Crispr/Cas für Getreide und Co:Wie Gentechnik der Landwirtschaft nutzen kann
von Sabrina Zimmermann
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Gentechnik in der Landwirtschaft - bei diesem Thema scheiden sich die Geister. Ist die Sorge berechtigt? Oder kann man bei Pflanzen auch einen Nutzen draus ziehen?
Wissenschaftlern zufolge kann Gentechnik in der Landwirtschaft bei Getreide wie Weizen von Nutzen sein.
Quelle: dpa
Die EU möchte bestimmte Gentechnik-Regeln lockern. Die Gen-Editierungstechnik Crispr/Cas bei der Züchtung von Pflanzen soll - unter bestimmten Bedingungen - nicht mehr den strengen EU-Gentechnikregeln unterliegen. Können die Chancen der Technik die Bedenken beseitigen?
Woher kommt die Angst vor Gentechnik?
Wenn es um grüne Gentechnik geht, zeigen nahezu alle Umfragen der vergangenen Jahre eine klare Tendenz: Die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland lehnt den Einsatz von gentechnischen Methoden in der Landwirtschaft ab.
Für Matin Qaim, Agrarökonom und Direktor am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn, ist klar, woher die Sorge kommt: Mitte der 90er-Jahre gab es Unsicherheit darüber, welche Effekte gentechnisch veränderte Pflanzen auf Gesundheit und Umwelt haben könnten. Und diese Unsicherheit habe sich seitdem festgesetzt.
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Was ist Crispr/Cas überhaupt?
Mit der Gen-Editierungstechnik Crispr/Cas lassen sich gezielte Stellen in der DNA editieren. So können bestimmte Gene beispielsweise ausgeschaltet werden.
Beispiel Gerste: Gerste ist gegen bestimmte Pilze resistent, was Weizen im Gegensatz dazu nicht ist. "Jetzt kann man sich anschauen, wie die Gen-Sequenz an einer bestimmten Stelle im Genom in der Gerste ist. Und kann das im Weizen nachbauen", erklärt Qaim.
Man nimmt die Natur als Vorlage, um eine Pilzresistenz durch ganz kleine Veränderungen im Weizen-Genom einzuführen.
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Prof. Dr. Matin Qaim, Agrarökonom und Direktor am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn
Mit der Genschere lassen sich gezielt Pflanzeneigenschaften hervorbringen, weshalb dieses Verfahren schneller und präziser als konventionelle Pflanzenzüchtungsmethoden ist.
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Laut Studien sind Risiken von Gentechnik nicht höher
"Alle Studien, und das sind Hunderte in verschiedensten Ländern, die durchgeführt wurden, kommen zu dem Schluss, dass die Risiken von Gentechnik gar nicht anders sind als die Risiken von konventionell gezüchteten Pflanzen", berichtet Qaim.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vertreten zudem die Meinung, dass Nutzpflanzen wie etwa Weizen durch neue gentechnische Methoden schneller verbessert werden könnten. Dies sei dringend nötig, um sie beispielsweise widerstandsfähiger gegen Trockenheit, Hitze oder Pilzbefall zu machen. Ob eine Pflanze Risiken mit sich bringt, hänge nicht von der Zuchtmethode ab, sondern von ihren Eigenschaften.
Gefahr hinsichtlich Patentierung von Crispr-Pflanzen
Argrarökonom Qaim sieht eine die Gefahr bei der Patentierung von Crispr-Pflanzen. "Es ist wichtig zu entscheiden, wozu und von wem die Technologie eingesetzt wird, damit nicht alles patentiert und nur in der Hand von einigen, großen Firmen ist." Dennoch sei es unsinnig, die ganze Technologie zu verbieten, da somit auch die Potenziale zunichte gemacht würden.
Gentechnik kann sich positiv aufs Klima auswirken
Eine Studie aus vergangenem Jahr von der Universität Bonn und dem Breakthrough-Institut kam zu dem Ergebnis, dass der Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen (GVO), wie sie bereits in anderen Ländern genutzt wird, Treibhausgasemissionen reduzieren könnte. Der Anbau von GVO-Sorten in der EU könnte zu einer Emissionsverringerung von 33 Millionen Tonnen CO2 führen.
Das entspricht rund 7,5 Prozent der gesamten jährlichen Emissionen der EU-Landwirtschaft. In erster Linie läge das der Studie zufolge daran, dass gentechnisch veränderte Pflanzen höhere Erträge erzielen wurden. Dadurch würde weniger Land für die Produktion der gleichen Menge benötigt werden.
In der EU sollen Crispr-Pflanzen vereinfacht zugelassen werden. In vielen anderen Ländern ist das schon Praxis. In manchen kann man schon DNA-veränderte Lebensmittel kaufen.
von Michael Wiedemann
Sabrina Zimmermann ist Redakteurin des ZDF-Magazins WISO.
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