Italien vor der Europawahl: Kein Rückhalt für Von der Leyen?
Rechtspopulisten in Rom :Reizthema EU: Italiens Rechte uneins
von Andreas Postel und Jonas Grethel, Rom
|
Soll Ursula von der Leyen auch künftig die EU-Kommission anführen? Diese Frage spaltet Italiens rechte Regierung. Darum geht es.
Matteo Salvini, Giorgia Meloni und Antonio Tajani legen Wert auf eine harmonische Regierungskoalition in Italien. Aber auf europäischer Ebene konkurrieren die Parteien.
Quelle: epa
Giorgia Meloni, Matteo Salvini und Antonio Tajani bilden seit Herbst 2022 das Spitzen-Trio der italienischen Rechten und betonen bei jeder Gelegenheit, wie sehr sie als Regierungskoalition harmonieren. "Wir stehen zusammen. Zusammen regieren wir diese Nation, und wir machen das gut, weil unsere grundlegenden Visionen kompatibel sind", so Ministerpräsidentin Meloni. Im Europawahlkampf ist von der heimischen Harmonie allerdings deutlich weniger zu spüren.
Wie weit rechts die italienische Regierung von Giorgia Meloni steht, zeigt sich vor allem in der Familienpolitik.19.01.2024 | 2:12 min
Italiens Parteien: Von bürgerlich bis rechtsextrem
Im EU-Parlament sind die italienischen Koalitionspartner allesamt in unterschiedlichen Fraktionen vertreten: Melonis kleinster Juniorpartner, Forza Italia, sitzt unter anderem zusammen mit der deutschen CDU in der bürgerlich-konservativen Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP), Salvinis Lega ist Teil der rechtspopulistischen bis rechtsextremen Fraktion Identität und Demokratie (ID), der auch die AfD angehört. Und Meloni selbst ist Vorsitzende der Europäischen Konservativen und Reformern (EKR), die ideologisch irgendwo zwischen EVP und ID anzusiedeln ist.
Wo auf nationaler Ebene also gerne die Gemeinsamkeiten unterstrichen werden, sind auf der europäischen Bühne auf einmal die Unterschiede gewaltig. Koaliert wird hier nicht - weder jetzt, noch nach den kommenden Europawahlen Anfang Juni. Dafür sorgt vor allem die Volkspartei, die ein Bündnis mit der ID-Fraktion kategorisch ausschließt. Eine Gratwanderung besonders für EVP-Mitglied Forza Italia, das vom ehemaligen Präsidenten des Europäischen Parlaments, Antonio Tajani, angeführt wird. Der arbeitet zu Hause erfolgreich mit den Populisten der Lega zusammen, muss sich in Europa aber stark von ihnen abgrenzen.
EU-Kommission ist "desaströs"
"Es ist nicht möglich, ein Bündnis mit der ID zu schließen", sagte Tajani deshalb im vergangenen Jahr pflichtgemäß - versuchte aber, schnell wieder den eigenen Koalitionspartner mit ins Boot zu holen:
In Italien sind wir Verbündete. Wir arbeiten gut mit der Lega zusammen und sind in einer soliden Koalition.
„
Antonio Tajani, Forza Italia
Aber auch die grenzt sich trotz nationaler Zusammenarbeit mit der ehemaligen Berlusconi-Partei stark von den Konservativen in Europa ab: Die Kommission um Präsidentin Ursula von der Leyen sei "desaströs", sagte Matteo Salvini jüngst, das "Europa der letzten Jahre eine Katastrophe". Für eine zweite Amtszeit der CDU-Politikerin würde er persönlich nicht stimmen, so der russlandfreundliche Rechtspopulist.
Ganz anders Ministerpräsidentin Giorgia Meloni: Deren Fratelli d’Italia gelten im eigenen Land zwar als Kraft der extremen Rechten mit postfaschistischen Wurzeln, präsentieren sich in Brüssel aber als gemäßigte Pro-Europäer und überzeugte Transatlantiker und buhlen schon lange um die Gunst der Konservativen um von der Leyen. Und das mit Erfolg: Die Kommissionspräsidentin hat sich in den vergangenen Monaten mit Meloni genauso herzlich und geschlossen gezeigt wie EVP-Präsident Manfred Weber, der seinen Wunsch nach verstärkter Kooperation jüngst erst wiederholt hat.
Nach dem Tod von Alexej Nawalny stellt sich Regierungschefin Meloni klar gegen Staatspräsident Putin. Bei ihrem Regierungspartner, der Lega, ist das anders.21.02.2024 | 2:17 min
Die Fratelli können mit 30 Sitzen im Europaparlament rechnen
Eine formelle EVP-Mitgliedschaft der Fratelli sei laut Weber zwar kein Thema - dennoch scheinen sich beide Seiten immer mehr anzunähern. Ursula von der Leyen wohl auch mit einem konkreten Interesse, so der Leiter des italienischen Auslandsbüros der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung:
Ursula von der Leyen will sich nach der nächsten Europawahl als Kommissionspräsidentin wiederwählen lassen und braucht dafür die Mehrheit im Europäischen Parlament.
„
Nino Galetti, Konrad-Adenauer-Stiftung
Daraus schlussfolgert Galetti: "Da ist es mehrheitspolitisch natürlich interessant, sich eine Formation etwas genauer anzuschauen, die im Juni voraussichtlich mit 30 Abgeordneten ins Parlament einziehen wird."
Dazu käme, dass Meloni in den vergangenen anderthalb Jahren an der Macht bewiesen habe, dass sie politisch zwar deutlich rechts der Mitte stehe, ihre Politik aber trotz der Wurzeln ihrer Partei nicht rechtsextrem sei. "Da gibt es also eine gewisse Anschlussfähigkeit", so Galetti.
Eins ist aber sicher: Zusammengenommen wird der Einfluss der Koalition Melonis im neuen EU-Parlament und damit auch auf die Bildung der neuen Kommission erheblich sein. Eine Unterstützung für Ursula von der Leyen ist dabei nicht ausgemacht.
Hitler-Flugblätter im jüdischen Viertel und "römischer Gruß" in Rom: Italiens extreme Rechte sorgt in letzter Zeit verstärkt für Schlagzeilen. Ermutigt die Regierung sie?
Um dir eine optimale Website der ZDFmediathek, ZDFheute und ZDFtivi präsentieren zu können, setzen wir Cookies und vergleichbare Techniken ein. Einige der eingesetzten Techniken sind unbedingt erforderlich für unser Angebot. Mit deiner Zustimmung dürfen wir und unsere Dienstleister darüber hinaus Informationen auf deinem Gerät speichern und/oder abrufen. Dabei geben wir deine Daten ohne deine Einwilligung nicht an Dritte weiter, die nicht unsere direkten Dienstleister sind. Wir verwenden deine Daten auch nicht zu kommerziellen Zwecken.
Zustimmungspflichtige Datenverarbeitung • Personalisierung: Die Speicherung von bestimmten Interaktionen ermöglicht uns, dein Erlebnis im Angebot des ZDF an dich anzupassen und Personalisierungsfunktionen anzubieten. Dabei personalisieren wir ausschließlich auf Basis deiner Nutzung der ZDFmediathek, der ZDFheute und ZDFtivi. Daten von Dritten werden von uns nicht verwendet. • Social Media und externe Drittsysteme: Wir nutzen Social-Media-Tools und Dienste von anderen Anbietern. Unter anderem um das Teilen von Inhalten zu ermöglichen.
Du kannst entscheiden, für welche Zwecke wir deine Daten speichern und verarbeiten dürfen. Dies betrifft nur dein aktuell genutztes Gerät. Mit "Zustimmen" erklärst du deine Zustimmung zu unserer Datenverarbeitung, für die wir deine Einwilligung benötigen. Oder du legst unter "Einstellungen/Ablehnen" fest, welchen Zwecken du deine Zustimmung gibst und welchen nicht. Deine Datenschutzeinstellungen kannst du jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in deinen Einstellungen widerrufen oder ändern.