In den 1930er-Jahren flohen prominente deutsche Forscher in die USA. In einem Gastbeitrag fordern Wissenschaftler nun ein Aufnahmeprogramm für unter Trump leidende US-Kollegen.
Das Meitner-Einstein-Programm soll bedrohten US-Wissenschaftlern eine neue akademische Heimat bieten, so Prof. Cornelia Woll von der Hertie-School in Berlin.02.04.2025 | 3:41 min
Führende deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben dazu aufgerufen, gezielt um Forscherinnen und Forscher aus den USA zu werben, die dort unter der Regierungspolitik von Präsident Donald Trump leiden. Unter dem Motto "Hundert kluge Köpfe für Deutschland" solle ein Anwerbeprogramm Spitzenpersonal anlocken und so den Wissenschaftsstandort und die Innovationskraft in Deutschland stärken, fordern sie in einem Gastbeitrag für "Spiegel Online".
Beteiligt sind auf deutscher Seite die Wirtschaftswissenschaftlerinnen Nicola Fuchs-Schündeln, Ulrike Malmendier und Monika Schnitzer, IfW-Präsident Moritz Schularick, die Wirtschaftswissenschaftler Achim Truger und Georg von Weizsäcker, der Publizist Martin Werding und die Politikwissenschaftlerin Cornelia Woll.
Die neue US-Regierung geht verstärkt gegen Wissenschaftler in missliebigen Forschungsfeldern vor. Gelder werden gestrichen, besondere Regeln für "sensible" Themen aufgestellt.23.03.2025 | 2:47 min
Angelehnt an Flucht von Meitner und Einstein
Sie schlagen ein "Meitner-Einstein-Programm" vor, um unter dem Dach der Deutschen Forschungsgemeinschaft und finanziert vom Bundesforschungsministerium bis zu 100 Professuren einzurichten. Der Name des Programms erinnert an Lise Meitner und Albert Einstein.
Sie flohen in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts angesichts des Aufstiegs und dann der Machtübernahme der Nationalsozialisten von Deutschland aus ins Ausland und setzten danach in den USA und anderen Ländern ihre wissenschaftliche Arbeit fort. Das Exil von Meitner und Einstein sei symbolhaft für eine Erfahrung, die prägend und tragisch für die deutsche Wissenschaftslandschaft ist:
Durch Intoleranz, Repression und Vertreibung verlor Deutschland viele seiner klügsten Köpfe.
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Gastbeitrag der Wissenschaftler
Seither siedelte sich stets ein hoher Anteil der weltbesten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den USA an, angelockt von dortigen Netzwerken, hohem Prestige, dem Versprechen auf wissenschaftliche Freiheit und großzügige Forschungsmittel.
Die Trump-Administration greift massiv in die US-Wissenschaft ein, kürzt Mittel und beeinflusst Forschungsergebnisse. Was bedeutet das für die Zukunft der Forschung, und was für Europa?16.03.2025 | 4:35 min
Trump droht Unis mit Entzug von Fördermitteln
"Nun bekommt das Bild der US-amerikanischen Wissenschaftslandschaft Risse, da die Trump-Regierung Studierenden mit Ausweisungen droht, viele Finanzmittel sperrt und inhaltliche Prioritäten diktiert", heißt es weiter. Universitäten würden mit der Drohung des Entzugs von Fördermitteln unter Druck gesetzt. Dies alles sei "ein enormes Risiko für alle Länder der Welt", weil so "eine der weltweit wichtigsten Quellen von Innovation" beschnitten werde.
Die Entwicklungen in den USA bedeuteten zugleich jedoch auch "eine Chance für Deutschland und Europa" heißt es weiter. Deutschland könne "von den Ideen neu gewonnener Spitzenkräfte enorm profitieren".
Wir können den Braindrain umkehren und dadurch nicht nur unsere eigene Innovations- und Forschungskraft stärken, sondern auch den weltweiten Verlust an Wissensfortschritt abfedern.
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Gastbeitrag der Wissenschaftler
Dies sei jedoch kein Selbstläufer, da die betroffenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst über gute Netzwerke verfügten und in der Regel sehr gut bezahlt würden, warnen die Autorinnen und Autoren des Beitrags. "Wir müssen uns strecken und großzügige sowie zielgenaue Pläne erstellen, um Professorinnen und Professoren sowie jüngere Forschende aus den USA anzuwerben", fordern sie daher.
US-Präsident Donald Trump hat die Auflösung des Bildungsministeriums angeordnet. Eigentlich ist das nur dem Kongress möglich. Kritiker kündigen rechtliche Schritte an.20.03.2025 | 0:20 min
Zukunftsträchtige Forschungsfelder wie KI
Das "Meitner-Einstein-Programm" soll sich demnach an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler richten, deren Arbeit in den USA nicht oder nur eingeschränkt fortgeführt werden kann. Zugleich sollte ein Schwerpunkt auf strategischen Zukunftsfeldern liegen, in denen der Innovationsbedarf in Deutschland besonders groß sei.
Genannt werden Künstliche Intelligenz und Robotik, klima- und gesundheitsrelevante Forschungsgebiete sowie andere Bereiche der MINT-Fächer. Vor allem solle die Entscheidung über eine Programmteilnahme aber auf Grundlage wissenschaftlicher Exzellenz erfolgen.
Die amerikanische Wissenschaftspolitik, so dramatisch sie sich für die USA gestaltet, bietet für Deutschland und Europa die Chance, die eigene Forschungslandschaft dynamischer zu gestalten. Nutzen wir sie, zum Wohle der Wissenschaft.
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