Razzia gegen Mafia N'Drangheta in Baden-Württemberg

    Schwerpunkt Baden-Württemberg:Dutzende Festnahmen bei Razzia gegen Mafia

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    Bei einer Razzia gegen die kalabrische Mafia N'Drangheta sind in Baden-Württemberg und Italien 29 Verdächtige festgenommen worden. Unter ihnen ist auch ein deutscher Polizist.

    Bei einem europaweiten Einsatz gegen die organisierte Drogenkriminalität durchsuchen Einsatzkräfte seit dem Morgen Wohn- und Gewerbeobjekte in Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Polen und Spanien. Archivbild
    Polizisten durchsuchten im Raum Stuttgart sowie weiteren Bundesländern und Italien die Wohnungen mehrerer Verdächtiger (Archivfoto)
    Quelle: dpa

    Bei einem koordinierten Einsatz der Polizei in Deutschland und Italien gegen die Mafia und organisierte Kriminalität sind mehrere Verdächtige festgenommen worden. In verschiedenen Provinzen in Italien sowie in Baden-Württemberg wurden 29 Menschen festgenommen, davon 20 in Italien, wie die italienische Polizei mitteilte.
    Unter den deutschen Festgenommenen ist auch ein Polizist. Er soll die kalabrische Mafia 'Ndrangheta unterstützt haben, wie Staatsanwaltschaft und Polizei in Waiblingen mitteilten. Ihm werde Geheimnisverrat vorgeworfen. Der Polizist kam in Untersuchungshaft.
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    Untersuchungen laufen nach Angaben der deutschen Behörden auch in drei weiteren Bundesländern. Betroffen sind demnach Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz sowie das Saarland. Im Fokus der Razzia in Deutschland steht aber Baden-Württemberg.
    Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Stuttgart erstrecken sich die Maßnahmen auf Stuttgart, Fellbach, Kernen im Remstal, Weinstadt, Rudersberg, Schorndorf, Waiblingen, Steinheim/Murr, Kuppenheim und Mühlacker.

    Verbindungen zur Mafiaorganisation 'Ndrangheta

    Der Einsatz gehe auf eine Ermittlungskooperation mit den italienischen Behörden zur Bekämpfung der Mafia und der organisierten Kriminalität zurück.
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    Von den 20 Verdächtigen in Italien befinden sich nun 13 im Gefängnis, sieben wurden unter Hausarrest gestellt. Ihnen werden ebenfalls Verbindungen zur kalabrischen Mafia 'Ndrangheta vorgeworfen, teilte die italienische Polizei weiter mit.
    Die Verdächtigen konnten in den Provinzen Cosenza und Crotone in Kalabrien aufgespürt werden. Sie sollen am Aufbau einer kriminellen Organisation beteiligt gewesen sein, die auch in Deutschland ihre Ableger haben soll.

    Geschäft mit Rauschgift

    Die Mafia-Organisation 'Ndrangheta aus der süditalienischen Region Kalabrien ist eine der großen Verbrecherbanden Italiens mit Beziehungen in die ganze Welt. Sie gilt als gefährlicher als die sizilianische Cosa Nostra oder die Camorra aus Neapel.
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    Den größten Teil ihres Geschäfts macht die 'Ndrangheta mit Rauschgift. Nach Einschätzung von Experten hat sie eine dominante Stellung auf dem europäischen Kokain-Markt. Dabei ist sie auch in Deutschland aktiv.

    Hohe Dunkelziffer an Mafiosi in Baden-Württemberg

    Nach einer letzten Auskunft des Landesinnenministeriums (April 2024) leben in Baden-Württemberg rund 170 Personen, die das Landeskriminalamt Baden-Württemberg der organisierten Kriminalität zurechnet. Tätige Mafiaorganisationen seien 'Ndrangheta, Cosa Nostra, Camorra und Sacra Corona Unita. Die regionale Verteilung der rund 170 Personen zeige insbesondere eine Häufung im Bodenseeraum und im Großraum Stuttgart.
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    Experten gehen jedoch von einer hohen Dunkelziffer an Mafiosi in Baden-Württemberg aus. Knapp ein Viertel der Angehörigen der italienischen organisierten Kriminalität in Deutschland leben in Baden-Württemberg. Das wird auf die geografische Nähe zu Italien zurückgeführt, aber auch auf die Wirtschaftskraft des Bundeslandes. Das Spektrum der Straftaten reicht von Betrug über Drogenhandel und Waffendelikten bis hin zur Geldwäsche.
    Den jüngsten Einsatz unterstützt hat nach Angaben der italienischen Polizei außerdem das Interpol-Projekt I-CAN (Interpol Cooperation Against 'Ndrangheta). Mit der Hilfe des I-CAN-Projekts wurden nach Interpol-Angaben seit seinem Start 2020 weltweit schon mehr als 100 Verdächtige festgenommen. An dem Projekt sind demnach etwa 20 Länder beteiligt, hauptsächlich Deutschland und Italien engagieren sich dort verstärkt.

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    Quelle: dpa

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    Quelle: dpa, AFP

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