plan b - die Einzeldokus - Klimaschutz im Krankenhaus
Recycelte Herzschrittmacher und leichtere Krankenhauskittel: Die Medizin wird grün, auch weil der Klimawandel dazu zwingt. Pioniere kämpfen gegen Verschwendung im Gesundheitswesen.
Der renommierte Kardiologe Dr. Carsten Israel ist Chefarzt des Evangelischen Klinikums Bethel in Bielefeld. Jeden Tag setzt er Patienten Herzschrittmacher ein. Die meisten Geräte überleben ihre Träger. Sie werden den Toten entnommen und teuer entsorgt – während Menschen in ärmeren Ländern sterben, weil sie sich keinen Herzschrittmacher leisten können. Dr. Israel macht Schluss mit dieser Vergeudung. Er sammelt gebrauchte Geräte, entkeimt und implantiert sie aufs Neue. In Deutschland ist das verboten, in Ostafrika werden sie dringend gebraucht. Deshalb operiert Dr. Israel dort in seinen Ferien ehrenamtlich Herzkranke. "Wie furchtbar muss sich ein Vater in Kenia vorkommen, wenn er weiß, seine Tochter braucht einen Schrittmacher, aber weil er es nicht schafft, das Geld herbeizuschaffen, stirbt seine Tochter. Dass wir da Leuten helfen, dass die überhaupt noch leben – das ist so etwas Tolles!" Der kleinen Mercy hat der deutsche Arzt eine Kindheit geschenkt. Ohne ihn hätte sie ihren 14. Geburtstag nie gefeiert.
In der Mülldeponie Forchheim liegen Schätze im Wert von vielen Tausend Euro: weggeworfene Medikamente. Für Professor Markus Heinrich von der Universität Erlangen sind sie kein Abfall, sondern ein wertvoller Rohstoff. Der pharmazeutische Chemiker und sein Team extrahieren daraus Wirkstoffe, die sie sonst für durchschnittlich 60 Euro pro Gramm teuer kaufen müssten. Das innovative Verfahren gewinnt die Wirkstoffe aus Medikamenten in höchster Reinheit zurück – und ist so vielversprechend, dass sich sogar die Pharmaindustrie dafür interessiert. Das Recyceln von Medikamenten könnte Milliarden sparen und wäre ein Riesenerfolg – auch für die Umwelt. Eines von vielen neuen Rezepten für eine nachhaltige Medizin.