UN-Klima-Zwischenkonferenz: In Bonn geht es um Billionen
UN-Klima-Zwischenkonferenz:Klimaschutz: In Bonn geht es um Billionen
von Elisa Miebach
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Jedes Jahr trifft sich die Welt in Bonn fast unbeachtet, um übers Klima zu verhandeln. Warum die Zwischenkonferenz des UN-Klimasekretariats dieses Mal besonders wichtig wird.
Wer bezahlt den Klimaschutz? Diese Frage wird die nächste Weltklimakonferenz im November in Aserbaidschan begleiten. Die Vorbereitungen auf das Treffen sind heute in Bonn gestartet.03.06.2024 | 1:37 min
Alle Länder der Vereinten Nationen versammeln sich am Rhein. Zwei Wochen lang wird ab dem heutigen Montag im UN-Klimasekretariat in Bonn verhandelt. Das Ziel: die Weltklimakonferenz (COP29) in Baku Ende des Jahres zum Erfolg zu führen.
Die Herausforderungen sind gewaltig, auch weil seit 15 Jahren zum ersten Mal einer der sensibelsten Bereiche der Klimapolitik grundlegend neu diskutiert wird. 2025 muss ein neues Klimafinanzierungsziel stehen. Das vergangene wurde nur mit Verspätung erreicht.
Bei der nächsten Weltklimakonferenz geht es vor allem um die Finanzierung von Schutzmaßnahmen. Andreas Stamm berichtet von der Bonner Vorbereitungskonferenz.03.06.2024 | 1:36 min
100-Milliarden-Euro-Ziel mit Verspätung erreicht
Es ging um 100 Milliarden US-Dollar jährlich, die die Länder des globalen Nordens dem globalen Süden versprachen. Vor wenigen Tagen bestätigten langwierige Finanz-Analysen, die Marke wurde 2022 erreicht - zwei Jahre später als eigentlich vorgesehen.
Die Verhandlungen zur Klimafinanzierung leiden unter großem Misstrauen.
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Bertha Argueta, Referentin für Klimafinanzierung und Entwicklung bei Germanwatch
Dafür seien vor allem in der Vergangenheit nicht oder nur teilweise erfüllte Verpflichtungen der Industriestaaten verantwortlich, so Argueta. Mit den nun erstmals erreichten 100 Milliarden US-Dollar jährlich an Klimafinanzierung sei aber ein erster wichtiger Schritt zum Wiederaufbau des Vertrauens getan.
Klimafinanzierung: Mindestens eine Billion wird gebraucht
Doch die 100 Milliarden Dollar scheinen gering, wenn sie mit dem Bedarf verglichen werden, der besteht. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt, dass jährlich im globalen Süden mindestens eine Billion, also zehn Mal so viel, benötigt wird. Dieser Wert liegt noch am unteren Ende der Schätzungen weltweit.
Es ist Geld, das die weltweite Energiewende vorantreiben soll. Der Internationale Wirtschaftsfonds (IWF) zeigt aber in einer neuen Studie, dass aktuell sieben Mal so viel, also sieben Billionen US-Dollar, stattdessen direkt und indirekt in fossile Subventionen fließen.
Auf den niederländischen Antillen steigt der Meeresspiegel mit dem Klimawandel immer weiter an. Besonders bedroht ist die Insel Bonaire. Mangroven sollen nun helfen, indem sie den Sand zusammenhalten und die Wellen brechen.10.05.2023 | 2:13 min
Nicht nur Geld für die Verringerung der Treibhausgase benötigt
Dabei wurde auf der vergangenen Klimakonferenz eine Abkehr von allen fossilen Energien beschlossen. Die Klimakonferenz in Dubai 2023 schrieb fest, die Erneuerbaren Energien weltweit zu verdreifachen.
Doch mit dem fortschreitenden Klimawandel werden nicht nur Gelder für die Verringerung der Treibhausemissionen gebraucht. Auch die Folgen extremer Dürren, Hitzewellen, Starkregen-Ereignisse, Stürme und des steigenden Meeresspiegels müssen bewältigt werden. Die Landwirtschaft weltweit versucht sich anzupassen, Gebäude brauchen mehr Schutz und auf manchen Inseln müssen gesamte Dörfer umgesiedelt werden.
Prognose: Der Meeresspiegelanstieg in Zukunft
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Um das alles zu finanzieren, soll auch Geld aus der Privatwirtschaft mobilisiert werden. Diskutiert wird unter anderem eine Steuer auf die internationale Schifffahrt. Außerdem sollen Investitionen, etwa in einen Solarpark im globalen Süden, für private Investoren attraktiver werden. Bisher ist eine Solaranlage zum Beispiel auf dem afrikanischen Kontinent laut OECD bis zu sieben Mal teurer als in Europa, hauptsächlich, weil die Zinsen für Kredite viel höher sind.
Doch die Länder der Welt haben sich schon lange darauf verständigt, dass auch direktes Geld der Industriestaaten gebraucht wird. Diese hätten schließlich historisch am meisten zu den Treibhausgasemissionen beigetragen - und von der Ausbeutung von Kohle, Öl und Gas wirtschaftlich am meisten profitiert. Jetzt werden die grundlegenden Fragen neu diskutiert: Wer zahlt wie viel, wie wird das Geld verteilt und welche Mittel zählen nach welchen Kriterien wirklich zur Klimafinanzierung.
Verhandlungen in Bonn in diesem Jahr besonders wichtig
"Die Zeit drängt. Die Länder können nicht alle offenen Fragen bis zum Weltklimagipfel unbeantwortet lassen. In Bonn müssen sie sich annähern und mögliche Zielkorridore aufzeigen", sagt Klimafinanz-Expertin Argueta.
Um den Einfluss der verschiedenen Gastgeberländer etwas gleichmäßiger zu verteilen, wird die Klimakonferenz jedes Jahr in einer anderen Weltregion ausgetragen. Dieses Jahr sind die Länder der vorherigen Sowjetunion an der Reihe. EU-Länder als Austragungsort waren für Russland keine Option, Russland und Belarus wiederum für die EU-Länder nicht. Gegen den Bewerber Aserbaidschan gab es kein Veto.
Quelle: Elisa Miebach
Doch der kommende Gastgeber, das autoritäre Aserbaidschan, macht wenig Hoffnung auf eine ambitionierte Klimakonferenz im November. "Es gibt große Erwartungen, aber ich bezweifle, dass Aserbaidschan diese Erwartungen erfüllen und Länder wirklich zur Verantwortung ziehen wird", sagt etwa die international tätige aserbaidschanische Journalistin Arzu Geybulla. Damit sich die Länder in Baku trotzdem auf ein Ziel einigen, sind die Vor-Verhandlungen in Bonn umso wichtiger.
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