Wasser entsalzen: Ozeane als neue Quelle für Trinkwasser
Wasser entsalzen:Ozeane - die neue Quelle für Trinkwasser
von Christine Elsner
|
Trinkwasser wird weltweit immer knapper. Klimawandel und Bevölkerungswachstum verschärfen das Problem. Ist Entsalzung von Meerwasser die Lösung?
Die größte Entsalzungsanlage für Trinkwasser in Europa ist in Barcelona in Spanien.
Quelle: AP
Zwei Drittel der Erde sind mit Wasser bedeckt, was mehr als genug ist, um die Weltbevölkerung zu versorgen. Doch es ist zu salzig. Laut einer aktuellen Studie der United Nations University for Water, Environment and Health (UNU-INWEH) wird das Anzapfen von Fluss- und Grundwasser sowie das Sammeln von Regenwasser den weltweiten Wasserbedarf nicht mehr decken können.
Sind unsere Seen noch zu retten? Im Osten Deutschlands trocknen sie aus, Baggerseen sind biologisch tot, und in den Alpen droht den Gletscherseen zu viel Wasser. 27.08.2024 | 25:09 min
Entsalzungsanlagen immer gefragter
Schon heute produzieren 22.000 Entsalzungsanlagen in etwa 170 Ländern der Erde Trinkwasser, Süßwasser und Betriebswasser aus Meerwasser. "Jährlich sehen wir in unseren Datenbanken einen stetigen Zuwachs, im Durchschnitt rechnen wir bis 2030 mit jährlich circa 15 Prozent Zuwachs weltweit", sagt Claus Mertes von der Gesellschaft Deutsche MeerwasserEntsalzung (DME). Bei der Anschubfinanzierung einer Anlage beteiligt sich auch Deutschland. "Wichtig ist es hierbei seitens der Entwicklungshilfe auf hohe Qualität und Energieeffizienz zu bestehen", meint Mertes.
Das aus Meerwasser gewonnene Trinkwasser darf einen maximalen Salzgehalt von 0,01 Prozent haben. Bei Süß- und Betriebswasser für die Landwirtschaft und Industrie kann er maximal 0,2 Prozent betragen. Es gilt: Je höher der Salzanteil im Meerwasser, umso aufwändiger und energieintensiver der Produktionsprozess.
Klimawandel, Landwirtschaft und Industrie bedrohen Europas Süßwasservorräte. Wie kann die Versorgung mit sauberem Wasser auch in Zukunft gelingen?05.12.2021 | 28:33 min
Die größten Entsalzungsanlagen in Saudi-Arabien, Israel, VAE und USA
Die zehn größten Entsalzungsanlagen stehen in Saudi-Arabien, Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie den USA. Auch in Südeuropa setzt man auf Meerwasserentsalzung. In Spanien etwa produzieren rund 800 Entsalzungsanlagen täglich Millionen Liter Wasser für Haushalte, Landwirtschaft und Industrie. In Deutschland wird auf Helgoland seit Jahrzehnten zur Trinkwasserversorgung Meerwasser entsalzt.
Derzeit werden weltweit zwei Technologien angewendet:
Bei der Umkehrosmose wird das Meerwasser durch eine Membran gepresst. Wassermoleküle gelangen durch, Salze werden zurückgehaltenen.
Bei der thermischen Entsalzung wird das Wasser verdampft und destilliert.
80 Prozent der weltweiten Entsalzungsanlagen setzen technisch gesehen auf die Umkehrosmose. 20 Prozent basiert auf thermischer Entsalzung.
Die Anlage El Prat de Llobregat in Barcelona produziert 1.000 Liter entsalztes Wasser zu einem Preis von 70 Cent. Zum Vergleich: Für die Aufbereitung der gleichen Menge Wasser aus dem Fluss Llobregat fallen 20 Cent an.
Laut WHO benötigt ein Mensch in Zeiten von Wasserknappheit täglich (je nach Klimazone und Ernährung) zwischen 7,5 und 15 Liter Trink-/Süßwasser.
Laut UN wird Afrika südlich der Sahara bis 2050 zu einem Hotspot der Wasserknappheit werden.
Risiken und Nebenwirkungen der Entsalzung von Meerwasser
"Die Quelle Meerwasser ist sicher unbegrenzt verfügbar", meint Joachim Went vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE), aber das Ganze werde zu einem Problem der begrenzten Verfügbarkeit von Energie sowie der Umweltbelastung. Bei der Produktion von einem Liter Trinkwasser bleibt ein Liter hochkonzentrierte Salzsole zurück. Und die ist giftig. Ingenieur Went weist zudem darauf hin, dass beim Entsalzungsprozess Substanzen eingesetzt werden, die das Wachstum von Mikroorganismen auf den Membranen unterbinden und Anlageteile vor Korrosion schützen sollen.
Das Salz-Chemikaliengemisch wird schließlich ins Meer geleitet. Es zerstört Mikroorganismen, senkt den Sauerstoffgehalt und gefährdet so küstennahe Ökosysteme. Zudem ist die Entsalzung sehr energieintensiv. Meist kommen dafür fossile Energieträger zum Einsatz.
Auch wenn es gerade viel regnet, hat die Trockenheit im Frühjahr auch eine neue Diskussion über den Wasserpreis ausgelöst. Ist die Ressource Wasser in Deutschland zu billig?
von Eva Schmidt und Annika Keilen
Grafiken
Nachhaltige Entsalzung möglich?
Die Studie der UNU-INEH empfiehlt einen verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien wie Wind- und Sonnenergie. Das Fraunhofer Institut ISE forscht im Bereich nachhaltiger Meerwasserentsalzung und entwickelt entsprechende Pilotanlagen.
Jede Form der Meerwasserentsalzung muss zukünftig ausschließlich mit erneuerbaren Energien erfolgen, um nicht den Auswirkungen des Klimawandels mit einer Maßnahme zu begegnen, die die Erderwärmung noch weiter verstärkt.
„
Joachim Went, Projektleiter am Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme
Sole-Recycling, weniger Chemie, effizientere Anlagen: All das muss weiter entwickelt werden. Denn die Experten sind sich einig: An der Meerwasserentsalzung als Gegenmittel zur Wasserknappheit führt kein Weg vorbei.
Christine Elsner ist Redakteurin der ZDF-Umweltredaktion.
Dürre und Hitze – seit ein paar Jahren ist fast jeder Sommer ein Supersommer. Auf Deutschland kommen neue Herausforderungen zu.13.08.2023 | 30:08 min
Um dir eine optimale Website der ZDFmediathek, ZDFheute und ZDFtivi präsentieren zu können, setzen wir Cookies und vergleichbare Techniken ein. Einige der eingesetzten Techniken sind unbedingt erforderlich für unser Angebot. Mit deiner Zustimmung dürfen wir und unsere Dienstleister darüber hinaus Informationen auf deinem Gerät speichern und/oder abrufen. Dabei geben wir deine Daten ohne deine Einwilligung nicht an Dritte weiter, die nicht unsere direkten Dienstleister sind. Wir verwenden deine Daten auch nicht zu kommerziellen Zwecken.
Zustimmungspflichtige Datenverarbeitung • Personalisierung: Die Speicherung von bestimmten Interaktionen ermöglicht uns, dein Erlebnis im Angebot des ZDF an dich anzupassen und Personalisierungsfunktionen anzubieten. Dabei personalisieren wir ausschließlich auf Basis deiner Nutzung der ZDFmediathek, der ZDFheute und ZDFtivi. Daten von Dritten werden von uns nicht verwendet. • Social Media und externe Drittsysteme: Wir nutzen Social-Media-Tools und Dienste von anderen Anbietern. Unter anderem um das Teilen von Inhalten zu ermöglichen.
Du kannst entscheiden, für welche Zwecke wir deine Daten speichern und verarbeiten dürfen. Dies betrifft nur dein aktuell genutztes Gerät. Mit "Zustimmen" erklärst du deine Zustimmung zu unserer Datenverarbeitung, für die wir deine Einwilligung benötigen. Oder du legst unter "Einstellungen/Ablehnen" fest, welchen Zwecken du deine Zustimmung gibst und welchen nicht. Deine Datenschutzeinstellungen kannst du jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in deinen Einstellungen widerrufen oder ändern.