pierre Winkler
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Ein möglicher russischer Angriff beschäftigt die Nato ganz konkret, berichtet Militärexpertin Florence Gaub. Derweil wird die Lage in der Ukraine immer dramatischer.
Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 20. Februar 2024.20.02.2024 | 76:16 min
Wie gut ist die Bundeswehr auf russische Aggression vorbereitet? Kanzler Olaf Scholz will auch vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine das Zwei-Prozent-Ziel der Nato in Zukunft aus dem regulären Bundeshaushalt stemmen.
Doch dabei gehe es lange nicht nur ums Geld, sagte die Sicherheitsexpertin Florence Gaub am Dienstagabend bei Markus Lanz.
Es geht für Deutschland, es geht für die Nato, es geht für alle Europäer, und auch ein Stück weit die Nordamerikaner darum, dass Russland eine Bedrohung ist. Auch für uns.
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Florence Gaub, Militärexpertin
Dieses Gefühl sei auf der gerade zu Ende gegangenen Münchner Sicherheitskonferenz "sehr, sehr dominant" gewesen. Wenn sich die Nato jetzt organisiere, schicke das ein abschreckendes Signal an Russland. Allerdings sagte Gaub auch:
Wenn heute Russland angreift, haben wir ein Problem.
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Florence Gaub, Militärexpertin
Dabei skizzierte sie ein mögliches Szenario, wie Russland die Bereitschaft der Nato testen würde.
Dabei könnte Russland etwa "eine Rakete auf einen deutschen Acker" werfen und dann beobachten: "Was sagen denn die anderen Alliierten dazu?"
Was ist Russlands Kalkül?
Das russische Kalkül laut Gaub, die als Forschungsdirektorin an der Nato-Militärakademie in Rom arbeitet: "Da müssen nicht mal viele Leute sterben, aber es muss für uns klar sein: Das war ein Angriff. Und dann sagen vielleicht die anderen Alliierten, zum Beispiel die Amerikaner: 'Nein, das war kein Bündnisfall und ihr könnt das jetzt alleine auslöffeln.'"
Artikel 5 des Nato-Vertrags über den Bündnisfall sei nämlich so geschrieben, dass jeder selbst interpretieren könne, was mit einem "Angriff" gemeint sei, der alle anderen Nato-Staaten zum Eingreifen zwingen würde.
Militärexpertin: Russland verletzt immer wieder deutschen Luftraum
Russland teste bereits "regelmäßig und schon seit längerer Zeit" in der Luft, wie weit es bei Deutschland gehen könne, fuhr Gaub fort. Immer wieder verletzten russische Jets kurz den deutschen Luftraum. "Immer so ein bisschen, so ein kleiner Pieks um zu gucken, wie schnell reagieren wir darauf", sagte sie.
Beim Krieg in der Ukraine war Russland zuletzt mit der Eroberung der strategisch wichtigen Stadt Awdijiwka ein Erfolg gelungen. Diese Niederlage und die immer schlechtere militärische Versorgung machten der Moral auf ukrainischer Seite zu schaffen, berichtete die ZDF-Korrespondentin Katrin Eigendorf aus Kiew.
Es gebe mittlerweile einen ganz offenen Machtkampf zwischen Teilen der Opposition und Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Was ich hier sehe, ist, dass das Vertrauen und die Beliebtheit von Selenskyj doch nachgelassen hat.
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Katrin Eigendorf, ZDF-Korrespondentin
Ist Ukraine bereit, Gebiete abzutreten?
"Hinter vorgehaltenen Händen" werde inzwischen über Fragen diskutiert, die lange ein Tabu gewesen seien: "Kann man denn zu einer Lösung kommen, indem man Russland Gebiete abtritt? Welche Gebiete wären abtretbar und welche Sicherheitsgarantien brauchen wir dafür?"
Eigendorfs Einschätzung:
Ich sehe nicht, dass die Ukraine so überzeugt davon ist, diesen Krieg so bald gewinnen zu können. Ich sehe ehrlich gesagt auch keine Anzeichen am Boden dafür, dass das passiert.
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Katrin Eigendorf, ZDF-Korrespondentin
Militärexpertin Gaub wandte ein: "Ein militärischer Sieg ist immer eine Skala." Wenn die Ukraine Gebiete aus eigener Souveränität heraus abtrete, könne das am Ende immer noch ein Sieg sein. "Achtung mit dieser Verengung des Sieg-Begriffs, weil dadurch macht man es sich nicht einfacher", sagte sie.
Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog:
Seit Februar 2022 führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kiew hat eine Gegenoffensive gestartet, die Kämpfe dauern an. News und Hintergründe im Ticker.
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