Nach Missbrauchsvorwürfen: Depardieu sagt vor Gericht aus

    Nach Missbrauchsvorwürfen:Depardieu sagt erstmals vor Gericht aus

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    An seinem ersten Tag vor Gericht gesteht Gérard Depardieu, eine Mitarbeiterin an der Hüfte berührt zu haben. Einen sexuellen Übergriff bestreitet er weiter.

    Der französische Schauspieler Gérard Depardieu während seines Prozesses vor einem Pariser Strafgericht
    Nach monatelanger Verzögerung, sagt Gérard Depardieu nun zum ersten Mal vor Gericht aus.
    Quelle: action press

    Der französische Schauspielstar Gérard Depardieu hat in seinem ersten MeToo-Prozess den Gebrauch vulgärer Ausdrücke und das Anfassen einer Frau an der Hüfte eingeräumt, dabei aber einen sexuellen Charakter bestritten. "Ich wüsste nicht, warum ich Frauen befummeln und ihnen an den Busen oder den Po greifen sollte", sagte der 76-Jährige am Dienstag vor Gericht in Paris.
    Schauspieler Gérard Depardieu vor Gericht
    Zwei Frauen werfen dem französischen Schauspieler sexuelle Übergriffe vor, er bestreitet sie. Jetzt muss sich der 76-Jährige vor Gericht verantworten.24.03.2025 | 2:00 min

    Depardieu bestreitet bösartige Absicht

    Depardieu steht seit Montag in Paris vor Gericht. Zwei Frauen, eine Dekorateurin und eine Regieassistentin, werfen ihm vor, sie 2021 bei den Dreharbeiten zum Film "Les volets verts" (Die grünen Fensterläden) gegen ihren Willen an intimen Stellen angefasst zu haben. Zunächst ging es im Gericht um die Vorwürfe der Dekorateurin.
    "Ich war wütend und es war heiß", gab Depardieu zu. Er habe die Frau angefasst, um nicht von der Kiste zu rutschen, auf der er gesessen habe. Er sei sauer gewesen, weil die Frau ein Gemälde, über das sie sich unterhalten hatten, ein schlechtes Bild genannt habe. Es sei aber keine Geste in böser Absicht gewesen.

    Sie reagierte darauf nicht so, als ob ich über sie hergefallen wäre.

    Gérard Depardieu

    Von den Anschuldigungen habe er erst später im Polizeigewahrsam gehört.
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    Neben dem laufenden Prozess zu sexuellem Missbrauch, wird Depardieu in einem anderen Fall Vergewaltigung vorgeworfen.23.08.2024 | 0:32 min

    Gesundheitlich angeschlagen und gereizt

    Auch während seiner Anhörung saß der Schauspieler auf einer Kiste. Seit mehr als 25 Jahren leidet er an Diabetes sowie an Cruralgie - einer schmerzhaften Nervenreizung im Oberschenkel - und Arthrose in der Lendenwirbelsäule. Zusätzlich musste er sich einer vierfachen Bypass-Operation am Herzen unterziehen. Beim Gehen stützte Depardieu sich im Gericht teils auf seinen Anwalt. Aus Gesundheitsgründen wurde der ursprünglich im Oktober angesetzte Prozesstermin verschoben.
    "Mit 76 Jahren und 130 Kilo - glauben Sie wirklich, dass ich mir so etwas leisten würde?", antwortete Depardieu im Gerichtssaal etwas gereizt.

    Ich fasse niemanden an, weder am Set noch anderswo.

    Gérard Depardieu

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    Im Oktober 2024 hätte der Prozess um Gérard Depardieu beginnen sollen. Wegen gesundheitlichen Problemen wurde er aber verschoben.28.10.2024 | 0:37 min

    Klägerin hatte Angst um ihren Job

    Die damalige Dekorateurin widersprach Depardieus Schilderung. Er habe sie mit seinen Beinen blockiert und an den Hüften umfasst. "Er hält mich fest, er ist sehr stark, er betatscht mich", schilderte die Klägerin. Sie habe noch Depardieus großes Gesicht vor Augen.

    Das Hilfe-Telefon ist unter 0800 22 55 530 montags, mittwochs und freitags von 9 bis 14 Uhr und dienstags und donnerstags von 15 bis 20 Uhr erreichbar. Es berät anonym, kostenfrei, mehrsprachig und in Gebärdensprache. Es kann auch eine Nachricht geschrieben werden.

    Auf die Frage des Richters, warum sie Depardieu erst drei Jahre später angezeigt habe, antwortete die Frau:

    Ich wollte nicht darüber sprechen, ich habe mich erniedrigt gefühlt.

    Dekorateurin, Klägerin im Fall Gérard Depardieu

    Sie habe zudem Angst um ihren Job gehabt. Ihre Anwältin hielt Depardieu anschließend vor, dass er sich selbst widerspreche - während der Ermittlungen hatte er noch bestritten, die Klägerin überhaupt angefasst zu haben.
    "Moi aussi" - MeToo-Debatte in Frankreich
    2024 erzählen beim Filmfestival in Cannes Missbrauchsopfer im Film "Moi aussi" ihre Geschichten – und fordern mehr juristische Aufarbeitung.17.05.2024 | 2:20 min

    Depardieu gibt vulgäre Ausdrücke zu

    Zum Gebrauch vulgärer Ausdrücke sagte der Angeklagte: "Das sage ich ständig, auch zu mir selbst, ist doch lustig."
    Gleichwohl räumte Depardieu ein, dass er mit seinem Verhalten in der Vergangenheit bereits angeeckt habe. "Man hat mir immer gesagt, ich hätte einen russischen Charakter, ich weiß nicht, ob es am Alkohol oder an der Vulgarität liegt", sagte der Schauspieler. Ein sexuelles Raubtier sei er aber nicht.
    Porträtbild von Gerard Depardieu beim 67. Cannes Film Festival 2014. Er lächelt leicht an der Kamera vorbei
    In Frankreich galt Gérard Depardieu jahrzehntelang als unantastbare Schauspiel-Ikone. Doch immer mehr Frauen werfen ihm jetzt sexuelle Belästigung vor.25.03.2025 | 44:33 min

    Depardieu: Etwa 20 Frauen werfen ihm Missbrauch vor

    Depardieus Verteidiger Jérémie Assous fährt seit Beginn des Prozesses schwere Geschütze auf. Er will beweisen, dass die Anschuldigungen "völlig erfunden" seien und auf Lügen basieren. Am Vortag hatte er den Vorwurf erhoben, zahlreiche mögliche Entlastungszeugen seien nicht ausreichend befragt worden.
    Es ist das erste Missbrauchsverfahren gegen den Schauspieler, der jahrzehntelang zu den bekanntesten und beliebtesten Schauspielern Frankreichs zählte. Insgesamt haben etwa 20 Frauen öffentlich Missbrauchsvorwürfe gegen Depardieu erhoben, davon zwei wegen Vergewaltigung.
    In dem jetzigen Prozess drohen der Filmikone bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug und 75.000 Euro Geldstrafe.

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    Quelle: dpa

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    Quelle: Dpa, APF, AP

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