Ukraine: Sicherheitsexpertin nennt Gipfel "ermutigend"

    Interview

    Sicherheitsexpertin Major:Ergebnis von Ukraine-Gipfel "ermutigend"

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    Nach dem Washington-Eklat haben die Europäer Kiew ihre Hilfe zugesichert. Sicherheitsexpertin Major nennt das Gipfel-Ergebnis "ermutigend". Europa habe seine neue Rolle verstanden.

    Claudia Major | Sicherheitsexpertin Stiftung Wissenschaft und Politik
    Das transatlantische Verhältnis habe sich "grundlegend verändert." Damit müssen "Europäer und Ukrainer gemeinsam umgehen", so Claudia Major, Sicherheitsexpertin der Stiftung Wissenschaft und Politik.03.03.2025 | 5:12 min
    Europa bemüht sich um eine Antwort auf den Ukraine-Eklat im Weißen Haus. Großbritannien und Frankreich kündigten auf einem Sondergipfel in London an, einen Plan für eine Waffenruhe in der Ukraine auszuarbeiten. Claudia Major, Sicherheitsexpertin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, bezeichnete das Ergebnis des Gipfels im ZDF-"Morgenmagazin" als ermutigend.
    Sehen Sie oben das ganze Interview mit Claudia Major im Video und lesen Sie es hier in Auszügen:

    Wie ist der Ukraine-Gipfel zu bewerten?

    "Ich finde das Ergebnis sehr ermutigend", betonte Major. Es zeige, dass die Europäer verstanden hätten, dass der erste Schritt zur Absicherung der Ukraine von ihnen kommen müsse. "Und erst danach die Amerikaner bereit sein werden, mit ins Boot zu kommen." Deswegen sei es gut gewesen, britisch-französische Führung zu sehen, mit klaren Vorschlägen "über einen möglichen Waffenstillstand, für eine mögliche Beteiligung", sagt die Sicherheitsexpertin.

    Das war ein sehr gutes Signal.

    Claudia Major

    In welcher Position befindet sich die Ukraine jetzt?

    Die Ukraine habe wahrscheinlich gemerkt, dass es die europäischen Verbündeten sind, "auf die sie in Zukunft zählen" könne, sagte Major. "Und wir Europäer haben zusammen mit der Ukraine gemerkt, dass sich das transatlantische Verhältnis grundlegend verändert hat."
    Oleksii Makeiev | Botschafter Ukraine
    "Wir brauchen Donald Trump und die Vereinigten Staaten als Verbündeten und nicht als Vermittler", sagt der ukrainische Botschafter in Deutschland Oleksii Makeiev.03.03.2025 | 6:15 min
    Das, was sich am Freitag im Oval Office in Washington abgespielt habe, habe sich schon zuvor angedeutet, etwa in der Rede von US-Vizepräsident JD Vance bei der Münchner Sicherheitskonferenz, wo er gesagt habe, die Europäer seien ein "ideologischer Gegner". Auch dass US-Präsident Donald Trump mit Kremlchef Wladimir Putin telefoniert und angefangen habe, über die Ukraine ohne russische Zugeständnisse zu verhandeln, über die Köpfe der Ukraine hinweg. "Wir sehen auch gerade einen Reset der russisch-amerikanischen Beziehungen."

    Wir haben eine grundsätzlich andere transatlantische Beziehung und damit müssen die Europäer und Ukrainer gemeinsam umgehen.

    Claudia Major

    Die USA wollen laut Major eine antagonistische Politik zu Europa betreiben.

    Die USA sind nicht mehr die Schutzmacht, sie werden eher zu einem Risiko für Europa.

    Claudia Major

    Die Vereinigten Staaten seien nicht mehr im Lager der demokratischen Staaten, sondern "gehen immer mehr in das autoritäre Lager über". Sie würden immer mehr zu einer Großmacht, verhandelt werde zwischen Russland und den USA. Die Ukrainer und Europäer seien "Verhandlungsmasse". "Wir müssen uns, glaube ich, klarmachen, dass das die langfristige Aufstellung der USA ist", sagte Major.
    Johann Wadephul  CDU | stellvertretender Vorsitzender Unionsfraktion
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    Der London-Gipfel sei sehr wichtig gewesen, weil die Europäer klar gemacht hätten: "Unser Interesse ist eine gesicherte Ukraine, nicht nur für die Ukrainer, sondern für uns und Europa selber." Denn die russischen Ziele und Forderungen gehen laut Major weit über die Ukraine hinaus und zielen darauf ab, "Europa neu zu ordnen und Europa zu dominieren".

    Was würde der Wegfall der US-Unterstützung Kiew bedeuten?

    Wenn die US-Hilfe so weiterlaufe, wie sie bisher geplant war, halte sie noch etwa bis Mitte des Jahres, sagte die Sicherheitsexpertin. Einiges könnten die Europäer ersetzen, wie etwa Munition. Außerdem sei die ukrainische Rüstungsindustrie mittlerweile in der Lage, mehr und mehr ihre Armee selber auszustatten. Allerdings gebe es zentrale Punkte wie Aufklärung, Geheimdienstinformationen oder die Kommunikation über Starlink. Vor allem gebe es die Flug- und Raketenabwehr zum Schutz der ukrainischen Städte und militärischen Einrichtungen. Diese sei nur schwer zu ersetzen.

    Da müssen die Europäer sich überlegen, wie sie langfristig diese Lücken schließen können.  

    Claudia Major

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    Worauf kommt es für die Europäer jetzt an?

    Sicherheitsexpertin Major sieht die erste Aufgabe darin, die Ukraine militärisch, wirtschaftlich und politisch so zu stärken, dass sie keinen Kapitulationsfrieden akzeptieren muss. Zweitens müssten die Europäer ihre eigene Verteidigungsfähigkeit stärken. Der dritte Punkt sei, dass die Europäer einen Plan entwickeln, wie sie diesen Krieg beenden wollen. Für die Europäer gehe es auch darum zu überlegen, wie man sich langfristig gegenüber den USA aufstellen wolle.
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    Quelle: ZDF

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